Studie

Gesund und fit?

Die Deutschen sind sportlich aktiver als der europäische Durchschnitt. In anderen Bereichen des Gesundheitsverhaltens - etwa beim Alkoholkonsum - steht die Bundesrepublik jedoch deutlich weniger gut da. Erstmals liegen vergleichbare EU-Gesundheitsdaten vor.

In Deutschland rauchen weniger Männer und Frauen als im europäischen Vergleich - dafür trinken die Deutschen deutlich mehr. Grasko-Fotolia

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat das Gesundheitsverhalten der Deutschen erstmals auf europäischer Ebene vergleichend betrachtet. Dabei zeigt sich zunächst, dass die Spannweite der Prävalenzen zwischen den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten hoch ist und zum Teil über 50 Prozentpunkte beträgt.

Die Adipositasprävalenzen und die Rauchquoten liegen in Deutschland relativ nahe am EU-Durchschnitt. Problematisch sind in Deutschland jedoch der niedrige Obst- und Gemüsekonsum, sowie der hohe Anteil von Frauen und Männern, die mindestens monatlich sechs oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit trinken (Rauschtrinken).


Ergebnisse kompakt

Im EU-Durchschnitt haben 15,3 Prozent der Frauen und 15,6 Prozent der Männer (ab 15 Jahren) Adipositas. Die Prävalenzen liegen in Deutschland für die gleiche Altersgruppe mit 16,1 Prozent (Frauen) und 16,7 Prozent (Männer) leicht darüber. Es zeigen sich in der Prävalenz der Adipositas keine systematischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Die Spanne der Adipositas-Prävalenzen liegt EU-weit bei Frauen zwischen 9,4 Prozent und 23,2 Prozent, bei Männern zwischen 8,7 Prozent und 27,2 Prozent. Inwieweit diese Unterschiede auf kulturell unterschiedlichen Wahrnehmungen der eigenen Körpergröße und des eigenen Körpergewichts beruhen oder tatsächliche Unterschiede zwischen den Ländern widerspiegeln, lässt sich nicht beurteilen.

Generell ist bekannt, dass bei Selbstangaben das Körpergewicht im Vergleich zu gemessenen Werten häufig unterschätzt, die Körpergröße dagegen eher überschätzt wird und der berechnete BMI aus Selbstangaben somit niedriger liegt als aus Messwerten. Die Prävalenz der Adipositas steigt mit dem Alter an.

Quelle: JoHM 2/2017

Im EU-Durchschnitt verzehren 61,5 Prozent der Frauen und 49,4 Prozent der Männer mindestens täglich Obst. In Deutschland liegt bei Frauen (55,6 Prozent) und Männern (38,7 Prozent) der Anteil unter dem EU-Durchschnitt. Die Spannweite des täglichen Obstkonsums liegt EU-weit zwischen 31,8 Prozent und 74,5 Prozent bei Frauen und 25,7 Prozent und 67,3 Prozent bei Männern.

Deutschland liegt damit im EU-weiten Vergleich im hinteren Drittel. In Deutschland
wie im EU-Durchschnitt steigt der Anteil derjenigen, die mindestens täglich Obst verzehren, mit dem Alter an. Während die Anteile der Obstverzehrenden in den Altersgruppen bis 64 Jahre in Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegen, gibt es bei den Frauen im Alter ab 65 Jahren keinen Unterschied zwischen Deutschland und dem EU-Durchschnitt.

Bei den Männern zeigt sich eine vergleichbare Tendenz: Die Differenz zum EU Durchschnitt ist in der Altersgruppe ab 65 Jahren am niedrigsten. Die Ergebnisse des EU-Durchschnitts machen deutlich, dass insgesamt nicht entsprechend den Empfehlungen Obst verzehrt wird und im Vergleich dazu in Deutschland – insbesondere in den jüngeren Altersgruppen – der Konsum noch niedriger liegt und dringend gesteigert werden müsste.

Quelle: JoHM 2/2017

Im EU-Durchschnitt verzehren 55,7 Prozent der Frauen und 44,0 Prozent der Männer mindestens täglich Gemüse. In Deutschland liegt bei Frauen (42,5 Prozent) und Männern (25,3 Prozent) der Anteil deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Die Spannweite des täglichen Gemüsekonsums liegt EU-weit zwischen 31,4 Prozent und 81,6 Prozent bei Frauen und 25,3 Prozent und 75,1 Prozent bei Männern. Männer aus Deutschland bilden somit das europäische Schlusslicht im täglichen Gemüseverzehr. Frauen belegen den viertletzten Platz im EU-Vergleich.

Quelle: JoHM 2/2017

Im EU-Durchschnitt erreichen 26,2 Prozent der Frauen und 35,7 Prozent der Männer die WHO-Empfehlung, mindestens 150 Minuten mäßig anstrengende Ausdaueraktivität pro Woche auszuüben. In Deutschland liegt bei Frauen (45,5 Prozent) und Männern (51,2 Prozent) die Prävalenz über dem EU-Durchschnitt.

Die Spannweite der Einhaltung der Ausdaueraktivitätsempfehlung liegt EU-weit zwischen 3,7 Prozent und 56,7 Prozent bei Frauen und 14,0 Prozent und 54,8 Prozent bei Männern. Deutschland liegt damit im EU-weiten Vergleich im oberen Drittel.

