ePA wird bislang kaum aktiv genutzt
Am 29. April vergangenen Jahres startete die ePA für alle bundesweit. Seit 1. Oktober sind Zahnärzte, Ärzte, Apotheken und andere Leistungserbringer verpflichtet, die Akte zu befüllen. Nun zieht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine kritische Bilanz: Laut der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des vzbv kennen zwar fast alle gesetzlich Versicherten (94 Prozent) die ePA, aber ein Großteil davon (71 Prozent) nutzt die eigene Akte nicht aktiv. Weitere neun Prozent haben Widerspruch eingelegt und Daten löschen lassen.
Der Hauptgrund für die ausbleibende Nutzung liegt laut der Befragung darin, dass sich die Versicherten bislang noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Dies gaben 75 Prozent der Befragten an. Zudem sehen 33 Prozent bislang keinen persönlichen Nutzen in der ePA. 13 Prozent haben Datenschutzbedenken. Für die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des vzbv 1.037 gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren befragt.
Einrichtungsprozess finden viele zu kompliziert
In einem parallel zur Befragung durchgeführten Verbraucheraufruf gaben die Befragten zudem an, dass sie den Einrichtungsprozess der ePA als kompliziert, unübersichtlich und technisch aufwendig empfinden. Auch mangele es ihnen an Unterstützung und Informationen durch die Krankenkassen. Gewünscht werden hingegen genaue Steuerungsmöglichkeiten, wer welche Daten sehen dürfe (68 Prozent), digitale Untersuchungshefte (66 Prozent) und Hinweise auf Wechselwirkungen von Medikamenten (64 Prozent).
vzbv: „ePA ist noch nicht im Alltag angekommen"
„Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen“, resümiert Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Das sei wenig überraschend, denn zentrale Funktionen wie digitale Impf- oder Bonushefte fehlten weiterhin. Bislang bleibe die ePA hinter den Erwartungen zurück. Pop forderte, die E-Akte „zügig im Sinne der Versicherten“ weiterzuentwickeln, damit sie ihr volles Potenzial entfalten könne.
Auch Hausärzte üben Kritik
Kritik an der bisherigen Form der ePA äußerten auch die Hausärzte. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV), sprach gegenüber den Zeitungen der „Funke“-Mediengruppe von einem „absurd komplizierten Registrierungsprozess“. In der aktuellen Form sei die ePA nur „eingeschränkt praxistauglich“.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte bei der Vorstellung der Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie in Gesundheit und Pflege das Ziel verkündet, die ePA zum „Dreh- und Angelpunkt“ der Versorgung zu machen und die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer von derzeit vier auf 20 Millionen bis Ende 2030 zu erhöhen. Dafür will sie die ePA-Funktionen deutlich ausbauen.


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