Medizin

Hautkrebstest per App umstritten

Apps werden als Diagnosetools von Herstellern hoch gelobt und von Ärzten verteufelt. Für eine Ersteinschätzung melanomverdächtiger Pigmentmale sind sie laut einer Studie geeignet - ein Experte des Bundesverbands der deutschen Dermatologen (BVDD) widerspricht.

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Einige Unternehmen bieten bereits Smartphone-Apps an, mit denen Laien eine Art Hautkrebstest bei sich selbst durchführen können. Das funktioniert allerdings nur, wenn die App auch wirklich etwwas taugt. Genau das haben PD Dr. med. Tanja Maier von der Universitätsklinik in München und ihre Kollegen von der Arbeitsgruppe für nicht-invasive, bildgebende Diagnostik in der Dermatologie prospektiv untersucht. Sie testeten, ob eine neu entwickelte, auf einer fraktalen Analyse basierende Smartphone-App für einen Einsatz zur Eigenkontrolle präzise genug ist.

Erkennungsgenauigkeit liegt mehr als 80 Prozent

In der Untersuchung wurden dazu 195 melanomverdächtige Hautveränderungen per App, histologisch und jeweils von zwei Dermatologen untersucht, berichtet die Ärzte-Zeitung. Die Sensitivität und Spezifität der überprüften Smartphone-Applikation betrug demnach 73 beziehungsweise 83 Prozent im Vergleich zum Goldstandard, also der histologischen Untersuchung.

Für Dr. Herbert Kirchesch, den stellvertretenden BVDD-Vorsitzenden in Nordrhein, liegt der Knackpunkt in der hoch gepriesenen Erkennungsgenauigkeit. "Natürlich sind die Hersteller Stolz auf diesen Wert", sagt er, "die eigentliche Problematik ist aber der falsch negative Befund." Handelt es sich um ein untypisches Melanom, komme es möglicherweise zur vermeintlichen Entwarnung. Entscheide sich der beruhigte Patient daraufhin gegen einen Termin beim Dermatologen, werde das Problem verschleppt.

Experte fordert Warnhinweis für Nutzer

Die klinische Diagnose durch die Dermatologen schnitt in der Studie mit einer Sensitivität und Spezifität von 88 beziehungsweise 97 Prozent deutlich besser ab als die App. Aus Sicht der Studienautoren bestätigt dieses Ergebnis, dass die App eine ärztliche Diagnose nicht ersetzen könne, als erste Einschätzung, beispielsweise im Rahmen eines Screenings, jedoch durchaus eingesetzt werden könnte.

Nach Kircheschs Meinung sollte dann aber vollständige Transparenz gegenüber dem App-Nutzer herrschen. "Dann kann der Patient selbst entscheiden, ob ihm eine Erkennungsgenauigkeit von etwas mehr als 80 Prozent genügt." Für ihn ist klar, dass eine Diagnose auf Grundlage einer rein bildhaften Erfassung wichtige Diagnoseaspekte unberücksichtigt lässt. Zu einer sicheren Einschätzung komme ein erfahrener Dermatologe schließlich manchmal aus erst durch Ertasten oder Rückfragen an den Patienten.

Vermeintlicher Vorteil: Sensibilisierung von potenziell Betroffenen

Die Studienautoren sind sich hingegen sicher, dass solche Smartphone-Apps auf jeden Fall eines leisten können: sensibilisieren. Auch könne sich die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern, argumentieren Maier und Kollegen. Kirchesch widerspricht: "Das Thema Hautkrebs ist derart präsent in Presse und Fernsehen, dass kaum jemand gar keine Vorinformationen hat. Das müsste schon jemand sein, der keine Zeitung liest, kein Radio hört und kein Fernsehen guckt." Dass so jemand wiederum auf die App stoßen und sie bedienen könnte, bezweifelt er.

Das abschließende Fazit der Münchner Forscher ist laut Ärzte-Zeitung dann aber doch offener formuliert als das publizierte Ergebnis vermuten lässt: Für eine präzisere Beurteilung melanomverdächtiger Pigmentmale müssten die Systeme der Apps weiter verbessert und in weiteren klinischen Studien geprüft werden, heißt es.

Die Studie ist erschienen im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (JEADV).