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Abseits der Praxis (18): Der Ironman

3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen - wer das schafft, darf sich zu Recht "Ironman" nennen. Wie auch Zahnarzt Demian Barrenstein aus Schwelm.

Nach der Arbeit eine Runde Joggen? Das reicht Demian Barrenstein nicht! Im Oktober 2016 durfte sich der Triathlet bei den Ironman Weltmeisterschaften in Kona/Hawaii mit den besten Athleten der Welt messen. privat

Für den Wettkampf auf Hawaii trainierte Barrenstein teilweise 20 Stunden pro Woche - neben seinem Alltag als Praxisinhaber und seiner Familie. privat
Barrenstein ist schon seit über 20 Jahren Triathlet und hat den Sport schon während des Studiums in Witten leidenschaftlich betrieben - zeitweise in der 2. Bundesliga. Da aber über kürzere Distanzen. privat
Bestform im Juni 2016: In Maastricht belegte Barrenstein (im Bild mit seiner Frau) beim niederländischen Ironman-Wettkampf den ersten Platz in seiner Alterklasse - so konnte er sich für die Weltmeisterschaft in Hawaii qualifizieren. privat
Seine Frau, Dr. Petra Barrenstein, ist ebenfalls Zahnärztin und teilt den Enthusiasmus ihres Mannes. Bei der Triathlonmeisterschaft der Ärzte- und Apotheker in Leipzig im vergangenen Jahr wurde sie Zweite ihrer Altersklasse. privat
Ironman Hawaii 2016: Schon in der ersten Disziplin, Schwimmen über 3,8 km, warf Barrenstein alle Zweifel über Bord. Von vielen Wettkampfteilnehmern wurde zuvor behauptet, es sei zu schwierig, im offenen Meer bei den hawaiianischen Bedingungen unter einer Stunde zu schwimmen - doch Barrenstein schaffte es in 55 Minuten. Zum Vergleich: Der Silbermedaillen-Gewinner des Triathlons ist nur 2 Minuten schneller geschwommen und der schnellste Schwimmer gerade einmal 7 Minuten. privat
Nach dem Schwimmen ging es bei über 30 Grad auf die 180 km Radstrecke - 90 km über einen Highway nach Hawi zum Wendepunkt und wieder zurück. "Sehr eintönig, keine Menschen zum Anfeuern, schwarzes Lavagestein und viel Wind. Für mich der härteste Teil des Wettkampfs. Normalerweise liebe ich das Radfahren, aber zwischendurch habe ich Sternchen gesehen", erzählt Barrenstein. Danach folgten noch 42 km Laufen. "Ich war einfach nur froh, endlich in die Laufschuhe zu wechseln", erinnert sich der Zahnarzt. Die ersten 15 km lief er ambitioniert an - endlich mit Zuschauern, insbesondere seinem mitgereisten Bruder, zwei Freunden und Trainer. Danach verlief die Strecke wieder über den einsamen Highway und zum Wendepunkt im sogenannten "Energylab", der heißeste Ort der Insel, mit 35 Grad. "Das ist für viele der Knackpunkt, das macht keinen Spaß, aber die Euphorie über den bisherigen Rennverlauf hat mich da durchgebracht. Es war nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte," resümiert Barrenstein. privat
Dann die Ziellinie und der wichtigste Satz des Kommentators: "Your are an ironman". Barrenstein hat den Ironman auf Hawaii geschaftt - mit einer Zeit von 9 Stunden und 43 Minuten hatte der Zahnarzt nicht gerechnet. Sein ursprüngliches Ziel lag bei 10 Stunden und 30 Minuten. Mit einem 68. Platz in der Alterklasse 35-39 und einem Gesamtrang von 287, inklusive aller Profis, zählt der Zahnarzt zu den 12 Prozent der besten Langdistanz-Triathleten 2016 der Welt. privat
"Es war unglaublich und zum Teil einfach surreal. Ich habe bestimmt zwei Drittel des Rennens schon wieder vergessen", erzählt Barrenstein, "das Event war alles Vorherige wert. Die Höhen, die Tiefen, unbeschreiblich!" Seiner Frau verdankt er es, dass er neben der Arbeit und den Kindern noch so viel Zeit für die ambitionierten Ziele findet: "Petra ist eine tolle Zahnärztin und wir ergänzen uns nicht nur in der Praxis super. Wir sind ein Spitzen-Team und versuchen, uns so viel wie möglich gegenseitig zu unterstützen. Sie hat mir letztes Jahr in der Praxis oft den Rücken freigehalten. Ohne sie wäre das nicht machbar gewesen." privat
Seit zwölf Jahren sind Demian Barrenstein und seine Frau Petra ein Paar und seit 2011 verheiratet. Ihre beiden Töchter Amelie und Louanne sind fünf und drei Jahre alt. Die gesamte Familie teilt sich die sportlichen Hobbys - wie Kitesurfen, Snowboarden, Basketball, Triathlon und Fitness. "Diesen Monat steht Heli-Boarden in Kanada an! Das wird ein gemeinsames Highlight!" berichtet Barrenstein. privat

