Multimorbidität ist ab 50 weit verbreitet

Besonders stark hat in den vergangenen zehn Jahren die Gruppe mit hoher Krankheitslast zugenommen: Für das gleichzeitige Auftreten von fünf oder mehr chronischen Erkrankungen wurden die größten Prävalenzanstiege beobachtet – um 12 Prozent bei Frauen und 14 Prozent bei Männern.
Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen regional und sozial: Versicherte in Wohnkreisen mit höherer sozioökonomischer Deprivation sind häufiger von Multimorbidität betroffen als Menschen in weniger benachteiligten Regionen.
Gleichzeitig liegt das Prävalenzniveau in Ostdeutschland in allen Deprivationskategorien über dem in Westdeutschland. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Versorgungsatlas-Studie zu zeitlichen Trends und regionaler Variation von Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat.
Bedarf an koordinierter Behandlung steigt
„Multimorbidität beginnt früher als vielfach angenommen wird. Schon ab 50 Jahren sehen wir einen hohen Anteil von Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen – und dieser Anteil wächst mit dem Alter deutlich. Vor allem die starke Zunahme bei Menschen mit einer größeren Zahl unterschiedlicher Erkrankungen wird die ambulante medizinischen Versorgung in Zukunft vor große Herausforderungen stellen. Denn hier steigt die Komplexität der ärztlichen Behandlung erheblich – und damit auch der Bedarf an abgestimmter, koordinierter Versorgung. Unsere aktuelle Studie liefert daher eine wichtige Grundlage für die bedarfsgerechte Planung von Versorgungsangeboten und Präventionsmaßnahmen sowie für ein Monitoring, wie es gelingt, dem Versorgungsbedarf unter einer künftig knapperen Finanzierung gerecht zu werden“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.
Im Süden weniger, im Osten mehr Multimorbidität
Im Jahr 2024 variierte die Prävalenz von zwei Erkrankungen oder mehr auf Ebene der deutschen Kreise zwischen 49 Prozent in Landkreis Reutlingen und 76 Prozent im Landkreis Elbe-Elster. Die ostdeutschen Kreise fielen nahezu vollständig in den Bereich der höchsten 25 Prozent der Prävalenzwerte. Große zusammenhängende Gebiete mit Werten im Bereich der untersten 25 Prozent zeigten sich in nahezu der gesamten Fläche Baden-Württembergs, in der Region Westfalen-Lippe und im Süden Bayerns.
Die jährliche Prävalenz von Multimorbidität, das heißt des gemeinsamen Auftretens von ≥2, ≥3 und ≥5 Erkrankungen in den Jahren 2015 bis 2024, wird auf www.versorgungsatlas.de für die deutschen Kreise und die regionalen Bereiche der Kassenärztlichen Vereinigungen dargestellt.
Datenbasis war Prävalenz von 19 chronischen Erkrankungen
Datengrundlage der Untersuchung waren die bundesweiten, krankenkassenübergreifenden vertragsärztlichen Abrechnungsdaten gemäß § 295 SGB V der Jahre 2015 bis 2024. Als Studienpopulation wurden alle Versicherten im Alter ab 50 Jahren mit zumindest einmaligem Vertragsarztkontakt in den Jahren 2015 bis 2024 eingeschlossen.
Für 19 chronische Erkrankungen wurde die Prävalenz des gemeinsamen Auftretens von ≥2, ≥3 und ≥5 Erkrankungen nach Alter, Geschlecht, Wohnkreis und Ausmaß der regionalen sozioökonomischen Deprivation des Kreises ermittelt.
Holstiege J, Kohring C, Ivanova M, Haarmann A, Pieper D, Müller D, Akmatov MK. Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 26/01. Berlin 2026. doi.org//10.20364/VA-26.01.


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