44 Prozent der Terminangebote nutzen Patienten nicht
Von insgesamt rund 3,58 Millionen Terminen, die Arztpraxen den gesetzlich Versicherten über die Terminservicestellen (TSS) bereitgestellt haben, wurden nur rund 2 Millionen tatsächlich gebucht, teilte das Zi mit. Für die aktuelle Analyse hatte das Institut Daten aus den TSS der Kassenärztlichen Vereinigungen im Zeitraum zwischen Oktober 2025 und September 2026 ausgewertet.
Zwischen den Fachgruppen gibt es demnach erhebliche Unterschiede. Während in der Neurologie 91 Prozent und in der Psychotherapie 84 Prozent der angebotenen Termine gebucht wurden, lagen die entsprechenden Anteile in der Allgemeinmedizin bei lediglich 25 Prozent und in der HNO-Heilkunde bei 28 Prozent. Auch in der Inneren Medizin (65 Prozent), Augenheilkunde (55 Prozent) und Frauenheilkunde (46 Prozent) variierten die Buchungsquoten deutlich.
„Die Diskussion über lange Wartezeiten und zusätzliche Termingarantien muss auch berücksichtigen, wie gut die bereits vorhandenen Vermittlungsmöglichkeiten genutzt werden“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Die Terminservicestellen böten schon heute einen etablierten Zugang zu Arztterminen, der offenbar noch nicht ausreichend bekannt sei.
„Wenn fast jeder zweite angebotene Termin ungebucht bleibt, zeigt das, dass bestehende Strukturen besser ausgeschöpft werden sollten, bevor neue, weitergehende Maßnahmen ergriffen werden“, forderte von Stillfried. Dabei bleibe die sehr kurze mittlere Wartezeit von durchschnittlich knapp acht Tagen auf die von den TSS vermittelten Termine in der öffentlichen Diskussion unerwähnt.
5,7 Prozent der gebuchten Termine wurden abgesagt
Das Zi analysierte auch die Daten zur tatsächlichen Wahrnehmung vereinbarter Termine – demnach wurden 5,7 Prozent der gebuchten Termine von den Patienten abgesagt. Weitere 2,1 Prozent wurden ohne vorherige Absage nicht wahrgenommen (sogenannte No-Shows). Laut Zi liegt die tatsächliche No-Show-Quote vermutlich höher, da von den Praxen nicht alle ausgefallenen Termine systematisch in der Terminsoftware dokumentiert werden.
„Jeder Termin, der ohne Absage nicht wahrgenommen wird, fehlt möglicherweise einem anderen Patienten“, monierte von Stillfried. Das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel eines schnelleren Zugangs zur fachärztlichen Versorgung könne angesichts begrenzter personeller und zeitlicher Ressourcen nur erreicht werden, wenn vorhandene Behandlungskapazitäten möglichst effizient genutzt werden. Dazu gehöre auch eine größere Verbindlichkeit bei der Terminbuchung.
Zusätzliche Bedeutung erhalten die Ergebnisse laut Zi durch den im Entwurf des Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) vorgesehenen digitalen Versorgungseinstieg sowie die im Rahmen der Notfallreform beschlossene Terminmeldepflicht für Praxen. Während im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erst kürzlich die Finanzierung einer schnellen Terminvergabe ersatzlos gestrichen wurde, soll mit den aktuellen Gesetzesinitiativen die zentrale Terminvermittlung gestärkt werden, um schnellere Facharzttermine zu ermöglichen.
Zusätzliche Verpflichtungen belasten Praxen
„Leider wird dabei stärker auf zusätzliche Verpflichtungen für Praxen gesetzt, statt diese gezielt zu unterstützen“, kritisierte von Stillfried. Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber empfänden die derzeitigen bürokratischen Anforderungen vielfach als erdrückend. „Zusätzliche Verpflichtungen könnten die selbstständige Niederlassung unattraktiver machen und den Trend zur ärztlichen Anstellung verstärken. Da angestellte Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zu Selbstständigen tendenziell kürzere Arbeitszeiten aufweisen und weniger Patientinnen und Patienten pro Arbeitsstunde behandeln, könnte dies das Terminangebot für gesetzlich Versicherte eher reduzieren als erweitern“, warnte von Stillfried.







