HPV-Impfung senkt Zervixkarzinom-Sterblichkeit
Forschende der Queen Mary University of London werteten Mortalitätsdaten aus England zwischen 2001 und 2024 aus. Grundlage ist das dortige seit 2008 bestehende HPV-Impfprogramm für 12- bis 13-jährige Mädchen, ergänzt um eine Nachholkampagne für 14- bis 18-Jährige. Die Impfquote lag vor der Pandemie bei 80 bis 90 Prozent.
Bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren, die überwiegend im Schulalter geimpft wurden, wurde zwischen 2020 und 2024 kein einziger Todesfall durch ein Zervixkarzinom mehr registriert. Ohne Impfprogramm wären den Berechnungen der Studienautoren zufolge rund 23 Todesfälle zu erwarten gewesen. Insgesamt geht die Studie davon aus, dass in England bereits rund 200 Todesfälle durch das Programm verhindert wurden.
Ein starkes Argument für die Impfaufklärung im Kindes- und Jugendalter
Für Deutschland, wo die HPV-Impfquoten noch deutlich niedriger liegen, seien die Daten ein starkes Argument für konsequente Impfaufklärung bereits im Kindes- und Jugendalter, stellt der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) fest. Die Ergebnisse bestätigten den Kurs, für den sich BVF-Vorstandsmitglied Dr. Cornelia Hösemann seit Jahren mit einem HPV-Schulimpfprojekt in Sachsen einsetzt. Seit dem Start im Sommer 2019 klärt der Verband bei Elternabenden in vierten und fünften Klassen über HPV auf und bietet die Impfung direkt vor Ort in der Schule an, um möglichst alle Kinder unabhängig vom familiären Hintergrund zu erreichen.
Der Nutzen sinkt mit späterem Impfzeitpunkt
Hösemann ist zudem Mitglied im Expertenteam der „Hotline-Impfen“ der Ärzte Zeitung, wo sie regelmäßig Praxisfragen zum Impfen evidenzbasiert beantwortet. In ihrem jüngsten Beitrag klärt sie, ob eine HPV-Impfung auch bei Frauen nach dem 50. Lebensjahr noch sinnvoll ist. Ihre Antwort: Die Zulassung kennt keine obere Altersgrenze, doch der Schutzeffekt sinkt mit dem Impfzeitpunkt, wie eine schwedische Registerstudie zeigt (88 Prozent Risikoreduktion bei Impfung vor dem 17. Lebensjahr gegenüber 53 Prozent bei Impfung zwischen dem 17. und 30. Lebensjahr).
Oropharyngeale Tumore nehmen bei Männern ab 50 zu
Praxisrelevant sei zudem, dass HPV-assoziierte Erkrankungen auch bei Männern zunehmen, mit einem zweiten Erkrankungsgipfel oropharyngealer und sinunasaler Läsionen zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr, sowie das erhöhte Rezidivrisiko nach operativer Therapie einer CIN (cervicale intraepitheliale Neoplasie), das durch eine Impfung um bis zu 65 Prozent gesenkt werden kann.
Eine generelle STIKO-Empfehlung für die Impfung über das 18. Lebensjahr hinaus gibt es nicht, so dass die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen im Einzelfall geprüft wird.
Sasieni P, Falcaro M. Cervical cancer mortality trends following HPV vaccination in England, 2001–24. Lancet. 2026; doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00918-9


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