Medizin

Computerassistenz erhöht Erfolgsquote von Hirn-OPs

Patienten, die einen Hirntumor in der Nähe des Sprach-, Seh- oder Hörzentrums haben, können computerassistiert mit größerem Erfolg operiert werden, wie eine neue Studie ergab.

 

In der aktuellen internationalen Vergleichsstudie der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) werteten Neurochirurgen des Universitätsklinikums Erlangen mehr als 120 internationale klinische Studien zur Tumorchirurgie aus. Grundsätzlich wurden die Patienten in zwei Gruppen unterschieden, solche, deren Tumor in einem funktionell unkritischen Randareal lag (Gruppe a) und solche, deren Tumor in direkter Nähe eines funktionellen Gehirnzentrums lag (Gruppe b).

Während es für die Patientengruppe a) keinen nennenswerten Unterschied im Hinblick auf die Operationsart gab, zeigten die Studien bei der Patientengruppe b) mit einem Tumor in direkter Nähe des Sprach-, Seh- oder Hörzentrums, dass sie mit größerem Erfolg in einem Zentrum mit computerassistierter Neurochirurgie operiert werden konnten. Weiterhin ergab die Studienanalyse, dass für eine optimale Patientenversorgung objektive Volumen- und Funktionsanalysen essenziell sind.

Präzision wird durch  Computerassistenz optimiert

„Durch die Kombination von computerassistierten Operationen, Magnetresonanz-Bildgebung und der Tumor-Fluoreszenz-Visualisierung ‚DIVA‘ im Operationssaal haben wir am Uni-Klinikum Erlangen eine einzigartige Infrastruktur, in der wir auch Hirntumoren, die in direkter Nähe von funktionell wichtigen Hirnregionen liegen, mit höchster Präzision sicher operieren können“, sagt Buchfelder. Die aktuelle Studie belegt seiner Meinung nach, dass sich die hohen Investitionen in die OP-Technik  auszahlen.

Operation ist die Methode der ersten Wahl

Bei der Behandlung von hirneigenen Tumoren steht nach wie vor die operative Therapie an erster Stelle, gefolgt von einer Bestrahlungs- und Chemotherapie. „Dabei sind die präoperative Tumorklassifikation, die Operationsart und der Umfang der Tumorentfernung für den Erfolg der anschließenden Therapie von entscheidender Bedeutung“, sagt Buchfelder Kollege und Studien-Co-Autor PD Dr. Ilker Y. Eyüpoglu.

Die Neurochirurgie hätte lange Zeit vor dem Problem gestanden, dass sich Tumoren nur sehr schwer von gesundem Hirngewebe und funktionell wichtigen Hirnregionen wie dem Sprach-, Seh- oder Hörzentrum unterscheiden lassen.

Darum entwickelten die Erlanger Neurochirurgen bereits vor rund zehn Jahren die Operationstechnik mit computerassistierter intraoperativer Magnetresonanz-Bildgebung.

Die Ergebnisse der Erlanger Studie wurden  im internationalen Fachmagazin „Nature Reviews“ veröffentlicht: Ilker Y. Eyüpoglu, Michael Buchfelder and Nic E. Savaskan in Nature Reviews/Neurology: Surgical resection of malignant gliomas – role in optimizing patient outcome; 1/2013, S. 1 ff.