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Mögliche Begleittherapien bei Zahnfleischproblemen

SUNSTAR Deutschland GmbH
Mindestens 80 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden mehr oder weniger an Zahnfleischproblemen, davon 35 Prozent leicht, 45 Prozent moderat und 20 Prozent schwer (Deutsche Mundgesundheitsstudie V). Die Erkrankung am Zahnfleisch ist oft ein multifaktorielles Geschehen und jeder Betroffene hat zusätzlich noch einen individuellen Schwellenwert der Intensität der Beschwerden.

Durch gute häusliche Zahnpflege und professionelle Betreuung in der Zahnarztpraxis lassen sich jedoch nicht alle auftretende Probleme am Zahnfleisch beheben. Die genauen Zusammenhänge zwischen auftretender Beläge auf den Zähnen und der Erkrankung des Zahnfleisches (Gingivitis) und Zahnbettes (Parodontitis) sind noch nicht genau erforscht.

Für eine noch individuellere Patientinnen- und Patientenbetreuung erscheint es daher sinnvoll, neben den konventionellen Therapieansätzen (der Entfernung des supra- und subgingivalen Biofilmes) auch verschiedene Begleittherapien näher zu beleuchten. Das Ziel sollte sein, einen besseren Therapieverlauf im Sinne der Patientinnen und Patienten, sowie eine langfristige Stabilisierung der Erkrankung durch verschiedenen Begleittherapie wie Probiotika, Phyto- und Orthomolekulare Therapie, zu erreichen. Der Inhalt, die Bedeutung und der Nutzen dieser zusätzlichen Therapiemöglichkeiten werden nun im folgenden Artikel auf den Prüfstand gestellt.

Herausforderungen im Praxisalltag

Wer kennt das nicht aus dem täglichen Praxisalltag: Die Patientinnen und Patienten arbeiten gut mit, wir haben bestmögliche Arbeit geleistet und trotzdem fehlt der Therapieerfolg. Die erfolgreiche Behandlung der schweren Formen der Parodontitis stellt früher wie heute eine große Herausforderung für das gesamte Praxisteam dar.

Um langfristig stabile Ergebnisse zu erzielen, sollte der Mensch nicht nur physisch, sondern als Ganzes betrachtet und behandelt werden (Holismus - Ganzheitliche Betrachtung des Menschen). Kommt es an einer Stelle zur Dysbalance (im Falle der Zahnfleischerkrankungen im Mund) leidet der ganze Körper darunter oder umgekehrt kann eine Dysbalance im Darm sich als Entzündung im Mund manifestieren. Welche Faktoren spielen bei der Entstehung der Zahnfleischerkrankung eine Rolle und wie lässt sich der Therapieerfolg optimieren?

Die Rolle des Mikrobioms

Die natürliche beziehungsweise gesunde Darmbesiedelung, bestehend aus vielen verschiedenen Bakterienarten (darunter auch krankheitsauslösende Bakterien), die in Symbiose (in einem Gleichgewicht) leben, ist Voraussetzung für die Gesundheit des Menschen. Kippt dieses Gleichgewicht (Symbiose) zugunsten der krankheitsauslösenden Bakterien (Dysbiose) beziehungsweise ist der Körper nicht in der Lage mit einer ausreichenden Immunabwehr zu reagieren, ist dies der Wegbereiter für eine Erkrankung (Ökologische Plaquehypothese).

Der Körper benötigt daher eine gute Abwehr. Dies zeigt sich auch in Sondersituationen, wie beispielsweise bei einem Zahnwechsel. Hier bricht der Zahn in die Mundhöhle durch und schafft somit eine Eintrittspforte für Bakterien der Mundhöhle in die Zahnfleischtasche oder bei Zahnfleischentzündungen ist das Immunsystem schnell an seinen Grenzen.

Grenzen der konventionellen Therapie

Wie Studien der letzten 30 Jahre eindeutig belegen, spielt die mechanische Entfernung des Biofilmes auf den Zähnen in Form von häuslich durchgeführter Mundhygiene, sowie regelmäßiger professioneller Zahnreinigung eine entscheidende Rolle für die Zahngesundheit. Doch leider stellt sich trotz erfolgreich durchgeführter Therapie der Zahnfleischerkrankungen bei vielen Patientinnen und Patienten kein langfristig stabiler Therapieerfolg ein.

In diesem Fall kann eine Begleittherapie zur Steigerung der Selbstheilungskräfte bzw. zur Stärkung der Immunabwehr sinnvoll sein. Dabei stehen Probiotika, Phyto- und/oder eine orthomolekulare Therapie zur Verfügung. Wichtig hierbei ist es, keine standardisierte Therapie durchzuführen, sondern jede Patientin und jeden Patienten individuell zu betreuen. Die Herausforderung bei der Behandlung der Zahnfleischerkrankungen besteht im Erkennen der Dysbalance und der Motivation bzw. Schulung der Patientinnen und Patienten zur Eigenverantwortung in der Umsetzung der häuslichen Mundhygiene, sowie der Durchführung einer individuellen Begleittherapie.

