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Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland

Antibiotika-Verordnungen sinken seit zehn Jahren

LL
Medizin
Die Verordnungsrate nimmt kontinuierlich ab. Das zeigen die Zahlen des Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Im europäischen Vergleich verordnen Praxen „überaus moderat“.

Seit 2010 ist die altersübergreifende Verordnungsrate demnach ontinuierlich gesunken: von 559 auf 414 Verordnungen pro 1.000 gesetzlich Versicherten im Jahr 2019. Das entspricht einem Rückgang von 26 Prozent.

Die Zahl der Verordnungen brach 2020 und 2021 ein

So lauten die zentralen Ergebnisse einer Studie des Zi zu „Altersspezifische Trends der Verordnung systemischer Antibiotika in den Jahren 2010 bis 2024“. Die Studie legt dazu differenzierte Zahlen nach Jahren und Altersgruppen vor. Der Trend zeigt sich darin deutlich.

Einen starken Einbruch bei den Verordnungen gab es demnach in Pandemie-Jahren 2020 und 2021 – vermutlich auch aufgrund einer deutlich reduzierten Zirkulation anderer respiratorischer Erreger, meldet das Zi. Danach näherten sich die Verschreibungen wieder dem präpandemischen Niveau. Insgesamt verordneten Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland immer weniger Antibiotika.

Wirksamkeit ist durch Resistenzen gefährdet

Höhere Verordnungsraten in den Jahren 2023 und 2024 betrafen ausschließlich die Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen.  Angesichts des kontinuierlichen Rückgangs des Antibiotikaeinsatzes in diesem Alterssegment zwischen 2010 und 2019 dürfte der vorübergehende Anstieg Ausdruck eines temporär veränderten altersspezifischen Erkrankungsgeschehens sein, teilt das Zi mit. So waren insbesondere die Wintermonate der Jahre 2022/2023 und 2023/2024 nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) geprägt von einer unüblich starken Zunahme des Infektionsgeschehens.

„Die medikamentöse Therapie mit Antibiotika ist bei schweren bakteriellen Infektionen unverzichtbar", sagt der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Ihre Wirksamkeit werde jedoch durch die Ausbreitung von Resistenzen gefährdet. Nicht indizierte Antibiotikatherapien könnten das Risiko der Entwicklung resistenter Erreger erhöhen.

„Unsere aktuellen Datenauswertungen zeigen aber einmal sehr deutlich: Der Großteil der Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland setzt Antibiotika überaus zurückhaltend und nach entsprechender sorgfältiger Risikoabwägung ein. Positiv hervorzuheben ist auch die stark rückläufige Verordnungsrate von Fluorchinolonen, nicht zuletzt aufgrund von Warnungen vor schwerwiegenden gesundheitlichen Nebenwirkungen.“

Deutschland verordnet im europäischen Vergleich moderat

Er verweist auch darauf, dass Deutschland mit dem starken Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in den Jahren 2020 und 2021, aber auch mit dem Wiederanstieg in den Folgejahren nach der Pandemie dem europäischen Trend folge. Dabei zeige der internationale Vergleich auch im Wiederanstieg einen eher geringen Antibiotikaeinsatz in Deutschland.

So wurden nach Angaben des „European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)“ etwa im Jahr 2023 in 23 europäischen Ländern höhere und lediglich in vier Ländern geringere Verordnungsmengen von Antibiotika in der ambulanten Versorgung beobachtet.

Die Zi-Untersuchung fußt auf den ambulanten Arzneiverordnungsdaten aller gesetzlichen Krankenkassen. Die jährliche Verordnungsrate systemischer Antibiotika wurde als Anzahl abgegebener Antibiotika pro 1.000 Versicherte insgesamt und je Altersgruppe berechnet.

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