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US-Studie unter Notfallmedizinern

So belasten gereizte Patienten ihre Ärzte – und die Behandlung

Die Serie „The Pitt“ wurde deshalb zu einem Riesenerfolg, weil sie die menschlichen Belastungen aufzeigt, denen Notfallmediziner ausgesetzt sind. Aber auch im echten Leben haben Notfallmediziner viel Stress – insbesondere durch verärgerte Patienten. Suryani-stock.adobe.com
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Medizin
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Eine aktuelle US-Studie zeigt erstmals, wie frustrierte oder wütende Patienten die Emotionen der Ärzte und damit potenziell die Wirksamkeit der Behandlung beeinflussen.

Die Notaufnahme zählt seit jeher zu den stressigsten Arbeitsplätzen in Krankenhäusern – man weiß nie, welche Art von Verletzungen man versorgen muss und wie viele Patienten es in der jeweiligen Schicht geben wird.

Hinzu kommt, dass diese Bereiche zunehmend im Fokus verschiedener wirtschaftlicher und sozialer Krisen stehen. Probleme sind – nicht nur in den USA – fehlender Krankenversicherungsschutz und explodierende Gesundheitskosten, Migration und Strafverfolgung sowie der steigende Bedarf an psychologischer Betreuung und Suchtbehandlung. Eine Folge all dessen ist, dass Patienten immer gereizter sind und ihren Frust allzu oft an den Pflegekräften auslassen.

Die Notaufnahme: schon immer einer der stressigsten Orte im Krankenhaus

„Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens – sie machen uns menschlich“, sagt Hauptautorin Linda Isbell von der University of Massachusetts Amherst. „Doch viel zu lange wurde in der Medizin erwartet, dass Ärzte ihre Emotionen draußen lassen. Das ist schlichtweg unrealistisch“, stellt die Sozialpsychologin klar.

Es erscheint daher plausibel, dass die Qualität der Versorgung leidet, wenn Ärzte augrund der Reaktionen ihrer Patienten Stress empfinden. Isbell und ihre Koautoren, die zum Teil selbst Notfallmediziner sind, haben nach eigener Aussage nun erstmals den Einfluss des Patientenverhaltens auf die Emotionen der Ärzte und die Patientenversorgung systematisch untersucht.

„Zu lange wurde in der Medizin erwartet, dass Ärzte ihre Gefühle draußen lassen. Das ist einfach unrealistisch.“

Linda Isbell, Professorin für Sozialpsychologie an der University of Massachusetts Amherst und Hauptautorin der Studie

Das Team entwickelte einen Ansatz mit professionellen Schauspielpatienten, die realistische, spezifische Krankheitsbilder darstellten. Vier von ihnen wurden jeweils für einen klinischen Fall trainiert, der einer von vier verschiedenen Diagnosen entsprach. Jeder „Patient“ wurde darin geschult, zwei verschiedene Rollen zu spielen: jemanden, der ruhig medizinische Hilfe sucht, und jemanden, der sich gegenüber dem Arzt gereizt verhält. 

„Am wichtigsten ist hierbei, dass jeder standardisierte Patient, egal ob er seine ruhige oder seine gereizte Rolle spielte, exakt dieselben medizinischen Daten angab“, berichtet Isbell. „Das Einzige, was er veränderte, war sein emotionaler Zustand.“ 

Isbell und ihre Kollegen zeichneten diese Patientenkontakte auf Video auf. An der randomisierten, vignettenbasierten Studie nahmen 134 Notfallmediziner aus 46 US-Bundesstaaten teil. Jedem Arzt wurden nach dem Zufallsprinzip vier aufgezeichnete Patientenkontakte zugeteilt, zwei davon mit ruhigen Patienten und zwei mit der deutlich gereizteren Gruppe. 

Anschließend wurden die Ärzte gebeten, klinische Tests anzuordnen, deren Ergebnisse sie erhielten, und ihre Patienten kontinuierlich zu beurteilen, genau wie sie es in einer realen Situation tun würden. 

Gereizte Patienten machen Ärzte wütender, ängstlicher und müder

Danach sollten die Ärzte über ihren emotionalen Zustand und ihr Verhalten gegenüber jedem einzelnen Patienten berichten. Anhand dieser Informationen untersuchten die Forschenden, ob sich die emotionalen Reaktionen, klinischen Einschätzungen oder das klinische Verhalten der Ärzte bei der Beurteilung von gereizten im Vergleich zu ruhigeren Patienten unterschieden.

Das Team fand heraus, dass gereizte Patienten Ärzte schlechter fühlen lassen. Die Mediziner berichteten von verstärktem Ärger, Angstzuständen und Erschöpfung. Sie engagierten sich zudem weniger in der Behandlung ihrer gereizten Patienten und hielten deren Angaben zu ihren Symptomen deutlich häufiger für unzuverlässig.

Ärzte mit gereizten Patienten neigten zudem eher dazu, deren Schmerzen als übertrieben zu interpretieren, empfanden sie als weniger kooperativ, weniger engagiert in ihrer eigenen Behandlung und weniger bereit, sich an den Behandlungsplan zu halten.

Die Mediziner engagierten sich weniger

Darüber hinaus erlebten diejenigen Ärzte, die medizinische Unsicherheit stärker als belastend empfanden, eine größere emotionale Belastung im Umgang mit schwierigen Patienten.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das gereizte Verhalten von Patienten zwar die Emotionen, das Engagement und die Patienteneinschätzung der Ärzte negativ beeinflusste, jedoch nicht die Qualität der Behandlung (klinische Entscheidungen, Verhalten, diagnostische Genauigkeit)“, resümiert das Forschungsteam.

Aber die Qualität der Behandlung war nicht schlechter

Den Wissenschaftlern zufolge bedarf es weiterer Forschung, um die Auswirkungen all dessen auf die Patientenversorgung besser zu verstehen. Laut Isbell ist jedoch „das Zusammenspiel zwischen dem Verhalten eines Patienten und der Fähigkeit eines Arztes, den mit medizinischer Unsicherheit verbundenen Stress zu tolerieren, von entscheidender Bedeutung“.

Ärzte, die besonders stressanfällig sind, empfinden ihre schwierigen Patienten wahrscheinlich als herausfordernder und emotional belastender – was einen Teufelskreis in Gang setze, der zu schlechteren Behandlungsergebnissen führen könne.

„Medizin ist von Natur aus unsicher und emotional, besonders in der Notaufnahme“, betont Isbell. “Wir brauchen einen Systemwandel, der die menschliche Realität von Unsicherheit und Emotionen in der Medizin anerkennt und sowohl Ärzte als auch Patienten unterstützt, während sie auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten: Gesundheit und Wohlbefinden für alle.“

Isbell LM, Huff NR, Liu G, et al., When emergency physicians meet patients displaying irritable behaviours: a randomised vignette-based experiment investigating physicians’ emotions and clinical reasoning, BMJ Quality & Safety Published Online First: 12 July 2026. doi: 10.1136/bmjqs-2025-019061

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