Bündnis fordert verbindliche Nachhaltigkeitsstrategie
Nachhaltigkeit ist keine zusätzliche ökologische Anforderung, sondern eine zentrale Voraussetzung für ein leistungsfähiges, resilientes und finanzierbares Gesundheitssystem. Zu diesem Schluss kommen der BKK Dachverband, die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, das Centre for Planetary Health Policy sowie weitere Organisationen des Gesundheitswesens in ihrem gemeinsamen Eckpunktepapier „Nachhaltigkeit im deutschen Gesundheitssystem – Eckpunkte für eine Strategie“.
Das Papier beschreibt konkrete Handlungsbedarfe in neun zentralen Bereichen: Governance, Prävention und Versorgungsplanung, ambulante, pflegerische und stationäre Versorgung, Arzneimittel, Medizinprodukte, Abfallreduktion, Transport sowie Digitalisierung. Die Empfehlungen sollen in den kommenden Wochen an das Bundesministerium für Gesundheit und die Mitglieder des Deutschen Bundestages übergeben werden.
Die wichtigsten Forderungen auf einen Blick
Nachhaltigkeit als verbindliches politisches Ziel verankern: Die Initiatoren fordern eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesundheitswesen unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit. Nachhaltigkeit soll bei allen Strukturreformen mitgedacht und systematisch gesteuert werden.
Prävention deutlich stärken: Die nachhaltigste Versorgung ist diejenige, die Krankheiten verhindert. Gesundheitsförderung und Prävention sollen daher stärker in Planung, Finanzierung und Versorgung integriert werden.
Versorgung stärker am tatsächlichen Bedarf ausrichten: Gefordert wird eine bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige und ressourcenschonende Versorgung. Dabei geht es ausdrücklich nicht um weniger Leistungen, sondern um wirksamere und effizientere Versorgung.
Nachhaltigkeit in allen Versorgungsbereichen berücksichtigen
Arzneimittel und Medizinprodukte nachhaltiger gestalten: Lieferketten, Produktion und Beschaffung von Arzneimitteln und Medizinprodukten sollen stärker nach Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden. Dafür werden vergleichbare Standards und politische Planungssicherheit gefordert.
Ressourcenverbrauch und Abfälle reduzieren: Das Gesundheitswesen soll seinen Material- und Energieverbrauch senken, Kreislaufwirtschaft fördern und vermeidbare Abfälle reduzieren, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.
Digitalisierung als Nachhaltigkeitshebel nutzen: Digitale Prozesse sollen helfen, Doppeluntersuchungen, unnötige Wege und Verwaltungsaufwand zu reduzieren und dadurch Ressourcen einzusparen.
Klimaresilienz des Gesundheitssystems stärken: Das Gesundheitswesen soll besser auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vorbereitet werden, etwa auf Hitzewellen, Extremwetterereignisse oder neue Krankheitsrisiken.
Entstanden ist das Eckpunktepapier im Rahmen eines langfristig angelegten Dialogprozesses, der vom BKK Dachverband initiiert und wissenschaftlich vom Centre for Planetary Health Policy begleitet wurde.
Beteiligt sind aktuell 37 Organisationen, unter anderem die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Gemeinsame Bundesausschuss, der Bundesverband Medizintechnologie, das Aktionsbündnis Patientensicherheit, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, die Nationale Präventionskonferenz, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege sowie der Deutsche Pflegerat. Auch internationale Erfahrungen aus Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark und Österreich flossen in die Erarbeitung der Empfehlungen ein.
„Wer heute nicht handelt, riskiert künftig höhere Folgekosten“
Die beteiligten Organisationen sehen die anstehenden Strukturreformen als wichtige Chance, Nachhaltigkeit dauerhaft als strategisches Leitprinzip im deutschen Gesundheitssystem zu verankern. Wer heute nicht handelt, riskiert künftig höhere ökologische, gesundheitliche und finanzielle Folgekosten.









