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Gutachten zu Wirkstoffalternativen

PFAS in Arzneimitteln sind oft ersetzbar

Bestimmte Arzneimittel enthalten per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), die aufgrund ihrer Langzeitwirkung zunehmend Umweltschäden verursachen. luchschen - stock.adobe.com
LL
Gesellschaft
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Ein Großteil der in Arzneimitteln enthaltenen per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) könnte durch Alternativen ersetzt werden. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA).

Ein Großteil der in der Human- und Tiermedizin eingesetzten PFAS-Arzneimittelwirkstoffe könnte perspektivisch durch PFAS-freie Alternativen ersetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten der Universität Freiburg im Auftrag des UBA.

Die Untersuchung zeigt, dass für 87 Prozent der identifizierten Human- und für 65 Prozent der Tierarzneimittel mit PFAS-Strukturen bereits Wirkstoffe ohne PFAS-Eigenschaften für dieselben Anwendungen existieren. Untersucht wurden 111 Human- und 28 Tierarzneimittelwirkstoffe, die nach der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als PFAS gelten. Zudem konnten die Forschenden zeigen, dass sich für fast alle übrigen Humanarzneimittel bereits PFAS-freie Alternativen in der Entwicklung befinden.

„Dass für fast alle Indikationen bereits PFAS-freie Alternativen existieren, ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass eine Per- beziehungsweise Polyfluorierung aus pharmakologischer Sicht nicht zwingend erforderlich ist“, betont Studienleiter Prof. Dr. Michael Müller vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Freiburg.

UBA-Präsident Dr. Dirk Messner bestätigt: „Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass Umweltschutz und medizinische Versorgung keine Gegensätze sein müssen. Die Pharmaindustrie besitzt hier bereits im Entwicklungsprozess von Arzneimitteln einen enormen Hebel, um den Eintrag von langlebigen Chemikalien wie PFAS in unsere Gewässer und Böden in Zukunft deutlich zu reduzieren.“

PFAS erzeugen nicht den medizinischen Effekt

Für die pharmazeutische Forschung liefert das Gutachten grundlegende Erkenntnisse: Bei den untersuchten Arzneimittelwirkstoffen mit bekannter Wirkweise ist der PFAS-Anteil nicht für den beabsichtigten medizinischen Effekt verantwortlich. Die Per- und Polyfluorierung wird in der Pharmakologie genutzt, um die Stabilität und Verteilung der Wirkstoffe im Körper zu verbessern.

Genau diese Eigenschaften führen in der Natur jedoch dazu, dass diese Stoffe nur schwer oder gar nicht abbaubar sind und nach dem Ausscheiden durch den Menschen die Ökosysteme belasten. Hier können sie sich möglicherweise in Lebewesen anreichern und zu problematischen, langlebigen Transformationsprodukten wie Trifluoressigsäure (TFA) zerfallen. TFA baut sich in der Umwelt nicht ab, verbreitet sich mit dem Wasserkreislauf und gilt als fortpflanzungsgefährdend. Laut dem Gutachten können über 80 Prozent der untersuchten PFAS-Wirkstoffe potenziell zu TFA zerfallen.

Eine unmittelbare Gefahr für Patienten durch PFAS-haltige Medikamente bestehe nicht, da diese vor ihrer Zulassung intensiv auf mögliche Risiken für die menschliche Gesundheit geprüft werden.

Umweltfreundlichere Alternativen sind verfügbar!

Für pharmazeutische Unternehmen, die in der Forschung tätig sind, bietet die Veröffentlichung einen klaren Anstoß, die Umweltauswirkungen von per- und polyfluorierten Substanzen bereits in einem frühen Stadium der Arzneimittelentwicklung zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse sind auch mit Blick auf die europäische PFAS-Regulierung relevant: Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) plant derzeit die finale wissenschaftliche Bewertung eines EU-weiten PFAS-Beschränkungsvorschlags. Auf Basis dieser Bewertung, die bis Ende 2026 vorliegen soll, wird die EU-Kommission voraussichtlich 2027 einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen.

Bisher sind Arzneimittelwirkstoffe von der geplanten Beschränkung ausgenommen, weil sie als essenziell gelten. Das Gutachten legt nun nahe, dass in vielen Bereichen umweltfreundlichere Wirkstoffalternativen verfügbar sind und dass Umweltaspekte bei der Entwicklung neuer Arzneimittel stärker berücksichtigt werden sollten.

Greinke, J. et al: “Per- and polyfluorinated active pharmaceutical ingredients: Overview and alternatives, Sustainable Chemistry and Pharmacy”, published on July 2026 in Sustainable Chemistry and Pharmacy 2026; DOI: 10.1016/j.scp.2026.102416

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