Zuckerkonsum in Europa gemeinsam reduzieren
„Zucker: Europas Hindernis für die Verbesserung der Mundgesundheit und des allgemeinen Wohlbefindens“ lautete der Titel der halbtägigen Konferenz, die am 25. März 2026 im Europäischen Parlament in Brüssel stattfand. Schirmherr der Veranstaltung war Dario Tamburrano, italienischer Zahnarzt und Mitglied der Linksfraktion im Europäischen Parlament.
Der Einladung des europäischen Dachverbands der Zahnärzteschaft (CED) waren rund 40 Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und zahnmedizinischen Organisationen gefolgt, um über aktuelle Herausforderungen und Strategien zu diskutieren.
Europäische Strategien im Überblick
Unter dem Programmpunkt „Initiativen zur Mundgesundheit – Einblicke aus europäischen nationalen Zahnärzteverbänden“ gaben Vertreterinnen und Vertreter nationaler Zahnärzteverbände Einblicke in die Präventionsstrategien ihrer Länder. Dr. Mick Armstrong von der British Dental Association (BDA) ging auf die Erfahrungen in Großbritannien ein. Er verwies insbesondere auf den erheblichen zeitlichen und politischen Aufwand, der notwendig gewesen sei, um auf nationaler Ebene Maßnahmen wie eine Zuckerabgabe durchzusetzen. Ein maßgeblicher Grund dafür sei der starke und langanhaltende Widerstand der Zuckerindustrie gewesen.
Als Vertreter der italienischen Zahnärzteschaft stellte Dr. Fabio Scaffidi Kampagnen vor, mit denen die italienische Bevölkerung für die gesundheitsgefährdenden Folgen des Zuckerkonsums sensibilisiert werden sollen. Dr. Charlotte Heuzé ging auf die französische Initiative für eine kariesfreie Generation ein.
Ziel muss eine grundlegende Ernährungsumstellung sein
In einem wissenschaftlichen Vortrag über evidenzbasierte Maßnahmen zur Zuckerreduktion stellte Prof. Dr. Johan Wölber vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden ausführlich dar, dass Zucker ein zentraler, direkt krankheitsverursachender Faktor für Karies, Zahnfleischentzündungen und darüber hinaus auch für allgemeine Gesundheitsprobleme ist.
Für die Mundgesundheit sei außer der Zahnpflege vor allem auch eine zuckerarme Ernährung entscheidend. Studien zeigten, dass bereits eine kurzfristige Reduktion von Zucker Entzündungen im Mund deutlich verringern kann. Insgesamt plädierte Wölber für eine grundlegende Ernährungsumstellung mit deutlich weniger Zucker.
Widerstand der Industrie ist nicht unüberwindbar
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass unter den Rednerinnen und Rednern weitgehend Einigkeit darüber herrschte, dass das hohe Suchtpotenzial von Zucker – insbesondere bei Kindern – ein zentrales Problem darstellt. „Entsprechend wurde die Bedeutung von frühzeitiger Gesundheitserziehung und der Stärkung des Bewusstseins für gesunde Ernährung als entscheidender Erfolgsfaktor hervorgehoben“, berichtet Dr. Alfred Büttner, Leiter der Abteilung Europa und Internationales der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).
Den Widerstand der Zuckerindustrie betreffend verwiesen mehrere Rednerinnen und Redner auf erfolgreiche Beispiele etwa im Bereich Tabakprävention. Hier habe die europäische Tabakpolitik mit Maßnahmen wie Rauchverboten und Werbebeschränkungen gezeigt, dass ein Wandel grundsätzlich möglich ist.
Ernährung wird in der EU immer intensiver diskutiert
Auch BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler, die zugleich Mitglied des CED-Vorstands ist, war beim Symposium in Brüssel anwesend. Sie begrüßte, dass die Diskussion über Ernährungs- und Zuckerfragen in der europäischen Gesundheitspolitik an Fahrt aufnimmt. Das zeige auch der im Dezember 2025 von der Europäischen Kommission vorgestellte Safe-Hearts-Plan, der erstmals umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung kardiovaskulärer Erkrankungen präsentiert.
„Der Safe-Hearts-Plan stellt Prävention in den Mittelpunkt und adressiert ausdrücklich auch ungesunde Ernährungsweisen, insbesondere den Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt – daran können wir als Zahnärzteschaft gut anknüpfen“, sagte Ermler auf Anfrage. Der Plan sieht unter anderem Maßnahmen zur Förderung gesünderer Verbraucherentscheidungen, zur Reformulierung von Lebensmitteln sowie die Prüfung fiskalischer Instrumente vor, um den Konsum ungesunder Produkte zu reduzieren. Zudem wird die Bedeutung von Aufklärung, Prävention und lebensstilbezogenen Interventionen hervorgehoben, da ernährungsbedingte Risikofaktoren eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen.


169
169
169

