Tübinger Studie

Forscher finden Ursache für Atemprobleme bei COVID-19

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Gesellschaft
Tübinger Wissenschaftler haben die Ursache des coronabedingten Lungenversagens identifiziert: Der Antikörper Immunglobulin A, der bei der Infektion gebildet wird, vernichtet die Stabilität der Lungenbläschen.

Ein schwerer COVID-19-Verlauf kann zu einem akuten Atemnotsyndrom führen. Im Rahmen einer internationalen Studie erforschten Forscher der Universitäts-Hautklinik Tübingen die Ursachen für diese frühe Sauerstoffnot. Dafür entnahmen sie Blutproben sowie Lungengewebe und -flüssigkeit von schwer erkrankten COVID-19-Patienten, die in der Schweiz und Deutschland im Krankenhaus lagen. Eine schwere Erkrankung lag dann vor, wenn aufgrund von SARS-CoV-2 Sauerstoff zugeführt werden musste.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Lungen von COVID-19-Patienten jenen gleichen, die ein akutes Lungenversagen aufweisen oder zum Teil oder vollständig kollabiert sind. Atemprobleme zeigten sich dabei noch bevor die durch das Virus ausgelösten Organschäden die Lunge erreichten.

Immunglobulin A ist wird zum Problem

Bei einer COVID-19-Infektion bilden sich Autoantikörper, die wiederum körpereigene Antigene bilden. Bei Patienten mit schwerem COVID erfolgt den Tübinger Forschern zufolge während der frühen Immunantwort auf die Infektion eine schnelle und anhaltende Produktion des Antikörpers Immunglobulin A (IgA).

Die Folge sind erhöhte IgA-Werte. IgA sind Eiweiße, die zum Immunsystem des Körpers gehören und sowohl im Blut als auch in den Schleimhautsekreten vorkommen. Auf den Schleimhäuten bilden sie einen Schutz gegen Krankheitserreger wie das Coronavirus, indem sie diese neutralisieren, so dass sie nicht weiter in den Körper eindringen können.

In der Folge kollabieren die Lungen

Dabei binden die IgA-Antikörper an Proteine im Schleimhautsekret Surfactant, das die Lungenzellen in den Alveolen produzieren. Diese Proteine sind für den Sauerstoffaustausch in der Lunge notwendig. Zusammen mit dem Surfactant sind sie essenziell für die Stabilität der Lungenbläschen.

"Die Studienergebnisse zeigen, dass bei einer Infektion mit dem Coronavirus die erhöhten Werte des IgA-Antikörpers zu einem Mangel an diesem Schleimhautsekret führen“, erläutert Autor Prof. Lukas Flatz. „In der Folge kollabieren die Lungen, es entsteht Atemnot.“ Betroffene Patienten benötigen daher Unterstützung beim Atmen durch zusätzlich zugeführten Sauerstoff.

Sinnberg et. al: Pulmonary Surfactant Proteins are Inhibited by IgA Autoantibodies in Severe COVID-19, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2022)

DOI: doi.org/10.1164/rccm.202201-0011OC

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