Lancet-Studie

Ein Fünftel aller Todesfälle gehen auf eine Sepsis zurück

Die Ergebnisse einer neuen Studie sind alarmierend: Rund 20 Prozent aller Todesfälle weltweit sind auf eine Sepsis zurückzuführen. Die Zahl der Todesopfer ist doppelt so hoch wie bisher angenommen.

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Die neue US-Studie wurde gerade in „The Lancet“ veröffentlicht. Es ist die bislang umfassendste Auswertung von Daten zur Häufigkeit von Sepsis und Sepsis-Todesfällen. Die WissenschaftlerInnen vom Institute of Health Metrics and Evaluation in Seattle analysierten die Totenscheine und Informationen zu Alter, Geschlecht, Region und Sepsis-Ursachen.

Deutschland: Sepsis doppelt so häufig wie vermutet

Ergebnis: Für das Jahr 2017 stellten AutorInnen 48,9 Millionen Sepsisfälle fest. Das entspricht 677 Krankheitsfällen pro 100.000 Menschen. Zum Vergleich: In den USA kommen 500 Sepsisfälle auf 100.000 Einwohner, in Schweden sind es 700. In Deutschland erkranken laut Deutscher Sepsis-Hilfe etwa 154.000 Menschen pro Jahr an einer Sepsis. Davon sterben circa 56.000 an den Folgen der Erkrankung, das heißt 154 Menschen am Tag, insgesamt mehr als 36 Prozent. Die Sepsissterblichkeit ist in Deutschland damit doppelt so hoch wie in England, Australien oder den USA.

Für elf Millionen Patienten weltweit endete die Erkrankung 2017 tödlich. Die meisten Sepsisfälle gab es in Afrika südlich der Sahara und in Teilen Asiens. Dort fehle es laut Studienautoren häufig an den Möglichkeiten, eine Sepsis zu erkennen und sie zu behandeln.

Doch auch in wohlhabenden Ländern scheinen die Gefahren, die von Sepsis ausgehen, unterschätzt zu werden. So besteht auch in Deutschland die Vermutung, dass die Sepsishäufigkeit doppelt so hoch ist als bisher angenommen. Die Schätzungen beruhen auf Untersuchungen von Krankenakten und Zahlen, die Krankenhäuser als Abrechnungsgründe gemeldet haben.

Sepsis wird zu selten als Todesursache angegeben

In Jena wurde im Jahr 2012 die Sepsis-Stiftung gegründet, ihr Präsident Konrad Reinhart ist Mit-Autor der aktuellen Studie. Seit Jahren fordert die Stiftung einen „Nationalen Sepsisplan“ zur besseren Prävention und Behandlung der Krankheit. Auch die aktuellen Studienergebnisse nimmt die Stiftung zum Anlass, um das Bundesgesundheitsministerium auf die Bedeutung dieses Sepsisplans hinzuweisen.

Auf ihrer Website betreibt die Jenaer Stiftung viel Aufklärung. Eine Sepsis kann jeden Menschen treffen, ungeachtet seines Alters oder Gesundheitszustands. Schon kleinste Wunden können eine große Gefahr darstellen, wenn zum Beispiel bei einer medizinischen Behandlung Krankheitserreger in den Körper eindringen. Am Ende steht oft multiples Organversagen. Patienten ebenso wie Ärzte deuten die Symptome häufig nicht richtig - und vor allem nicht schnell genug. Zu den Symptomen gehören Fieber, Übelkeit und Verwirrtheit. Häufig vergehen Tage, bis die richtige Behandlung eingeleitet wird. Oft kann es dann zu spät sein, das Leben des Patienten nicht mehr gerettet werden.

20.000 Sepsis-Tote pro Jahr könnten vermieden werden

Die Sepsis-Stiftung fordert deshalb, ähnlich wie für Herzinfarkt oder Schlaganfall, verbindliche Behandlungsstandards und geht davon aus, dass diese helfen könnten, bis zu 20.000 Sepsis-Tote pro Jahr in Deutschland zu vermeiden. „Im Zweifel an Sepsis denken kann Leben retten“, informiert die Stiftung, „jedoch wird eine Sepsis oft nicht früh genug erkannt. Wir wollen, dass das Thema fest in den Ausbildungskatalog von Allgemeinärzten und Praxispersonal aufgenommen und ein Sepsis-Check zur Routineuntersuchung bei allen Patienten mit Infektionen wird.“

Kristina E Rudd et al., Global, regional, and national sepsis incidence and mortality, 1990–2017: analysis for the Global Burden of Disease Study, in: The Lancet, Volume 395, ISSUE 10219, P200-211, January 18, DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32989-72020

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