Forscher untersuchen Einfluss der Ausgangssperren auf COVID-19

Was bringt ein Lock Down?

Epidemiologen haben zum ersten Mal errechnet, was ein Lock Down aus infektiologischer Sicht bringt: Ohne die Verbote wären bis Ende März etwa 59.000 Menschen in Europa an COVID-19 gestorben.

Ein Lock Down unterbricht die Verbreitungsketten und reduziert damit die Zahl der Personen, die von einem Infizierten weiter angesteckt werden. Diese Maßnahme kann somit hunderttausend COVID-19-Todesfälle verhindern, resümieren die Forscher. Adobe Stock_Re Gara

Die Maßnahmen wirken, bilanziert ein Wissenschaftsteam um den britischen Epidemiologen Neil Ferguson im Department of Infectious Disease Epidemiology am Imperial College London anhand der Ausbreitungsdaten vor und aktuell während der Ausgangsverbote.

Von der sozialen Distanz, über die Selbstquarantäne von Verdachtsfällen und der Schließung von Schulen und Veranstaltungen bis hin zum Reiseverbot, zeigt der Lock Down des öffentlichen Lebens in Europa erste Erfolge.

Denn die Verbreitungsketten werden damit unterbunden und die Zahl der Personen, die von einem Infizierten weiter angesteckt werden (Basisreproduktionszahl), sinkt spürbar. Diese Maßnahme könne somit hunderttausend COVID-19-Todesfälle verhindern. Zu Beginn der Corona-Pandemie lag die Basisreproduktionszahl zwischen 3,01 bis 4,66. Inzwischen ist sie für den europäischen Durchschnitt auf 1,43 gesunken (Berechnung hier anhand von Daten aus elf EU-Ländern).

Ohne Maßnahmen hätte es circa 59.000 Tote gegeben

Für die Hochrechnung versuchten die Forscher an Daten zu kommen, die über die offiziell kommunizierten Zahlen hinausgehen. Aus den Reisedaten aus China leiteten sie zum Beispiel verschiedene Verbreitungsszenarien ab und übertrugen diese auf europäische Dimensionen.

Weiter analysierten sie die Sterblichkeitsrate unter Berücksichtigung der Dunkelziffer, die weit höher liegt als die offiziell erfassten SARS-CoV-2-Fälle abbilden. Ohne die nichtmedikamentösen Maßnahmen wären demnach bis Ende März etwa 59.000 Menschen in Europa an COVID-19 gestorben.

Allerdings könne sich durch diese Schutzmaßnahmen keine Herdenimmunität bilden, was wiederum zu einem Anstieg der Infektionszahlen nach der Aufhebung der Ausgangssperren führen würde. Erst bei einer Immunität zwischen 50 und 75 Prozent in der Bevölkerung würde die Pandemie zurückgehen und enden.

Quelle: Ferguson, Neil et al.: Estimating   the   number   of   infections   and   the   impact   of   non-pharmaceutical interventions on COVID-19 in 11 European countries, DOI: doi.org/10.25561/77731

Abriegelung von Wuhan verhinderte 700.000 Ansteckungen

Die frühe und umfassende Ausgangssperre in Wuhan, dem Epizentrum des neuartigen Coronavirus, hat geschätzt 700.000 weitere Infektionen verhindert. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher aus China, Großbritannien und den USA, die die Entwicklung der Pandemie untersuchten und jetzt im Fachmagazin Science veröffentlichten. Dazu werteten sie Fallberichte, Informationen der Gesundheitsbehörden und Handy-Daten aus, um die mögliche Verbreitung zu berechnen.

Demnach konnte die Abriegelung der Millionenmetropole in den ersten 50 Tagen der sich schnell ausbreitenden Virusepidemie eine hohen Zahl an Ansteckungen vermeiden und anderen chinesische Großstädten einen wichtigen Zeitvorsprung verschaffen, um ebenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die drastischen Kontrollen seitens der chinesischen Regierung zeigten Wirkung: Das Reiseverbot, die Ausgangsbeschränkung sowie das Tracking von Infizierten via Smartphone konnte Infektionsketten maßgeblich stoppen.

Quelle: Huaiyu Tian et al. in Science: An investigation of transmission control measures during the first 50 days of the COVID-19 epidemic in China DOI: 10.1126/science.abb6105

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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