Verschiedene Begleittherapien im Überblick

In Folge betrachten wir nun verschiedene Möglichkeiten der Begleittherapie bei Erkrankungen des Zahnfleisches und ihr Wirkspektrum, sowie Anwendungsmöglichkeiten. Ebenso möchte die Autorin vier Fallbeispiele vorstellen, die jeweils unterschiedlich behandelt wurden.

Bevor ein Behandlungsschritt erwogen wird, ist eine gründliche Untersuchung der Mundhöhle sowie aller Zähne und des Zahnfleisches (PSI) notwendig. Auf die Diagnose des Zahnarztes oder der Zahnärztin aufbauend erfolgt eine adäquate Therapie. Dabei sollte ein standardisiertes medizinisches Grundkonzept (S3 Leitlinien) in der Behandlung von Zahnfleischerkrankungen eingehalten werden, damit eine gute Basis für den Erfolg der einzelnen Behandlungsschritte geschaffen werden kann.

Generelle Empfehlung für die Gesundung der Patientinnen und Patienten sind neben den Mundhygieneinstruktionen und der professionellen Zahnreinigung stets Maßnahmen zur Stressbewältigung, angemessene Bewegung, basenreiche und ausgewogene Ernährung, sowie die Reduktion von gesundheitsschädlichen Triggern wie bspw. Rauchen. Zusätzlich kann eine der folgenden Begleittherapien, je nach der individuellen Situation, eingesetzt werden.

Probiotika in der Mundhöhle

Die positive Wirkung von Probiotika (Milchsäurebakterien) auf unseren Darm ist bereits seit mehr als einem Jahrhundert bekannt. Die Wissenschaft diskutiert viel darüber, in welcher Form und in welchem Ausmaß Probiotika wirklich die Gesundheit beeinflussen können. Inzwischen hat sich diese Frage auch auf den Aspekt in der Mundhöhle ausgedehnt.

Das Wort Probiotika (Pro=Für und Biotika=Leben) ist ein Gegenpol zu Antibiotika (Anti= gegen und Biotika=Leben). Obwohl Antibiotika in vielen Situationen lebensrettend sind, sollte ihre Anwendung strengeren Indikationen unterliegen, denn die Nebenwirkungen sind nicht außer Acht zu lassen. In der Therapie der Zahnfleischerkrankungen stellt sich daher die berechtigte die Frage, ob die Lösung des Problems darin besteht durch Antibiotika, sowohl die krankheitserregenden als auch die gesunderhaltenden Bakterien abzutöten oder ob es nicht sinnvoller ist, den Körper des Erkrankten darin zu unterstützen wieder ein natürliches Gleichgewicht (Symbiose) herzustellen.

Das Mikrobiom in der Mundhöhle ist nach dem des Darms das zweitgrößte unseres Körpers und weist ähnliche Aspekte auf. Seit knapp 10 Jahren wird die Wirkung von Probiotika im Mund untersucht und es gibt dazu einige vielversprechende klinische Studien. Der neue Ansatz der ökologischen Plaquehypothese (Symbiose – Dysbiose) sucht die Ursachen der Krankheitsentstehung von Zahnfleischerkrankungen im Ungleichgewicht (Dysbiose) der Bakterien und nicht bei den einzelnen pathogenen Bakterien (Spezifische Plaquehypothese), da die pathogenen Bakterien ohne das richtige Umfeld nicht pathogen sind.

Das Konzept der kompetitive Hemmung bedeutet durch Zufuhr von guten Mundbakterien, wie unter anderem das Milchsäurebakterium Laktobazillus reuteri, die paropathogenen Bakterien in Schach zu halten. Somit wird durch die Flutung von guten Bakterien (Milchsäurebakterien) die Zusammensetzung der Bakterien im bestehenden Mikrobiom positiv beeinflusst und aus einer Dysbalance eine Symbiose hergestellt. Indikationen sind Gingivitis, Schwangerschaftsgingivitis und Parodontitis etc.

Probiotika hat die Autorin als Begleittherapie bei Parodontitis Stadium IV Grad C (Fallbeispiel 4) zum Aufbau der Mundflora nach der Therapie angewendet. Der Einsatz von Probiotika wird uns die nächsten Jahre sicher noch weiter begleiten.

Phytotherapie - Pflanzenheilkunde

Die Pflanzenheilkunde Phytotherapie (griechisch Phyton = Pflanze; therapeia = Pflege) hat eine sehr lange Tradition und ist vielen Patientinnen und Patienten bereits sehr vertraut. Pflanzliche Wirkstoffe begleiten unseren Alltag, die traditionelle Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Systemen und umfasst unter anderem die chinesische oder die indisch-ayurvedische Medizin.

Dabei werden die verschiedensten Pflanzenteile (zum Beispiel Blüten, Blätter, Wurzeln, Früchte und Samen) verwendet. Jede Pflanze besitzt ihre individuelle Heilkraft und kann auch in Kombination mit anderen Pflanzenarten verwendet werden. Die Phytotherapie zeichnet sich durch hohe Verträglichkeit und wenige Nebenwirkungen aus. In der Zahnheilkunde haben sich die Wirkstoffe der Arnika, des Blutwurz, Meisterwurz und des roten Sonnenhutes sehr bewährt.

