Viele Therapien helfen bei Rückenschmerzen nur kurzfristig
Eine großangelegte Analyse eines internationalen Forscherteams unter der Leitung der Hochschule Bochum zeigt: Nicht-operative Behandlungen wie Massagen, Bewegungstherapie, manuelle Therapie oder Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen können Beschwerden zwar lindern – allerdings meist nur für wenige Wochen.
Langfristig geht es den Patientinnen und Patienten nicht besser. Für Zahnärztinnen und Zahnärzte ist das relevant, weil Rücken-, Nacken- und Schulterbeschwerden im Praxisalltag häufig sind, und kurzfristige Therapien allein oft nicht ausreichen.
Kurzfristige Effekte – aber keine nachhaltige Wirkung
Die Forschenden werteten Daten aus 551 randomisierten Studien mit mehr als 71.000 Patientinnen und Patienten aus. Untersucht wurden zahlreiche konservative Therapien, darunter Bewegungstraining, manuelle Therapie, Akupunktur, psychologische Ansätze und medikamentöse Behandlungen.
Das zentrale Ergebnis: Viele dieser Behandlungen führen zu einer spürbaren Verbesserung von Schmerzen und Funktion – allerdings vor allem kurzfristig, in einem Zeitraum von etwa zehn bis 12 Wochen.
„Wir sehen, dass verschiedene Therapieformen durchaus wirken – aber dieser Effekt hält in der Regel nicht lange an“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie an der Hochschule Bochum. Nach etwa einem Jahr zeigten sich keine klinisch relevanten Vorteile mehr, auch wenn einzelne Effekte statistisch noch nachweisbar waren.
Aktiv oder passiv? Unterschied ist geringer als gedacht
Ein weiteres Ergebnis: Aktive Therapien wie Bewegungstraining und passive Behandlungen wie manuelle Therapie oder Massage waren in der Analyse hinsichtlich Schmerz und Funktion ähnlich wirksam. Das widerspricht teilweise verbreiteten Annahmen in der Versorgung.
„Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine einzelne Behandlung das Problem löst“, sagt Belavy. „Stattdessen brauchen wir im deutschen Gesundheitssystem Strategien, die Menschen dazu befähigen, ihre Schmerzen langfristig selbst zu bewältigen.“
Der Rückenschmerzexperte betont, dass Rückenschmerzen meist nicht nur eine, sondern mehrere Ursachen haben. Das müsse bei der Behandlung stärker berücksichtigt werden, so Belavy. Aus anderer Forschung wisse man, dass nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs auf die eigentliche Behandlung selbst zurückzuführen ist. Aus diesem Grund plädiert Belavy für Ansätze, die Patientinnen und Patienten mit anhaltenden Rückenschmerzen dabei unterstützen, sich selbst besser zu helfen – zum Beispiel durch Gesundheitscoaching.
Strategien zur Selbsthilfe sieht das System nicht vor
Solche Strategien umfassen unter anderem Selbstmanagement, Lebensstil- und Verhaltensänderungen sowie eine kontinuierliche Begleitung statt kurzfristiger Therapiezyklen. „Das deutsche Gesundheitssystem unterstützt solche Ansätze bisher noch nicht ausreichend“, so Belavy. „Erste Ergebnisse dazu sind vielversprechend, aber es braucht noch mehr Forschung.“
Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die untersuchten Studien zeigten deutliche Unterschiede in der Durchführung der einzelnen Behandlungsformen und wie sehr Patientinnen und Patienten davon profitieren. „Dies spiegelt jedoch auch die Realität im Klinikalltag wider. Behandlungen variieren in der Praxis – und auch der Nutzen, den Patienten mit Rückenschmerzen daraus ziehen“, sagt Belavy. Zukünftige Studien sollten stärker auf langfristige Wirksamkeit, Selbstmanagement, Patientenbeteiligung und Lebensstilveränderungen ausgerichtet sein, fordern die Forschenden.
Parallel zur aktuellen Forschung untersucht die Hochschule Bochum in einer randomisierten Pilotstudie, wie viel Bewegungstraining notwendig ist, um chronische unspezifische Rückenschmerzen wirksam zu lindern.
Belavý DL, Saueressig T, Arora NK, et al. Conservative treatments for chronic non-specific low back pain: time course network meta-analysis.BMJ Medicine. 2026;5:e001908. doi.org/10.1136/bmjmed-2025-001908


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