Medfluencer-Preis soll Desinformation auf Social Media entgegenwirken
Mit der erstmaligen Auslobung der Auszeichnung möchten die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe wissenschaftlich fundierte, verständliche und verantwortungsvolle Gesundheitskommunikation in den sozialen Medien eine Bühne bieten und gute Inhalte in diesem Bereich sichtbarer machen.
Medfluencing birgt Risiken, aber auch Chancen
„Wir haben uns für die Ausschreibung eines Medfluencer-Preises entschieden, weil wir sehen, dass sich immer mehr Menschen über die sozialen Medien zu Gesundheitsthemen informieren. Wir sehen in dieser Entwicklung Chancen und Risiken zugleich“, begründete der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, die Ausschreibung im Rahmen der heutigen Pressekonferenz in Düsseldorf.
Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, ergänzt: „Wer auf Social Media seriös ist und wer nicht, ist für Laien kaum zu unterscheiden. Das ist bedauerlich, weil es mittlerweile viele Ärztinnen und Ärzte, aber auch Medizinstudierende gibt, die es sich zur Aufgabe machen, wissenschaftlich seriöse Gesundheitsinformationen zu verbreiten und ein Gegengewicht zu Fehl- und Desinformation zu bilden.“
Regierung soll sich für Transparenzpflicht einsetzen
„Titel wie Doc oder Gesundheits-Coach sind in den sozialen Medien ungeschützt“, kritisierte Dreyer. Mit der Auslobung des Preises verbinden die Ärztekammern daher die Forderung an die Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für einheitliche Offenlegungs- und Transparenzpflichten von Medfluencern stark zu machen. Wichtig seien insbesondere der Nachweis der fachlichen Qualifikation und die Kenntlichmachung kommerzieller Zwecke.
Doc Esser und Nibras Naami sitzen in der Jury
Medfluencer erreichten Reichweiten, von denen klassische Medien häufig nur noch träumen könnten, merkte der Arzt und Content-Creator Dr. Heinz-Wilhelm Esser alias „Doc Esser“ auf der Pressekonferenz an. Leider sei gerade im Gesundheitsbereich „viel Halbwissen im Umlauf“. Als Mitglied der Jury möchte der Facharzt für Kardiologie, Pneumologie und Innere Medizin deshalb ein Signal setzen für Evidenz und Transparenz.
„Beim Thema Medfluencing kommt häufig ein negativer Ton auf“, sagte Jury-Mitglied Nibras Naami. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin ist unter dem Namen „handfussmund“ sehr erfolgreich in den sozialen Medien. Natürlich sehe er, dass es Anlass für Kritik gäbe. „Medfluencing im negativen Sinn kann Gesundheit schädigen oder Menschen viel Geld kosten. Aber richtige Aufklärung auf Social Media ist ein wertvolles Instrument für Prävention.“ Über den neu geschaffenen Award lasse sich „die Spreu vom Weizen trennen“, zeigte sich Naami überzeugt.
Das Preisgeld beträgt in den Kategorien „Ärztinnen und Ärzte“ und „Medizinstudierende“ jeweils 2.500 Euro. Ausgezeichnet werden Social-Media-Beiträge, die auf YouTube Shorts, Instagram und TikTok gelaufen sind. Bewerbungen sind noch bis zum 10. Juli 2026 möglich. Alle Infos: https://www.aekno.de/presse/medfluencerpreis


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