Medizin

Ins Leben lotsen

In Dresden und Gütersloh gibt es sie schon: Schlaganfall-Lotsen. Sie helfen Patienten dabei, ihr Leben nach einem Schlaganfall umzustellen. Mehr Lotsen in weiteren Städten sollen folgen.

Nach einem Schlaganfall wünschen sich viele Menschen Orientierung und Unterstützung. Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Vertreter von zwölf Nachsorgeprojekten für Schlaganfallpatienten haben sich in Gütersloh erstmals getroffen und Konzepte zur Nachsorge diskutiert. Die Teilnehmer aus vielen Teilen Deutschlands folgten einer Einladung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Es gibt viele regionale Betreuungsmodelle für Schlaganfallpatienten - alle eint der Wunsch, die ambulante Nachsorge zu verbessern. Hierzu sollen Schlaganfall-Lotsen, ambulante Betreuer, fest im deutschen Gesundheitssystem verankert werden.

Lotsen bieten Unterstützung in der Krise

Jedes Jahr erleiden annähernd 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Zwei von drei Patienten sind danach für den Rest ihres Lebens körperlich und seelisch stark eingeschränkt: Von einer Sekunde auf die andere fallen sie in eine schwere Krise. Die Schlaganfall-Lotsen sollen die Patienten in dieser Zeit unterstützen. Die Betreuung dauert bis zu anderthalb Jahre.

Patienten müssen ihren Lebensstil komplett umstellen

Oft scheitern Schlaganfallpatienten bereits an den Hürden des komplizierten Gesundheitssystems: Die Patienten müssen begleitet und beraten werden, um einen zweiten Schlaganfall zu verhindern. Als Maßnahme muss dazu der Lebensstil komplett umgestellt werden.

In Dresden und Gütersloh arbeiten die ersten beiden Lotsen. Mit großem Erfolg, wie die ersten Nutzer des Modellprojekts berichten. In Hamburg und Ostwestfalen-Lippe sollen bald weitere Lotsen hinzukommen.

Vermitteln zwischen Patient und Arzt

Die Ergotherapeutin Anke Siebdrat ist Schlaganfall-Lotsin für den Kreis Gütersloh am St. Elisabeth-Hospital. Sie stimmt mit den behandelnden Ärzten, Therapeuten und Pflegern die Versorgung für jeden ihrer Patienten ab. Der erste Kontakt findet meistens schon am Bett in der "Stroke Unit" statt.

Hier werden oft auch schon erste wichtige Entscheidungen getroffen: So ist es für manche Patienten sinnvoll, nach der Akutversorgung im Krankenhaus direkt mit der stationären Rehabilitation zu beginnen. Pro Jahr betreut Siebdrat um die 40 Patienten - oft viele Monaten lang.

Dreijährige Testphase

Sie besucht ihre Patienten zu Hause und berät sie in allen Fragen, gibt organisatorische Tipps: Beispielsweise einen Antrag auf Behinderung oder Rente zu stellen. Aber auch alltägliche: Zum Beispiel, wie man für einen Schlaganfallpatienten richtig kocht. Dabei hat sie den Blutdruck und die Medikation ihrer Patienten immer im Blick.

Die Schlaganfall-Lotsin am St. Elisabeth-Hospital ist Teil eines dreijährigen Pilotprojekts, das von der Landesregierung NRW mit 800.000 Euro finanziert wird. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hofft, dass das Projekt fortgesetzt wird und auch andere Bundesländer teilnehmen.