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Studie der Deutschen Krebsgesellschaft

Menschen mit Behinderungen haben schlechteren Zugang zu Krebs-Screenings

Deutsche Krebsgesellschaft fordert mit Blick auf eine inklusive Krebsfrüherkennung mehr Forschung und Spezialisierung. Volha - stock.adobe.com
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Gesellschaft
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Wie unterschiedlich der Zugang zu Krebs-Screenings ist, zeigt erstmals eine neue Übersichtsarbeit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Personen mit kognitiver Beeinträchtigung stoßen auf zahlreiche Hürden.

Laut Untersuchung nehmen Personen mit kognitiver Beeinträchtigung seltener an Krebs-Screenings teil. In dieser Gruppe werden Krebsdiagnosen daher oftmals später festgestellt und die Heilungschancen fallen geringer aus. Die Krebssterblichkeit ist bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung dementsprechend höher, meldet die DKG.

Forschende hatten erstmals im Rahmen des EU-geförderten Projekts „EUCanScreen“ gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Belgien und Norwegen 78 Studien ausgewertet, die Screening-Raten von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, etwaige Barrieren und förderliche Faktoren zur Screening-Teilnahme sowie Interventionen zur Verbesserung des Zugangs für diese Personengruppe untersuchten.

Ein wichtiges Ergebnis: Die Teilnahmeraten an Screening-Untersuchungen für Brust-, Gebärmutterhals-, Darm- und Magenkrebs sind bei Menschen mit Beeinträchtigung durchweg geringer – und das länderübergreifend. „Viele Länder erfassen keine Screening-Daten von Menschen mit Beeinträchtigung – das Thema hat in der Forschungslandschaft noch nicht den Stellenwert, den es haben sollte“, erklärt Carmen Koko, Mitarbeiterin in der Abteilung Versorgungsforschung der DKG und Erstautorin der Studie.

Erste Daten aus Deutschland zeigen, dass es hierzulande ähnlich aussieht: Die Screening-Teilnahme für Gebärmutterhals-, Brust-, Darm-, Prostata- und Hautkrebs von Menschen mit Down-Syndrom lag in einer retrospektiven Querschnittsstudie mit Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung nur bei rund 17 Prozent, verglichen mit 26 Prozent bei Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung.

Barrieren zur Teilnahme an Krebs-Screenings

Die Untersuchung identifizierte Kommunikation und die partizipative Entscheidung als wichtige Bausteine, um diese Situation zu verbessern. Personen mit kognitiver Beeinträchtigung benötigten zielgruppengerechte Screening-Einladungen, etwa mit begleitendem Bildmaterial und in Einfacher Sprache. Kommt es zu Screening-Untersuchungen, werden die Ergebnisse in der Regel nur den Hausärzten oder Betreuungspersonen mitgeteilt; die Betroffenen selbst werden hingegen häufig nur indirekt informiert. Das sei für gemeinsame Therapieentscheidungen hinderlich, so die DKG.

Weitere Ergebnisse: Das Fachpersonal sei mit Blick auf die Bedarfe der Zielgruppe nur unzureichend geschult und müsse die Untersuchungen in einem kurzen Zeitfenster durchführen. Ängste der Betroffenen und spezielle Bedürfnisse, wie etwa die Möglichkeit, die Untersuchungsräume vor dem eigentlichen Screening kennenzulernen, längere Termine in einer ruhigeren Umgebung zu Beginn oder am Ende des Tages oder eine Sedierung, könnten im streng getakteten Praxis- oder Klinikalltag oft nur schwer realisiert werden. Zudem sei keine entsprechende Vergütung für den zeitlichen Mehraufwand vorgesehen, moniert die Gesellschaft.

Braucht es mehr Spezialisierung und Forschung?

Die Studie zeigt, dass Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung keinen chancengleichen Zugang zu Krebs-Screenings haben, sagt Dr. Konstanze Blatt, Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft. Versorgungsstrukturen seien derzeit nicht ausreichend auf die spezifischen Bedarfe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ausgerichtet: „Ich sehe hier ein großes Potenzial hin zu mehr Spezialisierung. Deutschlandweit gibt es medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB), die eine Expertise in der Versorgung dieser Gruppe aufweisen und zum Beispiel Sprechstunden zur Darmkrebs-Früherkennung anbieten. Wir müssen diese Schnittstellen gezielter nutzen“, so Blatt.

Für eine inklusive und personalisierte Krebsfrüherkennung würden zudem mehr Forschungsdaten benötigt, ergänzt Blatt. Wissenslücken gebe es beispielsweise bei den einzelnen Beeinträchtigungen und den eventuell damit einhergehenden spezifischen Krebsrisiken. Mehr Evidenz werde auch bei der Risiko-Nutzen-Abwägung von Krebsfrüherkennung bei bestimmten Syndromen benötigt. „So könnten wir langfristig Empfehlungen zu inklusiven Screening-Maßnahmen in Leitlinien einfließen lassen, das Wissen an das ärztliche Fachpersonal weitergeben und die Krebsversorgung von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung verbessern.“

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