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Analyse der Sterblichkeitsdaten in Europa

Keine einzige Region in Deutschland ist bei der Lebenserwartung spitze

ao
Allgemeinmedizin
Deutschland zählt nicht zur Spitzengruppe der Länder mit der höchsten Lebenserwartung in Westeuropa. Das ergab eine Analyse der Sterblichkeitsdaten aus 450 Regionen in 13 europäischen Ländern von 1992 bis 2019.

Grundlage ist eine Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des französischen Instituts für demografische Studien (Institut national d'études démographiques, INED). „Im Untersuchungszeitraum konnte sich keine einzige Region in Deutschland innerhalb der oberen zehn Prozent aller westeuropäischen Regionen mit der höchsten Lebenserwartung etablieren“, berichtet Mitautor Prof. Dr. Sebastian Klüsener vom BiB.

Die Altmark und Vorpommern sind Schlusslichter

Gleich zwei Regionen in Deutschland sind laut der Studie bei der Lebenserwartung Schlusslichter in Westeuropa: So hatten Männer in der Altmark in Sachsen-Anhalt mit 76,29 Jahren die drittniedrigste und Männer in Vorpommern mit 76,44 Jahren die viertniedrigste Lebenserwartung von allen 450 untersuchten westeuropäischen Regionen. Schlechter schnitten nur noch die über 1.000 Kilometer vom Festland entfernten portugiesischen Inseln Madeira und die Azoren ab.

Neben weiten Teilen Ostdeutschlands verzeichneten auch einige Regionen im Norden und Westen ungünstige Entwicklungen. Unter den zehn Prozent der Regionen mit den schlechtesten Werten bei der Lebenserwartung befanden sich im Jahr 2019 beispielsweise auch Bremerhaven, Emscher-Lippe und Ostfriesland für Männer sowie Emscher-Lippe, Schleswig-Holstein Süd-West und Ostfriesland für Frauen.

Vor allem für Frauen ist Rauchen schlecht

Insbesondere bei Frauen stand dies der Studie zufolge in engem Zusammenhang mit den langfristigen Folgen des Tabakkonsums. Frauen sterben demnach häufiger nicht nur an Lungenkrebs, sondern auch an anderen mit dem Rauchen verbundenen Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Regional gibt es Unterschiede. So rauchten Frauen in Süd- und Ostdeutschland früher weniger als Frauen in West- und Norddeutschland.

„Regionen mit geringerem Wachstum verzeichneten die schnellsten Verbesserungen, was zu einer raschen regionalen Angleichung führte. Zwischen 2005 und 2019 verlangsamte sich das Wachstum in diesen Regionen jedoch, während es in führenden Regionen bemerkenswert stabil blieb. Dies deutet darauf hin, dass eine weitere Steigerung der Lebenserwartung weiterhin möglich ist.“

aus der Studie

Generell haben sich in Westeuropa die Unterschiede bei der Lebenserwartung seit 2005 deutlich verstärkt. Hier endete auch der klare Aufwärtstrend, den es zwischen 1992 und 2005 gab, als die Lebenserwartung in Westeuropa rasch anstieg − bei Männern um rund 3,5 und bei Frauen um 2,5 Monate pro Jahr.

Dagegen betrug der durchschnittliche Zuwachs in den Jahren 2018 und 2019 nur noch etwa zwei Monate für Männer und einen Monat für Frauen. Gerade in Regionen mit niedriger Lebenserwartung gab es nur noch einen geringen Anstieg.

Entscheidend ist die Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen

Ausschlaggebend sei hier die Entwicklung der Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen, erklärte Dr. Pavel Grigoriev, Forschungsgruppenleiter am BiB und einer der beiden Hauptautoren der Studie. „In manchen Regionen stagnierte die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe oder stieg sogar wieder an.“ 

„Die beobachtete Verlangsamung des Anstiegs der Lebenserwartung korreliert stark mit der Mortalität im Alter von 55 bis 74 Jahren, die in diesem Zeitraum in weiten Teilen Westeuropas, insbesondere in Deutschland und Frankreich, zunahm.“

aus der Studie

Die Entwicklung in Regionen Norditaliens, der Schweiz und Teilen Spaniens zeige jedoch, dass weitere Fortschritte möglich seien. „Die wieder zunehmende regionale Ungleichheit bei der Lebenserwartung in Europa sollte bei gesundheitlichen und sozialpolitischen Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden“, forderte Grigoriev.

Bonnet, F., Alliger, I., Camarda, CG. et al. Potential and challenges for sustainable progress in human longevity. Nat Commun 17, 996 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-68828-

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