Gesellschaft

Zahnärztin erhält Herbert-Lewin Preis

Dr. Gisela Tascher wurde für ihre Dissertation über das Zusammenspiel von NS-Staat, Macht und ärztlicher Berufsausübung am Beispiel des Saarlands mit dem Herbert-Lewin-Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ausgezeichnet.

Die Zahnärztin Dr. Gisela Tascher aus dem saarländischen Heusweiler nimmt die Auszeichnung von Ärztepräsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery entgegen. Axentis

Preisstifter und Preisträger der Herbert-Lewin-Forschungspreisverleihung 2015. Prof. Dr. Dietmar Oesterreich (rechts) vertrat die Bundeszahnärztekammer als deren Vizepräsident. Axentis

Der vom Bundesgesundheitsministerium (BMG), der Bundesärztekammer (BÄK), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) gestiftete und mit insgesamt 12.500 Euro dotierte Herbert-Lewin-Forschungspreis wird in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben.

Die Entwicklungen nach 1945 inbegriffen

Welche Rolle spielten die ärztlichen Standesvertretungen und ihre führenden Vertreter in der Zeit des Nationalsozialismus und wie sahen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die ärztliche Berufsausübung aus? Diese Fragen habe Dr. Gisela Tascher in ihrer Dissertation über das Zusammenspiel von Staat, Macht und ärztlicher Berufsausübung am Beispiel des Saarlands beantwortet, heißt es in einer Erklärung der Preisstifter. Besonders beeindruckt habe die Jury, dass Tascher die Entwicklungen nach 1945 nicht aussparte.

Ein Zeichen gegen Barbarei und Unmenschlichkeit

Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbands Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland sowie aus Vertretern der auslobenden Organisationen zusammensetzt, hob ausdrücklich die Qualität und große Themenvielfalt der 32 eingereichten Arbeiten hervor. Dies zeige erneut die Notwendigkeit, das Themenfeld weiter aufzuarbeiten.

Dass die Aufarbeitung der Geschichte des Berufsstandes allen Beteiligten ein echtes Anliegen sei, hob Ärztepräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery hervor. Erstmals werde der Preis in diesem Jahr unter Beteiligung der Bundeszahnärztekammer verliehen. Es gehe den Organisationen um die Wahrung der Menschenrechte und um ein Zeichen gegen Barbarei und Unmenschlichkeit. Für religiöse Diskriminierung dürfe es in dieser Gesellschaft keinen Platz geben. Montgomery: "Wir leben in der Gegenwart mit der Vergangenheit für die Zukunft."

Euthanasie-Verbrechen als Teil der Erinnerungskultur

Den zweiten Preis teilen sich Dr. Sascha Topp und Dr. Bernd Höffken. Topp erforschte in seiner Studie die nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen. Er ging der Frage nach, wie diese Verbrechen historiografisch dargestellt wurden. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Ärzteschaft und die Entwicklung der Ethik in der Medizin in der Bundesrepublik Deutschland. Die Untersuchung überzeugte die Jury durch die stringente Argumentation. Sie trage dazu bei, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus als Teil der Erinnerungskultur zu sehen.

Das Schicksal 133 jüdischer Ärzte in Nürnberg

Höffken untersuchte in seinem Buch die Schicksale und Lebensdaten von 133 jüdischen Ärzten in Nürnberg - der Stadt der Reichsparteitage - und beeindruckte die Jury mit seiner Akribie und wissenschaftlichen Gründlichkeit. Der Autor zeichne die bewegenden Schicksale der Ärzte, ihrer Frauen und Kinder nach. Er setze damit allen damals ausgegrenzten, verfolgten oder ermordeten Ärzten aus Nürnberg ein bleibendes Denkmal.

Dr. Gisela Tascher (geb. 1954) machte 1977 ihr Staatsexamen an der Medizinischen Akademie Carl-Gustav-Carus Dresden. 2007 promovierte sie am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg bei Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart zum Thema „Die Entwicklung des Gesundheitswesens im Saargebiet und Saarland von 1920 – 1956 im Spiegel der machtpolitischen Verhältnisse“. Niedergelassen ist sie in Heusweiler.

Herbert Lewin (1899 - 1982) war ein deutscher Arzt und Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. An der Ausschreibung des Forschungspreises konnten Zahnärzte, Ärzte sowie Psychotherapeuten einzeln, in Kooperationen oder in Gemeinschaften teilnehmen. Die Ausschreibung richtete sich auch an Studierende der Zahn- oder Humanmedizin oder an Wissenschaftler, die an medizinhistorischen Instituten tätig sind.


16719331669955166995116699521671934 1671935 1669953
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen