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Bakterien können die Darmbarriere beschädigen

Orales Mikrobiom beeinflusst chronische Lebererkrankungen

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Zahnmedizin
Die Rolle von Mundbakterien bei der Verschlechterung chronischer Lebererkrankungen wurde offenbar bisher unterschätzt: Forschende haben gezeigt, dass typische orale Bakterien bei Betroffenen den Darm besiedeln.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) und des King’s College London hat nachgewiesen, dass typische orale Bakterien bei Betroffenen den Darm besiedeln und dort pathophysiologisch wirksam werden.

Sehr starke Ähnlichkeit zwischen Mund- und Darmmikrobiom

In der im Fachjournal Nature Microbiology veröffentlichten Studie wurden Speichel- und Stuhlproben von 86 Patientinnen und Patienten mit chronischer Lebererkrankung sowie von zwei Kontrollgruppen (52 gesunde Probanden und 14 Patienten mit Sepsis ohne zugrunde liegende Zirrhose) analysiert. Die Sepsis-Patienten dienten als zweite Kontrollgruppe, da sie hinsichtlich Krankenhausaufenthalt, Alter sowie Exposition gegenüber Antibiotika und Protonenpumpenhemmern vergleichbare Merkmale wie die Patienten mit chronischer Lebererkrankung aufwiesen.

Bei der Analyse zeigte sich eine ungewöhnlich starke Ähnlichkeit zwischen Mund- und Darmmikrobiom – in fortgeschrittenen Stadien waren identische Bakterienstämme in beiden Körperregionen nachweisbar. Es

Dabei handelte es sich überwiegend um Bakterien, die physiologisch zum oralen Mikrobiom gehören und im gesunden Darm nicht vorkommen. „Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass diese Bakterien vom Mund in den Darm wandern und diesen auch besiedeln“, sagt Melanie Schirmer, Professorin für Translational Microbiome Data Integration an der TUM.

Bakterien können die Darmbarriere beschädigen

Besonders relevant aus medizinischer Sicht: Die identifizierten Bakterien tragen Gene für kollagenabbauende Enzyme. Diese können die Darmbarriere schädigen und so das Übertreten bakterieller Bestandteile in den Organismus erleichtern.

In Tiermodellen mit leberkrankten Mäusen führte die Übertragung dieser Bakterien zu einer Verschlechterung der Darmbarriere und zu einer Zunahme der Leberfibrose. Dieser Befunde liefert einen Hinweis auf einen direkten Beitrag des oralen Mikrobioms zur Pathobiologie der chronischen Lebererkrankung.

Ziel ist, das Mikrobiom im Mund gezielt zu verändern

„Aus unseren Ergebnissen ergeben sich potenzielle neue Ansätze für Therapien für Menschen mit fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung“, sagt Dr. Vishal Patel, Hepatologe und leitender Forscher am Roger Williams Institute of Liver Studies vom King’s College London.

„Könnte man die Darmbarriere schützen oder wiederherstellen, ließe sich gegebenenfalls das Voranschreiten der Krankheit bremsen. Das Mikrobiom im Mund gezielt zu verändern, bietet Ansatzpunkte, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und klinische Komplikationen zu vermeiden.“

Shen Jin, S.; Cenier, A.; Wetzel, D.; et al.: Microbial collagenase activity is linked to oral–gut translocation in advanced chronic liver disease. Nature Microbiology (2026). DOI: https://doi.org/10.1038/s41564-025-02223-0

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