Die Industrie setzt auf freiwillige Selbstverpflichtung

Zuckerdiskussion: Coca-Cola fühlt sich zu Unrecht angeprangert

nb/ck/pr
Jetzt kommt Bewegung in die Zuckerdiskussion: Discounter kündigen an, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken, Coca-Cola wiegelt ab, und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt eine Zuckersteuer ab.

Am 4. April hatte die Verbraucherorganisation foodwatch ihren „Coca-Cola Report“ vorgestellt und die Debatten um den Zuckerkonsum befeuert. Ausgelöst wurde die Debatte um zu viel Zuckerkonsum auch durch eine in Großbritannien seit diesen Monat gültige Abgabe auf zuckerhaltige Getränke.

foodwatch wirft dem Konzern vor, dass er eine "entscheidende Mitverantwortung für die Epidemie ernährungsbedingter Erkrankungen wie Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes" trage.

Freiwilligkeit sei laut foodwatch die falsche Strategie, vielmehr sollten verbindlichen Maßnahmen wie eine Ampelkennzeichnung oder eine gesundheitsorientierte Besteuerung greifen. „Verschiedene Selbstverpflichtungen zur Bekämpfung von Übergewicht und Fehlernährung haben sich als nachweislich unzureichend herausgestellt.“, heißt es dazu in dem Bericht.

Coca-Cola bezweifelt direkten Zusammenhang zwischen Zucker und Übergewicht

Stellungnahme zum foodwatch-Report

Geben Sie damit also zu, dass der Zucker in Ihren Getränken die Hauptursache für Übergewicht ist?

  • Rund ein Drittel des Getränkeangebots sei ohne Zucker beziehungsweise zuckerreduziert.

  • Bis 2020 werde Coca-Cola den Zucker in seinen Erfrischungsgetränken um 10 Prozent reduzieren.

  • Bis 2025 wolle der Getränkehersteller die Hälfte seines Absatzes mit zuckerfreien und zuckerreduzierten Varianten erzielen.

  • Coca-Cola investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker: Im vergangenen Jahr sei das in Deutschland pro Liter Getränk fast das Doppelte gegenüber den Ausgaben für klassische Limonaden (+90 %) gewesen.

  • Coca-Cola werbe nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Diese Selbstverpflichtung wird regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge lehnt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, CDU, eine Steuer auf Zucker in Lebensmitteln im Kampf gegen zunehmende Fettleibigkeit ab. „Wenn man eine Zuckersteuer erhebt auf ein Produkt, ist damit noch nicht gewährleistet, (...) dass wir das Thema Fehlernährung in den Griff bekommen”, zitiert Reuters die Ministerin. Im Koalitionsvertrag ist das Thema auch verankert. Dort ist eine Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten vereinbart.

Wie die Wirtschaftswoche (5.4.2018) schreibt, setzen immer mehr Hersteller und Handelsketten auf freiwilligen Verzicht. Eine Sprecherin von Lidl hatte dem Blatt berichtet, dass der Discounter in einigen Erfrischungsgetränken wie Cola oder Eistee im ersten Schritt den Zuckeranteil um fünf bis acht Prozent will. Bei den Molkereiprodukten wird „jeder Joghurt“ überarbeitet. Bei 20 Süßgebäck- und Backwarenartikeln werde der Zuckeranteil reduziert, konkret etwa bei gefüllten Croissants. Die Rezepturen einzelner Cornflakes-Varianten seien bereits verändert worden. Bereits im Januar habe sich Lidl dazu verpflichtet, Zucker und Salz in seinen Eigenmarken bis 2025 um 20 Prozent zu senken.

Die Wirtschaftswoche berichtet weiter, dass Aldi Süd zuckerreduzierte Müslis beworben hatte, demnächst sollen weitere Produkte folgen. Aldi Nord hat den Zuckergehalt von Frühstückscerealien gesenkt. Auch Rewe wolle im Laufe des Jahres rund 100 zuckerreduzierte Eigenmarkenprodukte anbieten, darunter Eigenmarke-Puddings, Joghurts, Schokoeis und Eistee. Für weitere Markenhersteller wie Dr. Oetker, Eckes-Granini, Zott, Zentis und Bahlsen stehe das Thema auf der Agenda. Haribo verkauft seit Anfang des Jahres drei Fruchtgummisorten mit 30 Prozent weniger Zucker.

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