Anwendung und Kontraindikationen (eventuell allergische Reaktionen auf Pflanzenbestandteile, sowie Abklärung bei Schwangerschaft mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen) sind wie bei jeder Therapie vorab anamnestisch abzuklären. Der Vorteil dieser Begleittherapie sind die geringen Kosten und die unkomplizierte Einnahme für die Patientinnen und Patienten.

Orthomolekulare Therapie – Mikronährstofftherapie

Diese begleitende oder alternative Behandlungsmethode ist je nach Schweregrad der Zahnfleischentzündung für Patientinnen und Patienten geeignet, die an einem Vitalstoffmangel leiden. Um dies festzustellen, kann zuerst eine Analyse der Mineralstoff- und Vitaminwerte durchgeführt werden. Meist wird als Therapie eine hochdosierte Gabe der fehlenden Substanzen empfohlen, dies sollte jedoch unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Häufig korrelieren Entzündungen am Zahnfleisch mit einem Zinkmangel und in einigen Fällen stellt sich auch ein Selenmangel dar. Beide Vitalstoffe sind nötig, um Entzündungen im Körper zu reduzieren (antientzündliche Wirkung). Auch ein ausreichender Vitamin C Spiegel sollte vorhanden sein, dieser aktiviert den Zellstoffwechsel und unterstützt den Aufbau und die Reparatur der Kollagene (das ist ein Protein, welches Zahn, Knochen und Zahnfleisch erhält).

Gleichzeitig stimuliert Vitamin C das Immunsystem bei einem Angriff von Bakterien und Viren, um den Körper vor Infektionen zu schützen. Vitamin D schützt ebenfalls vor Infektionen und Entzündungen und stärkt den Knochen, dieser Wert lässt sich sehr einfach ermitteln (auch in der Zahnarztpraxis möglich).

Das körpereigene Enzym Coenzym Q10 kann vom Körper selbst hergestellt werden, um die Mitochondrien (Kraftwerde der Zellen) mit Energie zu versorgen. Bei starken Entzündungen sinkt dieser Wert drastisch und kann entweder über Kapseln oder äußerlich über einen Spray dem Körper, speziell in der Mundhöhle, dem Zahnfleisch zugeführt werden, um die Heilung zu beschleunigen. Ein weiterer antientzündlicher Mineralstoff ist das Magnesium, welches sehr leicht eingenommen werden kann.

Über die Ernährung sollte auf einen ausgewogenen Anteil an Omega 3 Fettsäuren geachtet werden. Reicht dies nicht aus, kann man es in Form von Ölen oder als Kapsel substituieren. Da die Aufnahme von Omega 6 Fettsäuren über die falsche Ernährung (Fertigprodukte mit viel E-Stoffen, viel Fleisch und Wurst aus Massentierhaltung, Produkte aus Weißmehl etc.) in den letzten Jahrzehnten rapid angestiegen ist, nimmt auch das Entzündungsgeschehen im Körper zu, wenn kein ausreichender Omega 3 Fettsäuren Gehalt als Ausgleich im Körper zur Verfügung steht. Das ungleiche Verhältnis in der Nahrungsaufnahme von Omega 3 zu Omega 6 Fettsäuren spielt in der Progression der Zahnfleischentzündungen eine wichtige Rolle.

Die orthomolekulare Therapie bietet durch die gezielte Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen ein ganzheitliches Konzept zur Sanierung und Pflege des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates. Hierfür macht es Sinn mit einer auf den Mangel abgestimmten Mikronährstoffkur durchzuführen, die helfen das Immunsystem zu stärken und die Entzündung dadurch zu reduzieren. Jedoch die Grundlage für die gute Aufnahme der Vitalstoffe ist ein gut funktionierender Darm. Dieser kann langfristig nur über eine Ernährungsumstellung positiv beeinflusst werden.

Fazit

Durch Fehlernährung verlieren Menschen die bakterielle Diversität im Darm und dies fördert die Entzündungen im Körper, da es zu einer ungünstigen Verschiebung der bakteriellen Besiedelung kommt. Ähnliches geschieht zusätzlich auch im Mund und hier manifestieren sich die Entzündungen am Zahnfleischsaum.

Der ganzheitliche Ansatz in der Therapie von Zahnfleischerkrankungen ist unumgänglich, da bei jeder Patientin und jedem Patienten individuelle Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. Gut beeinflussbare Faktoren, wie die Ernährung und notwendige Nährstoffergänzungen bei Mangelerscheinungen, sind mögliche Begleittherapiemaßnahmen. So rückt die Ernährung bei der Parodontitistherapie in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Behandlungskonzepte.

Ebenso spielt die Etablierung einer gesunden Mundflora (Symbiose) über Probiotika ein wichtige Rolle in der Heilung von Zahnfleischerkrankungen. Die Phytotherapie hat sich ebenfalls bewährt und kommt bei den Patientinnen und Patienten durch die Einfachheit und den sichtbaren Erfolg sehr gut an.

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