Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)

SARS-CoV-2-Anti­körper in weniger als 1 Prozent der Blutspenden

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurden 914 Blutspenden aus den Monaten April, Mai und Juni auf SARS-CoV-2-Anti­körper untersucht, um sich ein Bild über die Zahl der unerkannten Infektionen zu machen. Der Wert liefert keine Entwarnung.

An Rückstellproben aus 2017 wurden vier unterschiedliche Antikörpertests auf ihre Fehlerwahrscheinlichkeit überprüft, verwendet wurde anschließend der Roche-Antikörpertest. Er wies nur ein falsch positives Ergebnis bei 319 Proben auf – eine Größenordnung, in der jetzt auch die Ergebnisse liegen. Symbolbild AdobeStock_Connect world

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hatte die Untersuchung gemeinsam mit dem UKE auf den Weg gebracht. „Während die PCR-Tests zur Feststellung einer Infektion nur eine Momentaufnahme darstellen, kann mit Antikörpertests nachgewiesen werden, ob ein Mensch Immunität gegen das SARS-CoV-2 entwickelt hat", sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

"Für die Breite der Bevölkerung kann so festgestellt werden, ob genügend Immunität besteht, um die Ausbreitungsmöglichkeiten des Virus zu beenden." Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass dies offenbar nicht der Fall ist. Prüfer-Storcks: "Solange es keine Anhaltspunkte für eine bereits vorhandene Immunität unter der Bevölkerung oder einen zugelassenen Impfstoff gibt, ist es weiterhin wichtig, sich an Hygiene- und Abstandsgebote zu halten, um die Ausbreitung des Virus einzugrenzen."

Menschen, die an COVID-19 erkranken, entwickeln im Krankheitsverlauf nach einigen Tagen bis Wochen Antikörper gegen Merkmale des Erregers. Wie viele „stille“ Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Erreger, also Infektionen ohne Symptome, es unter den Blutspenderinnen und Blutspendern im UKE in den letzten drei Monaten gegeben hat, untersuchte Dr. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, gemeinsam mit Dr. Marc Lütgehetmann, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene, an insgesamt 914 Blutproben.

Nur 0,3 bis 0,7 Prozent der Blutspender sind womöglich immun

Im Zeitraum vom 6. bis 10. April wurde bei 300 Blutspendern nur eine bisher unbekannte SARS-CoV-2-Infektion serologisch nachgewiesen (0,3 Prozent), im Zeitraum vom 4. bis 6. Mai waren es bei 288 Blutspendern zwei bisher unbekannte SARS-CoV-2-Infektionen (0,7 Prozent) und im Zeitraum vom 2. bis 5. Juni bei 326 Blutspendern erneut nur eine bisher unbekannte SARS-CoV-2-Infektion (0,3 Prozent).

Auch wenn die Untersuchung nicht repräsentativ für die Hamburger Bevölkerung sind, könnte sie einen guten Anhaltpunkt über die Zahl der unbemerkten Infektionsverläufe geben, führt Peine  aus: „Wer hier in Hamburg in den letzten Monaten nur leichte oder unspezifische Erkältungssymptome hatte, der war auch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht an COVID-19 erkrankt.“

Preprint: Blutgruppe hat Einfluss auf die Schwere einer COVID-19-Erkrankung

Wie Forscher der Universität Kiel und der Universität Oslo in einem Preprint berichten, haben Menschen mit der Blutgruppe A ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf, Menschen mit der Blutgruppe 0 das geringste. Für ihre Studie suchten die Wissenschaftler im Erbgut von mehr als 1.600 schwer erkrankten Patienten aus Italien und Spanien nach Hinweisen auf genetische Auffälligkeiten.

Die Untersuchung bestätigt Analysen aus anderen Ländern: im März waren chinesische Wissenschaftler bei einer Genanalyse von mehr als 2.000 Covid-19-Patienten zu dem Ergebnis gekommen, dass jene mit Blutgruppe A ein höheres Risiko haben könnten. Eine US-amerikanische Gruppe hatte dann im April ein Preprint veröffentlicht, das diese Erkenntnis bestätigt. Die US-Forscher hatten auch noch nach dem Rhesusfaktor unterschieden. Einen Zusammenhang konnten sie ihren Analysen zufolge nur bei Patienten mit positivem Rhesusfaktor finden.

Für die Studie wurden im ersten Schritt bis Mitte April sogenannte Rückstellproben von 300 Blutspenderinnen und Blutspendern aus dem Jahr 2017 auf das Vorliegen von Antikörpern gegen das neuartige Corona-Virus getestet. Da davon auszugehen war, dass sich im Jahr 2017 noch kein Blutspender in Hamburg mit dem neuartigen Virus angesteckt haben konnte, wurden diese Untersuchungen zur Überprüfung von vier unterschiedlichen Antikörpertests (von den Firmen DiaSorin, Euroimmun, Roche und Wantai) herangezogen. Alle Antikörpertests zeigten bei den Blutspendenden eine gute analytische Spezifität mit nur einer äußerst geringen Anzahl von falsch positiven Ergebnissen.

Die SARS-CoV-2-Rate lag insgesamt bei unter einem Prozent

Im zweiten Schritt wurde dann anhand der Ergebnisse ein geeigneter Antikörpertest ausgewählt, um im Blut die Antikörper nachzuweisen. Dazu wird das entnommene Blut im Labor in ein Testgefäß mit Bestandteilen der Viren (Antigenen) gegeben. Sollten Antikörper gegen das neuartige Corona-Virus vorhanden sein, binden sie sich an die Antigene und können mit einem Fluoreszenzmittel sichtbar gemacht werden. Aufgrund der hohen Sensitivität wurde für die weitere Studie der Roche-Antikörpertest verwendet. Er wies nur ein falsch positives Ergebnis bei 319 Proben auf.

In einem dritten Schritt wurden dann im April 300, im Mai 288 und im Juni 326 anonymisierte Blutspenderproben auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 untersucht. Das Ergebnis des Screenings zeigte, dass die SARS-CoV-2-Rate bei den insgesamt 914 Blutspendenden unter einem Prozent lag. Eine routinemäßige Testung aller Blutspenden in Deutschland ist nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und auch nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts nicht notwendig, da nur sehr wenige und dann auch nur Schwersterkrankte die Viren im Blut tragen und als solche ohnehin nicht als Blutspender infrage kommen.

Die Untersuchungsreihe soll weiterhin in einem rund vierwöchigen Abstand wiederholt werden.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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