Kennedys Ernährungsempfehlungen stoßen auf gemischtes Echo
Die „Dietary Guidelines for Americans, 2025-2030“ fordern die Bevölkerung dazu auf, mehr Eiweiß und vollfette Milchprodukte zu sich zu nehmen. Als Eiweißquelle wird Fleisch priorisiert, pflanzliche Proteinlieferanten folgen erst danach. Ganz oben in der überarbeiteten Ernährungspyramide stehen außerdem Gemüse und Obst. Der Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und zugesetzter Zucker soll laut der Guidelines reduziert werden.
Die aktuellen Regeln – die von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins vorgestellt wurden – lösen die zuletzt geltende Empfehlung ab, den Teller zu etwa gleichen Teilen mit Getreide, Gemüse, Eiweiß und Obst sowie einer kleinen Portion Milchprodukten zu füllen.
Die American Heart Association erklärte in einer Stellungnahme, dass sie die Aufnahme mehrerer wichtiger wissenschaftlich fundierter Empfehlungen in die neuen Leitlinien begrüßt, darunter der Verzehr von mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukten bei gleichzeitiger Reduzierung von zugesetztem Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln.
Allerdings befürchtet die Fachgesellschaft, dass Empfehlungen zum Salzkonsum und zum Verzehr von rotem Fleisch dazu führen könnten, „dass Verbraucher unbeabsichtigt die empfohlenen Grenzwerte für Natrium und gesättigte Fette überschreiten, die Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind“.
"Kritische Abweichungen“ von wissenschaftlichen Erkenntnissen
Deirdre Tobias, Assistenzprofessorin am Institut für Ernährung an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für die neuen Ernährungsempfehlungen.
In einem auf der Universitätswebsite veröffentlichten Interview begrüßt sie, dass die quantitativen Empfehlungen in den neuen Richtlinien weitestgehend mit den zuvor geltenden Richtlinien übereinstimmen und die empfohlenen Portionen für die grundlegenden Lebensmittelgruppen Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Milchprodukte und Öle beibehalten wurden.
„Die größte Abweichung von den wissenschaftlichen Empfehlungen ist jedoch eine neue Priorisierung tierischer Quellen innerhalb der Gruppe der proteinhaltigen Lebensmittel anstelle pflanzenorientierter Alternativen“, so Tobias. Eine weitere „kritische Abweichung“ ist aus ihrer Sicht die Empfehlung für vollfette Milchprodukte. „Obwohl pflanzliche Öle nicht verboten wurden, fehlen sie auffällig in der Liste der gesunden Öle, obwohl sie die Hauptquelle für essentielle ungesättigte Fettsäuren sind“, merkt die Ernährungsexpertin an.
Gesundheitsminister Kennedy hingegen lobte die neuen Richtlinien bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus als einen Schritt, der „die Esskultur unseres Landes revolutionieren und Amerika gesund machen wird“.






