Die Kaukraft prothetischer Versorgungen im Vergleich
Die Wiederherstellung der Kaufunktion gehört zu den zentralen Zielen der prothetischen Rehabilitation. Während implantatgetragene Rekonstruktionen die Kaufunktion gegenüber konventionellen Totalprothesen nachweislich verbessern können, liegen objektive Vergleichsdaten zwischen unterschiedlichen Versorgungskonzepten bislang nur begrenzt vor. Auf der anderen Seite werden vor allem implantatgetragene Versorgungen immer mit höheren Kaukräften als natürliche Zähne in Zusammenhang gebracht.
Auch der Sprachfunktion kommt eine zentrale Bedeutung zu, da Veränderungen der Prothesengestaltung die Lautbildung und die Verständlichkeit beeinflussen. Ziel der Untersuchung war daher, sowohl die maximale Kaukraft als auch die Sprachfunktion verschiedener prothetischer Rehabilitationen mithilfe objektiver Messverfahren miteinander zu vergleichen.
Material und Methode
In die Querschnittsstudie wurden insgesamt 50 Probandinnen und Probanden eingeschlossen. Je zehn Personen wurden einer der folgenden Gruppen zugeordnet:
natürliche Dentition
festsitzende implantatgetragene Vollbogenversorgung
implantatgetragene Deckprothesen in Ober- und Unterkiefer
Oberkiefer-Totalprothese mit implantatgetragener Unterkiefer-Deckprothese
konventionelle Totalprothesen
Primärer Untersuchungsparameter war die maximale Kaukraft, die mithilfe eines mikroelektromechanischen Drucksensors (Kube Innovations, Montreal, Canada) bestimmt wurde. Zusätzlich erfolgte eine objektive Analyse der Sprachfunktion mittels automatisierter Spracherkennung (iCSpeech, Rose Medical Solutions, Wokingham, UK) während des 45 bis 60 Sekunden langen Vorlesens eines standardisierten englischen Textes. Anschließend wurden die Daten statistisch ausgewertet.
Ergebnisse
Die höchste maximale Kaukraft wurde bei Probanden mit natürlicher Dentition gemessen (752 Newton (N)). Patienten mit festsitzenden implantatgetragenen Rekonstruktionen erreichten durchschnittlich 523 N und damit etwa 70 Prozent der natürlichen Dentition. Implantatgetragene Deckprothesen erzielten 294 N, während Oberkiefer-Totalprothesen gegen implantatgetragene Unterkiefer-Deckprothesen 174 N erreichten. Konventionelle Totalprothesen wiesen mit durchschnittlich 72 N die geringsten Werte auf.
Auch hinsichtlich der Sprachfunktion zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Versorgungsformen. Die natürliche Dentition und festsitzende Implantatversorgungen erreichten durchgehend signifikant bessere Werte als sämtliche herausnehmbaren Versorgungskonzepte.
Diskussion
Die Ergebnisse bestätigen, dass implantatgetragene Rekonstruktionen die funktionelle Leistungsfähigkeit gegenüber konventionellen Totalprothesen deutlich verbessern. Festsitzende Implantatversorgungen kamen der natürlichen Kaufunktion am nächsten und erzielten sowohl bei der maximalen Kaukraft als auch bei der Sprachfunktion die besten Ergebnisse.
Kritisch ist anzumerken, dass die Kontrollgruppe mit natürlicher Dentition deutlich jünger war als die der prothetisch versorgten Patienten. Da die maximale Kaukraft mit zunehmendem Alter physiologisch abnimmt, dürfte ein Teil der Unterschiede altersbedingt sein. Darüber hinaus war die Fallzahl mit zehn Patienten pro Gruppe begrenzt, und innerhalb der Gruppen bestanden Unterschiede hinsichtlich Implantatzahl und Versorgungsdesign. Die objektive Analyse der Sprachfunktion stellt zwar einen innovativen Ansatz dar, ihre klinische Aussagekraft muss jedoch in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.
Fazit für die Praxis
Implantatgetragene Rekonstruktionen verbessern die objektive Kaufunktion deutlich gegenüber konventionellen Totalprothesen.
Festsitzende Implantatversorgungen erreichen die höchste Kaukraft und die besten Ergebnisse bei der Sprachfunktion.
Bereits implantatgetragene Deckprothesen führen zu einer deutlichen funktionellen Verbesserung.
Objektive Messverfahren könnten die Beurteilung prothetischer Rehabilitationen künftig ergänzen.
Gupta A, Patel N, Mante F, Lee JD, Chang MB.Investigating the maximum bite force and speech intelligibility in patients requiring prosthetic rehabilitation. J Prosthodont. 2026 Jul;35(6):861-869.







