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So sprechen Sie mit Patienten!

Wie sprechen Sie mit Patienten, denen es schwerfällt, fachliche Informationen über ihre Krankheit zu verstehen? Bielefelder Forscher geben praktische Tipps im Umgang mit Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz.

So macht Kommunikation sogar Spaß. ikonoklast hh - Fotolia

Jeder zweite Deutsche hat Probleme, gesundheitsrelevante Informationen aufzunehmen oder sie in die eigenen Entscheidungen einfließen zu lassen, wie eine Studie der Universität Bielefeld im Auftrag des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz zeigt.


So sprechen Sie mit Patienten mit geringer Gesundheitskompetenz

Aktuelle  Erkenntnisse zur Gesundheitskompetenz in Deutschland zeigen, dass über die Hälfte der Bevölkerung Schwierigkeiten hat, Gesundheitsinformationen überhaupt zu verstehen, zu verarbeiten oder anzuwenden. Nur sieben von 100 Deutschen haben eine exzellente Gesundheitskompetenz, 38 eine ausreichende, 45 eine problematische und 10 eine inadäquate Gesundheitskompetenz.

  1. Nehmen Sie die Signale wahr: Hinweise auf eine eingeschränkte Lese- und Schreibfähigkeit liefern die Patienten häufig selbst: Aussagen wie „ich habe meine Brille vergessen“, „die Schrift ist so klein“ oder „ich lese das zu Hause“ können auf Schwierigkeiten im Bereich der Literalität hindeuten.
  2. Hören Sie gut zu: Im Gespräch geben die Patienten nicht nur den Stand ihres Vorwissens preis, sondern sie verraten auch viel über ihr Sprachniveau und den Umgang mit Informationen.
  3. Stellen Sie Fragen: Tatsächlich hat sich gezeigt, dass schon eine Frage belastbare Hinweise auf das Vorliegen einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz liefern kann.
  4. Werten Sie die Informationen aus - auch wenn die Zeit oft begrenzt ist.


  1. Bitte recht freundlich: Gerade Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz sind in der Patientenrolle möglicherweise verunsichert, haben Angst oder schämen sich. Begegnen Sie Ihnen daher freundlich und mit einer zugewandten, empathischen Grundhaltung. Halten Sie Augenkontakt während des Gesprächs, um Ihr Interesse zu signalisieren.
  2. Beziehen Sie das Vorwissen ein: Das erspart nicht nur unnötige Erläuterungen, sondern erleichtert gleichzeitig die Informationsverarbeitung des Patienten. Achten Sie darauf, dass in der Anfangsphase des Gesprächs seine Redezeit überwiegt, hören Sie zu, warten Sie ab. Zeigen Sie Interesse und fragen Sie aktiv nach.
  3. Verwenden Sie eine einfache Sprache: Nutzen Sie Alltagssprache und greifen die Begriffe auf, die der Patient selbst verwendet hat. Falls Sie doch Fachbegriffe benutzen, erklären Sie diese. Bilden Sie möglichst kurze Sätze und vermeiden Sie verschachtelte Gedankengänge.
  4. Häppchenweise: Teilen Sie die Informationen in überschaubare Pakete auf und überprüfen Sie zwischendurch mithilfe von "Lernkontrollen", ob der Patient die Informationen verstanden hat.
  5. Setzen Sie Medien ein: Durch den unterstützenden Einsatz visueller Medien können Sie die Erinnerungsleistung verbessern und die Informationsverarbeitung für den Patienten erleichtern.
  6. Aktivieren: Ermutigen Sie den Patienten, selbst Fragen zu stellen. Wiederholen Sie wichtige Aspekte und übersetzen Sie die Informationen in konkrete Handlungsanleitungen. Planen Sie gemeinsam mit ihm die nächsten Schritte so konkret wie möglich. Dadurch entsteht Verbindlichkeit.

