Umfrage

Meetings: Ausdruck der Unternehmenskultur

Unproduktive Meetings sind nicht nur nervig, sie sind auch Ausdruck mangelnder Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern und zeigen, wie das Unternehmen insgesamt aufgestellt ist, wie eine Studie beweist.

Und wieder drei Stunden in ergebnislosen _Besprechungen gehockt? Gerade Chefs vermitteln mit schlecht vorbereiteten Meetings den Eindruck, dass ihre Zeit, die sie bei der Vorbereitung einsparen konnten, wertvoller sei als die ihrer Mitarbeiter.

Ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer halten Besprechungen für zu lang und unproduktiv. Zufrieden mit der Meeting-Kultur ist nur jeder fünfte Arbeitnehmer. Obwohl den meisten Unternehmen durchaus bewusst ist, dass ihre Führungs- und Leistungskultur in diesem Punkt große Schwächen aufweist, steuern sie doch an den falschen Stellen gegen. Das sind Ergebnisse der Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert.

Dazu wurden Human-Ressources (HR)-Führungskräfte sowie 1.000 Arbeitnehmer befragt. "Wie unsere Befragung zeigt, wissen die Unternehmen sehr genau, dass viele Meetings weder gut vor- noch nachbereitet werden“, sagt Studienleiter Dr. Hans Schlipat.

Wertschätzung als ökonomischer Faktor

Eine fehlende Agenda ist dabei aber immer nicht nur Ausdruck einer nachlässigen Organisation, sondern gleichzeitig auch mangelnder Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern und Kollegen. "Gerade Vorgesetzte vermitteln mit schlecht vorbereiteten Meetings den Eindruck, dass ihre Zeit, die sie bei der Vorbereitung einsparen ‚mussten‘, wertvoller sei als die der anderen Teilnehmer“, so Schlipat.

Wie die Studie weiter zeigt, zahlt sich der respektvolle Umgang mit seinen Mitarbeitern und Kollegen wirtschaftlich aus. So zeichnen sich die ertragsstarken Unternehmen durch ein Klima der Wertschätzung aus, in dem die Belegschaft als Wertschöpfungspotenzial angesehen und aktiv weiterentwickelt wird. Bei den ertragsschwachen Firmen sind die Mitarbeiter hingegen ein reiner Kostenfaktor, den es im Sinne der Gewinnmaximierung zu instrumentalisieren gilt.

Respektvoller Umgang mit der Zeit der Mitarbeiter

Die Folgen einer solchen von Misstrauen und Missachtung geprägten Führungs- und Leistungskultur sind auch in anderen Bereichen des betrieblichen Alltags deutlich spürbar. So ist nur jeder vierte befragte Arbeitnehmer der Meinung, dass in seinem Unternehmen E-Mails meistens informativ sind, während eine genau so große Gruppe in der elektronischen Post größtenteils Alibi-Informationen vorfindet.

"Der respektvolle Umgang mit der Zeit seiner Mitmenschen ist ein sehr guter Indikator für das Thema Wertschätzung in einem Unternehmen“, sagt Schlipat. "Die meisten Firmen wissen zwar um den Missstand, arbeiten aber nur an den Symptomen statt an den Ursachen. Kurz gesagt: Ein schlecht geführtes Meeting wird nicht dadurch besser, dass frisches Obst auf dem Tisch steht!“