Wie ich mein eigenes Hilfsprojekt in Tansania ins Leben rief
Als ich das Waisenhaus in Arusha im ostafrikanischen Tansania betrat, beobachteten viele Kinder neugierig, was nun passieren würde. Ich legte Zahnbürsten, Zahnpasta und ein großes Zahnmodell auf den Tisch – für viele der Kinder kein alltäglicher Anblick. Einige kamen näher, andere blieben erstmal in der zweiten Reihe. Schon bei dieser ersten Begegnung wurde klar, wie groß der Bedarf an Aufklärung ist.
Viele der Kinder hatten zuvor nur eingeschränkten Zugang zu Zahnpflegeprodukten. Einige berichteten, dass sie keine eigene Zahnbürste besitzen oder sich eine mit mehreren anderen teilen müssen. Entsprechend war auch der Zustand ihrer Zähne: Sichtbare Zahnbeläge waren häufig, teilweise fanden sich bereits initiale kariöse Veränderungen sowie ausgeprägte Fluorosen.
Ich bin Zahnärztin mit Schwerpunkt Kinderzahnmedizin, Prävention und der Behandlung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Mit 16 Jahren begann ich meine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Es folgten das Zahnmedizinstudium und die Approbation.
Heute, mit 36 Jahren, gründe ich – genau 20 Jahre nach meinen ersten Schritten in der Zahnmedizin – meine eigene Praxis in Mainz. Die Zahnmedizin begleitet mich seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft und prägt nahezu alle Bereiche meines Lebens. Deshalb war für mich sofort klar: Wenn ich verreise, dann nur mit einem Koffer voller Mundhygieneartikel.
Aus der Idee wird ein Projekt
Gerade in der Arbeit mit Kindern zeigt sich immer wieder, wie entscheidend frühe Aufklärung und einfache präventive Maßnahmen für die langfristige Zahngesundheit sind. Während in Deutschland strukturierte Präventionsprogramme existieren und Zahnbürsten sowie Zahnpasta selbstverständlich verfügbar sind, fehlt es in vielen Regionen der Welt an grundlegenden Möglichkeiten der Mundhygiene.
Schon lange wollte ich nach Afrika reisen und dort aktiv Unterstützung leisten. Deshalb wandte ich mich an den Reiseveranstalter Travel to Grow, der sich auf soziales Engagement und Freiwilligenarbeit spezialisiert hat. Schnell stand Tansania als Reiseziel fest. Über Travel to Grow entstand der Kontakt zum Verein Friends for Help, der mit dem Waisenhaus in Arusha zusammenarbeitet.
Nach wenigen Telefonaten war das Projekt organisiert: Reise geplant, Sachspenden gesammelt, Koffer gepackt – die meisten davon tatsächlich voller Mundhygieneartikel – und los ging es.
So fühlt sich Zähneputzen an
Gemeinsam mit der Reisegruppe und meinem Partner reiste ich durch Tansania und erlebte die Menschen als ausgesprochen offen und hilfsbereit. Schließlich erreichten wir das Waisenhaus in Arusha. Während unseres eintägigen Workshops spürte ich auch hier die große Neugier und Offenheit der Kinder. Sie wollten verstehen, warum Zähne krank werden und was sie selbst für ihre Zähne tun können.
Um das Thema anschaulich zu vermitteln, machten wir Zahnbeläge zunächst mithilfe einer Anfärbelösung sichtbar. Dieser Moment war für viele Kinder besonders eindrucksvoll: Plötzlich konnten sie selbst erkennen, wo sich Beläge befinden und warum gründliches Zähneputzen so wichtig ist.
Anschließend erklärte ich altersgerechte Putztechniken und übte sie mit den Kindern. David Jackson, Mitgründer des Vereins Friends for Help, unterstützte die Durchführung tatkräftig vor Ort. Auch die Mitglieder der Reisegruppe brachten sich aktiv ein.
Der Workshop war bewusst interaktiv gestaltet – wir lachten viel, bewegten uns und probierten gemeinsam aus, wie sich richtiges Zähneputzen anfühlt. Gerade bei Kindern zeigt sich, dass Motivation und positive Erlebnisse eine entscheidende Rolle für nachhaltige Prävention spielen.
Die Kommunikation erfolgte überwiegend auf Englisch. Gleichzeitig versuchte ich, einzelne Begriffe auf Swahili einzubauen. Natürlich übergaben wir Zahnbürsten, Zahnpasta sowie Demonstrations- und Aufklärungsmaterialien, damit die Kinder auch langfristig Zugang zu Zahnpflege haben.
Ein Moment hat sich mir besonders eingeprägt: Nach dem gemeinsamen Zähneputzen hielten mehrere Kinder stolz ihre Zahnbürsten in die Höhe und zeigten sich gegenseitig ihre sauberen Zähne. Dieser Augenblick machte deutlich, wie viel Wirkung einfache Maßnahmen bereits entfalten können.
Was Präventionsarbeit bewirkt
Die nächste Dental Impact Journey geht nach Kapstadt
Die Eindrücke aus meinem ersten Mundgesundheitsprojekt in Tansania haben mich motiviert, die internationale Präventionsarbeit weiter auszubauen. Für Februar 2027 plane ich gemeinsam mit Travel to Grow eine Reise nach Kapstadt. Das Projekt richtet sich insbesondere an ZFA und Praxisteams aus Deutschland und verbindet soziales Engagement im Bereich Mundgesundheit mit fachlichem Austausch und persönlicher Weiterentwicklung. Interessierte können sich bereits unverbindlich über die geplante Dental Impact Journey informieren und registrieren unter: https://travel-to-grow.com/trips/dental-impact-journey-2027
Für mich persönlich war das Projekt in Tansania eine sehr prägende Erfahrung. Es hat mir erneut vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Prävention verständlich zu vermitteln und Kinder frühzeitig für ihre eigene Zahngesundheit zu sensibilisieren.
Internationale Präventionsarbeit zeigt eindrücklich, wie entscheidend frühe Aufklärung und ein niedrigschwelliger Zugang zu Zahnpflegeprodukten sind – und dass Prävention immer auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Ich freue mich schon auf das nächste Projekt!