  1. Schreiben Sie verständlich: Das heißt, formulieren Sie kurzen Sätze. Es gilt: ein Gedanke, ein Satz - kein Bürokratendeutsch.
  2. Präsentieren Sie die Infos nutzerfreundlich: also übersichtlich und gerne angereichert mit Bildern und Grafiken.
  3. Sichern Sie die Qualität der Inhalte, indem Sie die sachliche Richtigkeit und Aktualität der eingesetzten Informationen garantieren können.
  4. Nutzen Sie das Feedback Ihrer Patienten zur Optimierung der Informationen.
  5. Vermeiden Sie technische Barrieren: Bieten Sie die Informationen als Broschüre an und/oder stellen Sie sicher, dass die Informationen im Netz ohne technische Vorkenntnisse abzurufen sind.
  6. Kommunizieren Sie kultursensibel, das heißt, stellen Sie sicher, dass keine Normen und Werte anderer Kulturen verletzt werden.
  7. Setzen Sie die Informationen gezielt ein: Schriftliche Informationen sind umso wirksamer, je besser sie in den individuellen Kontext passen. Sie sollten deshalb in Verbindung mit den mündlich vermittelten Informationen gebracht und gemeinsam mit dem Patienten ausgewertet und besprochen werden.

Führungsstrukturen schaffen: Das Thema Gesundheitskompetenz sollten Sie auf der Leitungsebene unterstützen und in Vision und Leitbild der Praxis einbetten. Es müssen auch personelle Ressourcen geschaffen und Verantwortlichkeiten klar zugewiesen werden.

Berater qualifizieren: Um Patienten mit geringer Gesundheitskompetenz angemessen begegnen zu können, müssen Sie in der Lage sein, Informationen auf den individuellen Bedarf zuzuschneiden. Die hierfür erforderlichen Kompetenzen, Gesprächs- und Vermittlungstechniken sollten Bestandteil gezielter Schulungsmaßnahmen sein.

Vermittlungskultur prägen: Jedes Arzt-Patienten-Gespräch ist individuell. aber durch die Einführung von Kommunikationsstandards können Sie Leitplanken für eine nutzerfreundliche Patientenberatung setzen.

Infrastruktur aufbauen: Eine bedarfsgerechte Infrastruktur beginnt schon mit einer niederschwelligen telefonischen Erreichbarkeit ohne die Hürde, eine Nachricht hinterlassen oder sich zunächst per Tastendruck bis zur Beratung navigieren zu müssen. Achten Sie auf eine nutzerfreundliche Gestaltung des Eingangsbereichs, den Einsatz von Symbolik, Bildern und Navigationshilfen, die Verfügbarkeit von Gesundheitsinformationen bis auf die Gestaltung eines vertraulichen Rahmens im Beratungssetting. Da Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz häufiger Schwierigkeiten haben, Termine einzuhalten, kann auch die Terminvergabe eine Zugangshürde darstellen.

Netzwerke bilden: Der Aufbau effizienter Kooperationsstrukturen bilden einen wichtigen Baustein bei der Schaffung von Rahmenbedingungen für die Patientenberatung von Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz.

Beteiligung verwirklichen: Wichtig ist, die Patienten miteinzubeziehen und Rückmeldungen zur Qualität der Gespräche einzuholen.

Zugang verschaffen: Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz zählen häufig zu den schwer erreichbaren, vulnerablen Zielgruppen zählen. Das gilt zum Beispiel für Menschen mit Migrationshintergrund, einem geringen sozioökonomischen Status oder alte Menschen. Obwohl sie, objektiv betrachtet, den größten Unterstützungsbedarf aufweisen, nehmen sie diese Leistungen seltener in Anspruch. Es geht folglich nicht nur um die eigentliche Informationsvermittlung, sondern um die Frage, wie diese Zielgruppen überhaupt erreicht werden können.


Die vorliegende Methodensammlung ist daher grundsätzlich eine Hilfe für das Patientengespräch - mit vielen Tipps, wie Sie es schaffen, dass beim Patienten die relevanten Inhalte und Botschaften auch ankommen.

Die Methodensammlung wurde erstellt von Wissenschaftlern der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft, der Universität Bielefeld und durch das Bundesjustizministerium gefördert. Sie enthält neben Übersichten und weiterführenden Quellen zahlreiche Textanalysen, Leitfäden und Anleitungen.

Sebastian Schmidt-Kaehler, Dominique Vogt, Eva-Maria Berens, Annett Horn, Doris Schaeffer: Gesundheitskompetenz - verständlich informieren und beraten, Material- und Methodensammlung zur Verbraucher- und Patientenberatung für Zielgruppen mit geringer Gesundheitskompetenz.



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