In Deutschland wie im EU-Durchschnitt ist der Anteil derjenigen, die mindestens 150 Minuten pro Woche Ausdaueraktivitäten ausüben, in der jüngsten Altersgruppe (15 bis 24 Jahre) am höchsten und nimmt mit dem Alter ab. Jedoch nimmt der Anteil bei Männern in Deutschland im Alter 65 und mehr im Vergleich zu der Altersgruppe 45 bis 64 Jahre wieder leicht zu, was gegenläufig zum EU-Trend bei Männern ist. Bei den Frauen zeigt sich eine vergleichbare Tendenz: Die Differenz zum EU-Durchschnitt ist in der Altersgruppe ab 65 Jahren am höchsten.

Die Bundesrepublik unterhält traditionell einen bedeutenden öffentlich organisierten Vereinssportsektor, was ein Erklärungsansatz für die überdurchschnittliche Sportbeteiligung sein kann.

Quelle: JoHM 2/2017

Aktuelles Rauchen beinhaltet tägliches oder gelegentliches Rauchen. Im EU-Durchschnitt liegt die Prävalenz aktuellen Rauchens bei 19,5 Prozent bei Frauen und 28,7 Prozent bei Männern.

In Deutschland liegt bei Frauen (18,8 Prozent ) und Männern (24,8 Prozent) die Rauchquote unter dem EU-Durchschnitt. Die Spannweite des aktuellen Rauchens liegt EU-weit zwischen 12,3 Prozent und 27,2 Prozent bei Frauen und 17,4 Prozent und 43,3 Prozent bei Männern.

Deutschland liegt damit im EU-weiten Vergleich im unteren Drittel bei den Männern und im mittleren Drittel bei den Frauen. Hier wie im EU-Durchschnitt steigt der Anteil derjenigen, die aktuell rauchen, zunächst bis zur Altersgruppe 25 bis 34 Jahre an und nimmt dann mit zunehmendem Alter wieder ab.

Während die Anteile der männlichen Raucher in allen Altersgruppen in Deutschland
deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegen, gibt es bei den Raucherinnen in allen Altersgruppen keinen Unterschied zwischen Deutschland und dem EU-Durchschnitt, in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre liegt der Anteil der Raucherinnen in Deutschland sogar leicht darüber.

Quelle: JoHM 2/2017

Im EU-Durchschnitt liegt die Prävalenz monatlichen Rauschtrinkens bei 12,2 Prozent bei Frauen und 28,0 Prozent bei Männern. In Deutschland liegt bei Frauen (24,3 Prozent) und Männern (42,1 Prozent) der Anteil deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Die Spannweite des monatlichen Rauschtrinkens liegt EU-weit zwischen 1,7 Prozent und 28,1 Prozent bei Frauen und 9,0 Prozent und 52,9 Prozent bei Männern. Deutschland liegt damit im EU-weiten Vergleich bei Männern im oberen Drittel. Frauen in Deutschland haben nach Frauen in Dänemark den größten Anteil an Rauschtrinkerinnen.

Die höchsten Prävalenzen finden sich in der jüngsten Altersgruppe (15 bis 24 Jahre) bei Frauen und Männern. Während im EU-Durchschnitt der Anteil der Rauschtrinkerinnen mit dem Alter kontinuierlich sinkt, bleiben in Deutschland in allen Altersgruppen ab 25 Jahren die Prävalenzen mit mehr als einem Fünftel von Rauschtrinkerinnen hoch. Bei Männern sind die Prävalenzen in der gleichen Altersgruppe am höchsten und gehen kontinuierlich mit dem Alter zurück.

Im EU-Durchschnitt steigt der Anteil der männlichen Rauschtrinker bis zur Altersgruppe 25 bis 34 Jahre an und nimmt dann mit zunehmendem Alter wieder ab. Die Anteile bei Frauen liegen in den jüngeren Altersgruppen in Deutschland etwa doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt, bei den 65-jährigen und älteren Frauen sogar dreifach darüber.

Bei den Männern liegen die Anteile in den jüngeren Altersgruppen in Deutschland etwa 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt, bei den 65-jährigen und älteren Männern sogar doppelt so hoch.

Der Vergleich macht deutlich, dass in Deutschland Rauschtrinken in allen Altersgruppen vergleichsweise weit verbreitet ist, und der deutliche Rückgang mit dem Alter, wie er bei dem EU-Durchschnitt zu beobachten ist, in Deutschland nicht entsprechend ausgeprägt ist.

Quelle: JoHM 2/2017


Grundlage der Studie ist die Europäische Gesundheitsumfrage (European Health Interview Survey – EHIS), die alle fünf Jahre durchgeführt werden soll. Die erste Welle des EHIS wurde zwischen 2006 und 2009 durchgeführt und war für die Mitgliedsstaaten der EU nicht verpflichtend. Deutschland integrierte einen Teil des EHIS-Instruments in die Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2010) des RKI und lieferte Ergebnisse zu einigen Gesundheitsindikatoren an das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat).

Die GEDA-Studie mit ihren mehr als 20.000 Teilnehmern ist Teil des Gesundheitsmonitorings, mit dem das RKI kontinuierlich Daten zur Gesundheit der Bevölkerung erhebt und analysiert. In GEDA 2014/2015-EHIS war der europäische Fragebogen erstmals vollständig integriert, für den europäischen Vergleich wurden Personen ab 15 Jahren einbezogen.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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