zm-online: Herr Barrenstein, Sie sind begeisterter Triathlet, ehemaliger Leistungsschwimmer, dürfen sich zu Recht "Ironman" nennen  - und Sie sind Zahnarzt. Wie vereinbaren Sie Hobby und Beruf?

Demian Barrenstein: Es ist alles eine Frage der Organisation und des Wollens. Ohne Sport fühle ich mich schlecht, bin oft mental überspannt. Nach einer Runde Laufen bin ich für alle Mitmenschen wieder total umgänglich. Meine Frau hat mich mit meinen vielen Hobbys kennengelernt und es für sich adaptiert. Durch den gemeinsamen Beruf können wir uns gegenseitig Freiräume schaffen, um unseren Aktivitäten nachzugehen. Außerdem sind wir Freunde einer guten Work-Life-Balance. Da wird die Praxis schon öfter mal zugemacht.

Im vergangenen Sommer haben Sie sich für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii im Oktober 2016 qualifiziert. Wie sah Ihr typischer Tagesablauf aus, als Sie für den Wettkampf trainiert haben?

06:30 Uhr Aufstehen, Kids fertig machen, zum Kindergarten bringen. Von 08:00 Uhr bis 13:00 Uhr arbeiten, Mittagspause, Kids vom Kindergarten abholen, 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr Arbeiten, Abendessen, 19:00 Uhr Kids ins Bett, ab zum Sport - je nach anstehender Disziplin 1 bis 3 Stunden, inklusive Stretching, Krafttraining etc.  Alle langen Einheiten konnte ich Mittwoch vormittags absolvieren, da habe ich frei, ansonsten natürlich viel am Wochenende. In intensiven Phasen waren das 20 Stunden die Woche.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus, wenn Sie sich gerade in einer Ruhephase befinden?

Vom Grundprinzip bleibt alles gleich, nur die zeitlichen Umfänge ändern sich. Da werden dann aber auch gerne mal ein paar Trainingseinheiten gegen ein Bier mit Freunden und Abende mit meiner Frau eingetauscht. In Summe bin ich kein Asket, ich mache das alles, weil es mir Spaß macht und ich mich wohl damit fühle.

Ein Ironman besteht aus drei Disziplinen: 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und dann noch 42 km Laufen. Man könnte alle Teilnehmer eines solchen Wettkampfs für verrückt halten. Was reizt Sie an diesem extremen Sport?

Als Triathlet hat man immer im Kopf, einmal über diese lange Distanz zu gehen. Das gehört sozusagen zum guten Ton. Dass es mir so liegen würde, um an der Weltspitze zu agieren, hatte ich nicht gedacht. Marathons bin ich schon einige gelaufen seit ich 18 Jahre alt bin, die einzelnen Disziplinen waren alle schon in den Umfängen locker machbar, es reizte die Summe aller Disziplinen. Das ist nicht mal eben gemacht.

Ich war schon immer sehr zielstrebig und kann mich gut quälen, das kommt einem bei einem 10-Stunden-Wettkampf sehr zugute. Ein solches Rennen läuft ganz viel im Kopf und über die Erfahrung, deshalb war jetzt der richtige Zeitpunkt. Mit 20 hätte ich das so nicht geschafft. Außerdem hätte mir damals das nötige Kleingeld gefehlt.

Wie reagieren Ihre Patienten auf Ihre sportlichen Erfolge? Ist das ein Thema in der Praxis?

Das ist ein riesiges Thema. Schwelm ist relativ klein, ich bin hier geboren und durch den vielen Sport ein bunter Hund. Alle finden das super. Es scheint eine sehr sympathische Art der Selbstvermarktung zu sein. Die Praxis profitiert sehr stark von den Berichten in der lokalen Presse, etc. Das ist ein klasse Nebeneffekt, außerdem hat man immer ein schönes Thema, um Smalltalk zu halten.

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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