Das wird man ja wohl noch sagen dürfen …
In Mecklenburg-Vorpommern kam es Ende August zu einem bemerkenswerten Vorfall. Der Transplantationsbeauftragte der Universitätsmedizin Rostock, gleichzeitig auch Palliativmediziner, soll sich in verschiedenen Social-Media-Kanälen auf übelste Art und Weise rassistisch und menschenverachtend geäußert haben. Zunächst hätte man glauben können, die Accounts des Oberarztes seien vielleicht gehackt worden. Aber inzwischen hat er die Vorwürfe, die Social-Media-Aktivisten aufgedeckt hatten, wohl zugegeben. Die Uniklinik hat den Mann freigestellt und die Ärztekammer prüft die Sache berufsrechtlich. Jobverlust und Approbationsentzug drohen. Ein Arzt, der in zwei höchst sensiblen Bereichen der Medizin tätig ist, äußert unter seinem Klarnamen in öffentlich zugänglichen Posts Tötungsfantasien, die an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. Hat er wirklich geglaubt, das wäre „in Ordnung“? Oder dass solche Äußerungen durch sein Recht auf freie Meinungsäußerung abgedeckt seien? Gemäß der oft gehörten Phrase „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen …“
Es hat sich viel verschoben im öffentlichen Diskurs. Aussagen, die es früher nicht über die Stammtischgrenze geschafft haben, werden heute per Social Media in alle Welt hinausgeblasen und dann in irgendwelchen Echokammern verstärkt. Offenbar denken nicht wenige, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sei und freie Meinungsäußerung bedeutet, dass man alles öffentlich äußern kann, was einem so durch den Kopf geht – so bösartig es auch sein mag. Anders lassen sich auch die menschenverachtenden Aussagen des Rostocker Transplantationsbeauftragten nicht erklären. Aber wenn jemand, der es sich zum Beruf und eigentlich auch zur Berufung gemacht hat, anderen Menschen zu helfen, solche Aussagen tätigt, hat das noch einmal eine andere Dimension und verstört nachhaltig.
Es steht zu befürchten, dass die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin dazu führen werden, dass sich noch mehr Menschen bemüßigt fühlen, mit Äußerungen nach außen zu treten, die jeglichen Anstand, Moral und Menschlichkeit vermissen lassen. Es wird die Aufgabe aller sein, sich gegen Äußerungen zu stellen, die den Rahmen eines demokratischen Diskurses verlassen.
Von der großen Politik zu diesem Heft: In unserer Titelgeschichte beschäftigen wir uns diesmal mit Platelet-Rich Fibrin (PRF), das den natürlichen Wundheilungsprozess nach oralchirurgischen Eingriffen beschleunigen kann. PRF ist ein autologes Blutkonzentrat, das ohne Zusatz von Antikoagulantien aus dem peripheren Blut des Patienten gewonnen wird. Ziel der Biologisierung mittels PRF ist die gezielte Modulation des Heilungsprozesses durch die Förderung regenerativer Zellantworten. Anhand von zwei Fällen – Socket-Sealing mit späterer Implantation an Zahn 24 sowie einer Wurzelamputation an Zahn 26 – zeigen unsere Experten das Vorgehen, die Materialkombinationen und den Heilungsverlauf.
Und in unserem besonderen Fall mit CME geht es diesmal um Lipome der Mundhöhle. Das sind seltene benigne mesenchymale Tumoren, die im klinischen Alltag aufgrund ihres meist unauffälligen und langsam progredienten Erscheinungsbildes leicht übersehen oder falsch zugeordnet werden können. Insbesondere das Lipom der Zunge stellt eine seltene, differenzialdiagnostisch gegenüber atypischen lipomatösen Tumoren und Liposarkomen abzugrenzende Entität dar.
Wie anders als hierzulande (zahn-)medizinische Versorgung aussehen kann, zeigt unser Blick ins dünn besiedelte Australien, wo seit knapp 100 Jahren der Royal Flying Doctor Service (RFDS) täglich kreuz und quer über den Kontinent fliegt, um den Menschen im Busch Notfallhilfe, Primärversorgung und Präventionsangebote zu bringen. 2025 sorgte der RFDS so für über 20.000 zahnärztliche Behandlungen.
Viel Spaß bei der Lektüre
Sascha Rudat
Chefredakteur




