Zahnärztemangel in ländlichen Regionen

FVDZ: Zulassungsbeschränkungen lösen kein Problem

mg
Politik
Wie schon die KZV Sachsen-Anhalt kritisiert nun auch der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) die Pläne von Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD), wieder Zulassungsbeschränkungen einzuführen.

Im Landtag kündigte Grimm-Benne vergangene Woche an, mit ihren ostdeutschen Ressortkollegen zu besprechen, ob eine entsprechende Bundesratsinitiative gestartet werden soll. „Zulassungsbeschränkungen wären ein Supergau für die Versorgung“, kommentierte der Bundesvorsitzende des (FVDZ), Dr. Christian Öttl. „Die Niederlassungsfreiheit ist ein hohes Gut.“

Bereits jetzt seien die Tendenzen, als Zahnärztin oder Zahnarzt in die Niederlassung zu gehen, rückläufig. „Mit einer Zulassungsbeschränkung wird die Problematik nicht besser“, sagt Öttl. „Dann bleiben die Kolleginnen und Kollegen eben in der Anstellung.“ Kein Zahnarzt mehr als bisher gehe aufs Land, wenn die Niederlassungsfreiheit beschränkt werde. Die Niederlassung in ländlichen Regionen müsse doch mit Anreizen verbunden werden und nicht mit staatlichem Steuerungswillen und noch mehr Regulierung.

„Es braucht attraktivere Rahmenbedingungen“

„Wir haben lange für die Niederlassungsfreiheit gekämpft“, betont der FVDZ-Bundesvorsitzende. Zulassungsbeschränkungen wieder einzuführen, löse ja nicht das Problem des Nachwuchsmangels. „Statt einer Bundesratsinitiative für mehr Regulierung sollten die Gesundheitsminister der Länder sich für mehr Zahnmedizinstudienplätze, eine Landzahnarztquote und insgesamt attraktivere Rahmenbedingungen für die Niederlassung einsetzen.“

Ein ostdeutsches Problem allein sei dies nicht – auch wenn sich der Zahnärztemangel dort als erstes massiv zeigen werde, ist Öttl überzeugt. Nach der Wende hatten sich Anfang der 1990er Jahre viele Zahnärzte in den ostdeutschen Bundesländern gleichzeitig niedergelassen. 30 Jahre später gehen nun in kurzer Zeit ebenso viele gleichzeitig in den Ruhestand – ohne gesicherte Nachfolge.

Sachsen-Anhalt hatte vor kurzem Alarm geschlagen ob der schlechten Versorgungslage und mindestens 500 fehlenden Zahnärzten im Jahr 2030. „Die Reaktion der Ministerin ist allerdings kurzsichtig, vielleicht sollte zunächst einmal über Bedarfsplanung und Anreize zur Niederlassung gesprochen werden, bevor man mit der ganz groben Kelle der Zulassungsbeschränkung kommt“, sagt der FVDZ-Bundesvorsitzende. Dass dies kein zielführendes Instrument sei, zeige die Situation im haus- und fachärztlichen Bereich deutlich.

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