„Wir müssen mit dem Thema Prävention raus aus der Gesundheitsblase“
Frau Janssen, wie kam es zur Gründung des Parlamentskreises Prävention?
Anne Janssen: Der Gesundheitsausschuss war im März 2026 auf einer Delegationsreise zum Thema Primärversorgung in Norwegen und Finnland. Bei einem gemeinsamen Abendessen kamen die Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen der Union, der SPD, der Grünen und der Linken ins Gespräch. Wir alle fanden, dass es Sinn machen würde, sich beim Thema Prävention überparteilich zu organisieren. Vor allem, damit wir aus der Gesundheitsblase rauskommen.
Was meinen Sie mit Gesundheitsblase?
Prävention wird zu häufig nur im Bereich der Gesundheitspolitik gedacht. Dabei wird aus unserer Sicht übersehen, dass Prävention beispielsweise durch die Vermeidung von Frühverrentung oder die Senkung der Krankheitstage enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft haben kann. Auch das jüngst viel diskutierte Thema Hitzeschutz – hier spielen Bereiche wie Bauen und Städteplanung eine Rolle – gehört dazu. Prävention ist in allen Politikbereichen ein relevantes Thema.
Warum war für Sie ein Parlamentskreis das richtige Gremium?
Wir haben anfangs über die Gründung einer Enquête-Kommission nachgedacht, aber dafür gibt es sehr hohe parlamentarische Hürden. Uns ging es darum, Informationen zügig ins Parlament zu tragen. Da man einen Parlamentskreis selber einsetzen und sich auch selbst eine Arbeitsordnung geben kann, haben wir uns dafür entschieden. Diese Lösung hat auch den Vorteil, dass wir ganz frei darin sind, welche Expertinnen und Experten wir einladen.
Wer steht denn auf der Gästeliste?
Vor allen Dingen die Abgeordneten aus den anderen Ressorts. Wir möchten sie informieren, für präventive Zusammenhänge sensibilisieren und mit ihnen diskutieren. Nehmen wir das Beispiel Zuckersteuer: Sie wird von den Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Landwirtschaft häufig kritisch betrachtet, weil sie die Perspektive der Betriebe kennen, die Zuckerrüben anbauen. Durch den Parlamentskreis wollen wir genau von solchen Vorbehalten erfahren und sie nach Möglichkeit ein Stück weit abbauen. Uns ist bewusst, dass die Ergebnisse im Parlamentskreis keine Verbindlichkeit haben. Es ist uns aber trotzdem wichtig, den ressort- und parteiübergreifenden Dialog zu fördern.
Als überparteiliches Gremium: Welche gemeinsamen Linien gibt es und wo gehen die Vorstellungen auseinander?
Wir sind uns alle einig, dass im Bereich Prävention noch viel zu holen ist. Aber natürlich setzen die Kolleginnen und Kollegen je nach Fraktion andere Schwerpunkte. Aber auch hier ist der Parlamentskreis ideal, um Positionen auszuloten und Gemeinsamkeiten zu finden.
Das Gespräch führte Susanne Theisen.





