Jeder vierte Arzt steht kurz vor dem Rentenalter
Besonders problematisch ist diese Prognose, da die Bevölkerungsalterung die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen im selben Zeitraum erhöhen wird, schreibt die WHO. Gleichzeitig sei laut der Auswertung der aktuell verfügbaren Daten aus 122 Ländern weltweit durchschnittlich fast jeder vierte Arzt über 55 Jahre alt ist und könnte im kommenden Jahrzehnt in den Ruhestand gehen. „In Ländern mit hohem Einkommen steigt dieser Anteil auf fast jeden dritten“, heißt es. 67 Länder würden darum bis 2030 nicht über genügend Gesundheitspersonal verfügen, um den Gesundheitsbedarf ihrer Bevölkerung zu decken.
Dichte des Gesundheitspersonals ist jetzt zwei Jahrzehnte lang gestiegen
„Die Alterung des Gesundheitspersonals ist die versteckte Krise, die dringender Aufmerksamkeit bedarf. Sie übt einen doppelten Druck auf die Gesundheitssysteme aus, vor allem in Ländern mit hohem Einkommen“, sagt Dr. Khassoum Diallo, kommissarischer Leiter der Abteilung für Gesundheitspolitik und Daten der WHO-Akademie.
Der Bericht zeigt aber auch, die Dichte des Gesundheitspersonals (Ärzte, Pflegekräfte, Hebammen, Zahnärzte und Apotheker) in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweit um 52 Prozent gestiegen ist, von 44,8 pro 10.000 Einwohner im Jahr 2006 auf 67,9 im Jahr 2025. Weltweit gebe es mittlerweile mehr als 70 Millionen Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich.
Diese globale Verbesserung verschleiert laut WHO jedoch die weiterhin bestehenden tiefgreifenden Ungleichheiten zwischen Ländern und Regionen. So sei beispielsweise die Ärztedichte in der WHO-Region Europa 13-mal und die Dichte der Pflegekräfte und Hebammen sechsmal höher als in der WHO-Region Afrika.
Der Bericht unterstreicht, dass Personalmangel und ungleiche Verteilung den Zugang vieler Menschen zu grundlegenden Gesundheitsleistungen weiterhin einschränken. „Trotz Fortschritten bei der Personalentwicklung und der Datenerfassung besteht weiterhin ein ungleichmäßiger und gravierender Mangel an Gesundheits- und Pflegekräften, und die Dichte des Gesundheitspersonals korreliert stark mit dem nationalen Einkommen“, erklärt Diallo. „Die Beseitigung dieser Ungleichheiten ist unerlässlich, um das Ziel ‚Gesundheit für alle‘ zu erreichen.“
Auch die zunehmende globale Migration von Gesundheitspersonal könne die Defizite im Gesundheitswesen verschärfen. In einigen Ländern zeigt sich bereits ein Paradox: Hohe Arbeitslosigkeit koexistiere mit großen ungedeckten Gesundheitsbedürfnissen der Bevölkerung.
Der Bericht „National health workforce accounts: health workforce levels and trends 2026“ ist der erste einer jährlichen Reihe, die ein umfassendes globales Bild des Gesundheitspersonals, seiner Entwicklung und der damit verbundenen Herausforderungen auf Basis offizieller Länderdaten aus den Nationalen Gesundheitspersonalkonten (NHWA) geben soll. Mehr als 90 Prozent der WHO-Mitgliedstaaten meldeten 2025 aktiv Daten zum Gesundheitspersonal. Insgesamt hat sich die Verfügbarkeit von Daten zum Gesundheitspersonal damit seit dem Start der NHWA im Jahr 2017 fast verzwanzigfacht.


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