OECD-Sonderauswertung der neuesten Pisa-Studie

Mädchen träumen vom Arztberuf

Tradition siegt – obwohl die Auswahl an Berufen so groß ist wie nie zuvor. Laut einer neuen OECD-Sonderauswertung der neuesten Pisa-Studie steht der Arztberuf unter 15-jährigen Mädels auf Platz 2 der Traumberufe.

Jede zweite 15-Jährige will Ärztin werden. Ob die Medizinerinnen in spe schon als kleines Mädchen ihren Teddy geheilt haben? Adobe Stock_Oksana Kuzmina

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stellte die Industrieländerorganisation OECD jetzt die Studie vor, in der sie Daten aus dem Jahr 2018 mit Daten aus 2000 verglichen hat. Erstaunliches Ergebnis: „Die weitreichenden Veränderungen der Arbeitswelt spiegeln sich bislang noch nicht in den Berufsvorstellungen vieler Jugendlicher wider. Auch im Zeitalter sozialer Medien und künstlicher Intelligenz streben Jugendliche in den OECD-Ländern kaum Tätigkeiten an, die mit der Digitalisierung entstanden sind“, konstatiert die OECD. Auf die Frage, welchen Beruf sie mit 30 Jahren ausüben wollten, hätten die 15-Jährigen überwiegend traditionelle und etablierte Berufe genannt.

Mädchen wollen gerne Ärztin werden, Jungs Industriemechaniker

Dies ist die Liste der Traumjobs der 15-jährigen deutschen Mädchen: Lehrerin, Ärztin, Erzieherin, Psychologin, Krankenpflegerin, Architektin, Polizistin, Büroangestellte, Designerin, Anwältin. Bei den Jungen stehen Industriemechaniker, Automechaniker und Polizist auf den ersten drei Plätzen, gefolgt von Lehrer, Ingenieur, Arzt, Architekt und Sportler.

In Deutschland gibt es 326 duale Ausbildungsberufe, die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren nicht maßgeblich verändert. Fehlende Information und Aufklärung? Die OECD beklagt, dass dieses Ergebnis „auf eine insgesamt geringe Vorstellungskraft bezüglich der Vielfalt des Arbeitsmarktes“ schließen lasse.

Experten wiederholen gebetsmühlenartig die Prognose, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt stark verändern wird. Dennoch hegen viele junge Menschen, obwohl viele im ständigen Kontakt mit digitalen Medien sind, Berufswünsche, die außerhalb dieser „Welt“ stattfinden.

Förderung ist wichtig

Den Wunschjob beeinflussen nicht nur die Träume, sondern auch die Herkunft und wie stark die Eltern ihre Kinder bereits in der Schule unterstützen. Die OECD-Experten fanden anhand der Pisa-Vergleiche heraus, dass leistungsstarke Schüler aus privilegierten Verhältnissen deutlich öfter ambitionierte Berufsziele haben, dies auch im Vergleich zu leistungsstarken Schülern aus benachteiligten Verhältnissen. Schüler, die aus einem bildungsfernen Milieu stammen, haben zudem viel öfter eine falsche Vorstellung von dem Bildungsweg, den sie anstreben müssen, um eines Tages in ihrem Traumberuf arbeiten zu können.

Viele Traumjobs gibt es bald nicht mehr

Wie zukunftstauglich sind die Jobträume der heute 15-Jährigen? Auch damit hat sich die OECD-Untersuchung beschäftigt. Die Experten schätzen, dass weltweit 39 Prozent der Traumberufe in zehn bis 15 Jahren möglicherweise automatisiert sein werden. In Deutschland liegt die Rate sogar bei rund 45 Prozent.

Das sagen Experten

  • Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD, fordert jetzt, dass die Themen Berufsberatung und Arbeitswelt in den Schulen der OECD-Länder einen deutlich höheren Stellenwert bekommen sollten. „Man kann nicht werden, was man nicht kennt“, sagt er. Und fügt hinzu: „Es besteht ein großes Risiko, dass wir die nächste Generation für unsere Vergangenheit ausbilden und nicht für deren Zukunft.“ Mehr Arbeitgeber müssten Schulen besuchen, die Jugendlichen müssten an mehr Jobmessen teilnehmen.
  • Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, sieht die Problematik gelassener. In vielen der genannten Traumberufe, wie zum Beispiel Lehrer oder Arzt, herrsche Nachwuchsmangel. Zudem sei nicht absehbar, welche neuen Berufsbilder in den kommenden zehn bis 20 Jahren durch Digitalisierung entstehen würden. „Entscheidend ist, dass wir Kindern und Jugendlichen in den Schulen eine solch umfassende Allgemeinbildung und so viel grundlegende Kompetenzen vermitteln, dass sie flexibel genug sind, sich auf die sich verändernde Berufswelt einzustellen“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
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