Tag der Zahngesundheit 2019

"Wir sprechen die Jugendlichen auf Augenhöhe an"

Mit einem neuen Prophylaxekonzept widmen sich Dr. Uta Brix und Dr. Pantelis Petrakakis vom Zahnärztlichen Dienst Rhein-Erft-Kreis seit 2018 der Zielgruppe des diesjährigen Tags der Zahngesundheit. Im Interview berichten sie von ihren Erfahrungen.

Einzelgespräch, Empathie und Handspiegel – nach den Praxiserfahrungen von Dr. Uta Brix und Dr. Pantelis Petrakakis braucht es keine Raketentechnik, um Jugendliche wirkungsvoll zu erreichen. Motiv3_AdobeStock_ Jet Cat Studio

Aus Ihrer Erfahrung: Wie spannend finden Jugendliche das Thema Zahnpflege?

Dr. Pantelis Petrakakis: Die Spannbreite reicht von absolutem Desinteresse – und den teilweise entsprechend verheerenden Befunden – über Behandlungsängste bis hin zu einer unwahrscheinlichen Aufgeschlossenheit und Neugier. Manchmal sind wir auch total überrascht über das Wissen, das die jungen Heranwachsenden mitbringen.

Dr. Uta Brix: Wir haben festgestellt, dass Jugendliche das Thema Zahnpflege meist dann spannend finden, wenn man es ihnen anhand ihrer eigenen Zähne und ihrer Mundhygienesituation deutlich macht. Ganz wichtig ist dabei, dass man die Jugendlichen auf Augenhöhe anspricht und ihnen den ganz persönlichen Benefit einer guten Mundhygiene vermittelt.

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Zu diesem Zweck haben Sie 2018 im Rhein-Erft-Kreis ein Projekt gestartet, um Jugendliche ganz gezielt anzusprechen. Beschreiben Sie bitte kurz, worum es geht.

Brix: Im Schuljahr 2018/2019 haben wir unsere zahnmedizinische Vorsorgeuntersuchung auf die weiterführenden Schulen des Kreises ausgeweitet. Im Gegensatz zu den Untersuchungen in Gruppen in Kindertagesstätten und Grundschulen, untersuchen wir die Jugendlichen allein, das heißt ohne "Publikum". Das gibt uns die Möglichkeit, individuell auf die jeweilige Mundhygienesituation und den erhobenen Zahnbefund und auch auf Fragen einzugehen.

Petrakakis: Einen geschützten Raum zu schaffen, war uns sehr wichtig. Wir nennen diese Form der gruppenprophylaktischen Betreuung auch "Individualisierte Gruppenprophylaxe" bzw. "Individualisierte aufsuchende Betreuung". Außer uns ist nur eine Zahnmedizinische Fachangestellte anwesend. Die Ergebnisse der zahnärztlichen Untersuchung bieten eine sehr gute Grundlage, einen objektiven Handlungsbedarf für jedes Kind zu erkennen und es entsprechend zu beraten.

Wann und wie ist die Idee zu dem Projekt entstanden?

Brix: Die Idee für ein spezifisches Prophylaxekonzept bei Heranwachsenden bestand meines Wissens schon sehr lange, da für Kinder aus weiterführenden Schulen keine verlässlichen Zahlen zu Mund- und Zahngesundheit vorlagen.

Petrakakis: Das stimmt. Ursprünglich ging es darum, einen Überblick über die Zahngesundheit von Kindern in weiterführenden Schulen des Rhein-Erft-Kreises – und hier insbesondere die der 12-Jährigen – zu erhalten und daraus potenziell notwendige Handlungsoptionen abzuleiten. Untersuchungen an Stichprobenschulen im Rahmen der epidemiologischen Begleituntersuchung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ-Studie) im Jahr 2016 lieferte dann den entscheidenden Impuls, die Untersuchungen an weiterführenden Schulen in einem Pilotprojekt umzusetzen.

Warum kamen Sie nach den Stichproben zu diesem Schluss?

Petrakakis: Unsere Erfahrungen zeigten, dass Aufklärungs- und Prophylaxemaßnahmen bei Heranwachsenden – ungeachtet der geringen Kariesrate – dringend notwendig sind. So konnten wir in dieser Gruppe, neben einer häufig defizitären Mundhygiene mit einem hohen Anteil plaquebedingter Gingivitiden, auch einen sehr hohen Beratungsbedarf feststellen. Gleichzeitig machten wir die sehr positive Erfahrung, dass die Schulen uns dabei unterstützten und diese präventive Maßnahme sehr begrüßten.

 

Wie läuft die individualisierte aufsuchende Betreuung ab? Welche Themen sprechen Sie beispielsweise an?

Petrakakis: Die Termine finden an Vormittagen in den Schulen statt. Im Vorfeld erhalten wir unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen die notwendigen Daten der Schülerinnen und Schüler, die wir anschließend in unsere Erfassungssoftware übertragen. Vor Ort führen wir unsere Untersuchungen in einem leeren Klassenraum durch.

Brix: Pro Schulstunde untersuchen wir etwa eine Schulklasse. Die Jugendlichen werden, wie oben schon beschrieben, alleine in den Untersuchungsraum gebeten. Nachdem wir einen umfassenden, zahnärztlichen Befund erhoben haben, fragen wir die Jugendlichen nach ihren Zahnputzgewohnheiten, welche Hilfsmittel sie benutzen etc. Bei Mundhygienedefiziten zeigen wir dann mit Hilfe eines Handspiegels wo die problematischen Bereiche liegen, erklären die Notwendigkeit des "richtigen" Zähneputzens, demonstrieren Zahnputzbewegungen und verschiedene Hilfsmittel wie Zahnseide und/oder Interdentalraumbürsten.

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