Internationale Studie

Deutsche konsumieren mehr Zucker durch Softdrinks als durch Süßigkeiten

In kaum einem europäischen Land nehmen die Menschen so viel Zucker über Erfrischungsgetränke auf wie in Deutschland - nur in den Niederlanden und in der Slowakei ist der Verbrauch noch höher.

Im Jahr 2016 verbrauchte jeder Deutsche rund 9,5 Kilogramm Zucker allein über Softdrinks. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Süßigkeiten lag bei nur 6,5 Kilogramm. Adobe Stock/Dmytro Sukharevskyi

Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International, die die Verbraucherorganisation foodwatch jetzt veröffentlicht hat, lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Softdrinks im Jahr 2016 in Deutschland bei durchschnittlich 26 Gramm pro Tag. Dies entspricht etwa 9,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Zum Vergleich: Der Zuckerverbrauch über Süßigkeiten lag in Deutschland bei 18 Gramm pro Tag. Dies entspricht nur rund 6,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf Platz 3 - nur in den Niederlanden und in der Slowakei wird noch mehr Zucker über süße Erfrischungsgetränke verbraucht.

20 Länder hat foodwatch für das Ranking miteinander verglichen. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland auf Platz elf, hinter Ländern wie Argentinien, Chile, USA und Mexiko. Im europäischen Vergleich auf Platz 3. | foodwatch

Die Zahlen zeigen: Erfrischungsgetränke sind ein wesentlicher Grund für einen insgesamt zu hohen Zuckerkonsum. Die WHO empfiehlt einen täglichen Zuckerkonsum von maximal 8 1/3 Zuckerwürfel, also 25 g Zucker - umgerechnet auf zuckerhaltige Getränke entspricht dies 710 bis 750 ml Apfelschorle; 270 bis 300 ml Orangensaft oder Apfelsaft; 230 bis 260 ml Cola, Fanta & Co.; 230 bis 250 ml Energydrink; 210 bis 280 ml Frucht-Smoothie; 140 bis 170 ml Traubensaft.

"Gerade dieser flüssige Zucker macht uns besonders krank", betont Luise Molling von foodwatch. Die Verbraucherorganisation fordert eine Limo-Steuer, wie sie Anfang April in Großbritannien eingeführt wurde. Dort müssen Getränkehersteller nun einen Abgabe von 18 Pence (20 Cent) pro Liter bezahlen, wenn ihre Getränke 5 g oder mehr Zucker pro 100 ml enthalten. Ab 8 g Zucker steigt die Abgabe auf 28 Pence (32 Cent).

foodwatch kritisiert die Marketing- und Lobbymaßnahmen von Coca-Cola als "unverantwortlich". Der Getränkehersteller agiere mit den gleichen Methoden wie die Tabakindustrie.

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Laut foodwatch hat diese Limo-Steuer die gewünschte Wirkung erzielt. So hat der britische Marktführer Coca-Cola den Zuckergehalt seiner Getränke Fanta und Sprite unter die 5-Gramm-Marke gesenkt (Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm und Sprite von 6,6 Gramm auf 3,3 Gramm). In Deutschland enthalten Fanta und Sprite aktuell noch immer mehr als 9 Gramm Zucker.

foodwatch kritisiert jedoch, dass viele britische Hersteller den Zucker in ihren Getränken durch Süßstoffe ersetzt haben. Eine Limo-Steuer in Deutschland müsse daher sowohl Getränke mit Zucker als auch mit Süßstoffen umfassen, forderte Molling.

foodwatch: "Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie reichen nicht aus!"

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer "Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten". Gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel soll die Strategie auf freiwilliger Basis umgesetzt werden. foodwatch kritisiert, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie jedoch keine Wirkung zeigen.

Erfrischungsgetränke im Vergleich

Laut aktueller Marktstudie ist weiterhin jedes zweite Erfrischungsgetränk in Deutschland überzuckert. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als 50 Gramm Zucker je Liter. Damit hat sich der Anteil der überzuckerten Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals betrug der Anteil der Getränke mit mehr als 50 Gramm Zucker je Liter 59 Prozent.

35 Kilogramm Zucker essen die Deutschen pro Jahr und Kopf – mehr als doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Der Wert bildet jedoch nur den Konsum von Haushaltszucker ab. Hinzu kommt ein steigender Verbrauch von Mono- und Disacchariden, die Lebensmitteln zugesetzt werden – und zunehmend zum Problem werden.

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