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Marburger Bund warnt vor Übermacht der Kassen

Der Marburger Bund begrüßt die Ankündigung der Bundesregierung, die Qualität medizinischer Leistungen stärker in den Fokus der Patientenversorgung zu rücken - warnt aber zugleich vor einer Übermacht der Kassen.

Marburger Bund

Die Berücksichtigung von Qualitätsaspekten bei der Vergütung ärztlicher Leistungen hält der Marburger Bund (MB) nach jahrzehntelanger Betonung von Ökonomisierung, Liegezeitverkürzung und Arbeitsverdichtung für ein richtiges Signal. Zugleich warnt der größte deutsche Ärzteverband in einer Mitteilung davor, Maßnahmen der Qualitätssicherung zu missbrauchen, um damit Unterfinanzierung im Gesundheitswesen zu kaschieren oder Strukturbereinigung zu betreiben.

So zielten die jüngsten Forderungen von Krankenkassenverbänden vorrangig auf einen Abbau von Kapazitäten ab, ohne die Folgen eines solchen Kahlschlags für die Versorgung gerade älterer Menschen in ländlichen Regionen zu bedenken, heißt es.

Henke prangert Mangelfinanzierung der Länder an

„Die von den Krankenkassen propagierten finanziellen Anreize zur Qualitätssteuerung sind weit davon entfernt, ausreichend untersucht zu sein. Ehe wir uns auf ein derart unsicheres Terrain begeben, sollten  offenkundige Fehlentwicklungen wie die dramatisch niedrige Investitionsfinanzierung der Länder beseitigt werden“, sagte Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes.

Der Verband der angestellten und beamteten Ärzte wende sich vehement gegen Qualitätsverträge, bei denen die Krankenkassen festlegen, was Qualität ist. "Qualitätswettbewerb darf nicht über Preise und Rabatte stattfinden. Diese Gefahr besteht bei Selektivverträgen, wenn Kostenträger bei medizinischen Leistungen deren Qualität und Kosten gegeneinander abwägen müssen", heißt es. Und: "Selektivverträge sind daher kein geeignetes Instrument, um Erkenntnisse über die Behandlungsqualität zu gewinnen.“

Einführung eines Qualitäts-Institutes wird begrüßt

Die Tätigkeit von Ärztinnen und Ärzten sowie anderen medizinischen Berufsgruppen werde heute durch unsachliche Vergleiche und divergierende Darstellungen skandalisiert und stigmatisiert. Damit werde auch der Eindruck erweckt, die medizinische Versorgung in Deutschlands Kliniken sei nicht mehr sicher, mahnt der Marburger Bund.

Man begrüße daher die Absicht, derartigen Aktivitäten zukünftig die Grundlage zu entziehen und dafür ein fachlich unabhängiges Institut zu schaffen, das verlässliche Orientierungshilfen über die Qualität der Leistungen und Einrichtungen für Patienten und Ärztinnen und Ärzte entwickelt.