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Interview mit Konstantin Schrader

„Famulanten sind die Praxisnachfolger von morgen!“

Die neue Approbationsordnung (ZApprO) verpflichtet alle Zahnis zu einer vierwöchigen Praxisfamulatur. Die Plattform „Famupool.de“ will Studierende und Praxen zusammenbringen. Warum das auch gestandene Praxischefinnen und -chefs wissen sollten, weiß Geschäftsführer Konstantin Schrader, der auch Pressesprecher des bdzm ist.

Herr Schrader, mit welchen Herausforderungen oder Mängeln sind Famulanten aktuell noch konfrontiert?

Konstantin Schrader: Die Bedingungen für die Pflichtfamulatur werden bundesweit noch sehr heterogen umgesetzt. Es gibt viel Verbesserungspotenzial bei der Vermittlung von Famulaturen. Studierende sind darauf angewiesen, dass ihre Wunschpraxis einen Vertrag mit ihrer Universität hat, doch vielen Praxisinhabern sind die Pflicht zur Famulatur und die Anmeldungsprozedur als Famulatur-Praxis noch gänzlich unbekannt. Die Lehrstandorte sind selten überregional vernetzt und der bürokratische Aufwand, dies zu ändern, wächst mit jedem Semester.

Das Schlimmste ist: Ländliche Regionen werden momentan noch nicht adäquat abgebildet. Auch fehlen der Zielgruppe oft Informationen über Förderungsmöglichkeiten durch Stipendien von Körperschaften, Kommunen und sozialen Einrichtungen. Durch die Veröffentlichung von Famulaturberichten wollen wir hier Transparenz und Klarheit schaffen.

So funktioniert Famupool

Nach der Registrierung können Famulanten nach Praxen suchen und sich bewerben. Sie können auch Praxen empfehlen, in denen sie famuliert haben oder die ihnen empfohlen wurden. Die Website ist nicht statisch aufgebaut, sondern ein interaktives Portal, das auf studentische Initiative setzt.

Was sind die Ziele bei der Ausgestaltung der Plattform und welche Verbesserungen sollen kommen?

Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen und den Ablauf unter den Studierenden bekannter zu machen. Wir reduzieren dadurch den Verwaltungsaufwand für Universitäten, Praxen und Famulanten. Der Famupool kann auch von Nutzen sein, die ländliche Versorgung und die Nachfolgeplanung in strukturschwächeren Regionen zu fördern.

Wir wollen aber auch die Möglichkeit schaffen, sich seine Famulatur nach fachlichen und persönlichen Präferenzen auszuwählen und dabei den jeweiligen universitätsspezifischen Rahmen einzuhalten. Zudem positionieren wir uns ganz klar: Wir wollen Freiberuflichkeit und Selbstständigkeit stärken, indem wir „Lust auf Praxis“ machen.

Wer unterstützt Sie beim Ausbau des Netzwerks?

Wir agieren aus der Mitte der Studierendenschaft heraus. Neben dem bdzm wird das Projekt maßgeblich durch ehrenamtliches Engagement getragen. Wir sind dankbar, dass die Fachschaften sich bereits frühzeitig mit dem Thema beschäftigt haben und ständig in engem Austausch mit uns stehen. Auch in Zukunft rechnen wir mit dieser Unterstützung, um vor allem die Förderrahmen für studentische Famulaturen transparent und bundesweit zu kommunizieren.

Ebenso schätzen wir die enge Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK). Der persönliche Austausch mit dem Präsidenten Prof. Dr. Bernd Wöstmann und seiner Vorgängerin Prof. Diana Dr. Wolff war maßgeblich, um die akademische Perspektive mit im Boot zu haben.

Da die Zahntechnik fundamentaler Bestandteil unserer Berufsausübung ist, wollen wir das handwerkliche Verständnis fördern. Wir kooperieren deshalb mit der Arbeitsgemeinschaft für Zahnärztliche Laboratorien Deutschland (AZL). So stellen wir sicher, dass Studierende die wichtige Schnittstelle zwischen Behandlungsstuhl und Zahntechnik in der Praxis erleben können.

Wichtig ist uns zudem das soziale Engagement: Wir arbeiten eng mit dem Verein für Zahnhygiene (VFZ) zusammen, damit Studierende zukünftig auch Praktika und Famulaturen bei gemeinnützigen und sozialen Einrichtungen absolvieren können. Dazu veröffentlichen wir regelmäßig Inhalte.

Welche Wünsche und Anregungen kommen von den Studierenden?

Auf der Bundesfachschaftstagung des bdzm Ende April forderten die Teilnehmer vor allem die Transparenz der Fördermöglichkeiten und bundesweit einheitliche Standards. Die IT, die wir dafür benötigen, lässt sich nicht abends am WG-Tisch programmieren. Wir brauchen starke Partner und Reichweite, damit das Projekt seine Ziele erreichen kann.

Aus einer Famulatur könnte bestenfalls eine Praxisnachfolge werden?

Genau! Eine Praxis, die keine einschlägige digitale Sichtbarkeit für potenzielle Famulanten bietet, wird auch keine finden. Sie verliert damit einen wichtigen Zugang zu der Gruppe, aus der mal Praxisnachfolger werden. Mein Appell an alle Kolleginnen und Kollegen in den Praxen lautet daher: Nutzen Sie die zeitgemäßen Möglichkeiten. Erstellen Sie sich einen Account auf famupool.de, um Ihre Praxis zu präsentieren und direkt mit dem Nachwuchs in Kontakt zu treten. Bei der Erfüllung der formalen Anforderungen einer Pflichtfamulatur sind wir gerne behilflich. Ziel ist es, mit wenigen Klicks Famulanten und Praxen zusammenzubringen und eine Plattform für Information und Austausch zu bieten.

Das Gespräch führte Laura Langer.

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