Verbrauchervotum zur Nährwertkennzeichnung liegt vor

Der Nutri-Score kommt - auf freiwilliger Basis

Verbraucher haben sich klar für das Ampelmodell bei der Lebensmittelkennzeichnung ausgesprochen: Gestern gab Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bekannt, dass der Nutri-Score eingeführt werden soll - als freiwillige Maßnahme für die Industrie.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner schwenkt um: Nachdem sie lange Zeit das MRI-Modell favorisiert hatte, empfiehlt nun sie auf Basis einer großen Verbraucherumfrage ie Einführung des Nutri-Score. Adobe Stock_amine1976

Über Monate hinweg war eine kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit darüber gelaufen, welches Modell der Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln in Deutschland eingeführt werden soll. Seit gestern besteht nun Klarheit: Klöckner gab bekannt, dass sie das Ampelmodell des Nutri-Score auf den Weg bringen will - als freiwillige Maßnahme für die Industrie.

Vorausgegangen war eine umfassende, wissenschaftlich fundierte und repräsentative Verbraucherbefragung, die das Ministerium bei der INFO GmbH in Augsburg in Auftrag gegeben hatte. Demnach sprachen sich die Verbraucher mehrheitlich für den Nutri-Score aus. Ein entsprechender Verordnungsentwurf soll nun zeitnah vom Ministerium vorgelegt werden, kündigte Klöckner an.

Zum Studiendesign:

Die INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung hat im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Studie zum Thema „Evaluation von erweiterten Nährwertkennzeichnungs-Modellen“ durchgeführt. Ziel war es, eine fundierte Datengrundlage für die Evaluation von erweiterten Nährwertkennzeichnungs-Modellen zu erarbeiten, insbesondere um die EU-rechtlichen Vorgaben an eine erweiterte Nährwertkennzeichnung zu erfüllen.

In der Studie wurden der Nutri-Score, das Modell des Lebensmittelverbandes Deutschland e.V. (vormals Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.; BLL), das Modell des Max Rubner-Instituts (MRI) und das Keyhole-Modell vergleichend untersucht und bewertet. Die drei zentralen Untersuchungskriterien hierbei waren: die Wahrnehmung der Modelle, die Verständlichkeit, das heißt, ob ein bestehendes System auch objektiv verständlich ist, sowie das Verständnis der Verbraucher und damit die Frage, ob die Verbraucher das vorliegende Modell zutreffend interpretieren.

Im Rahmen der Studie wurden im ersten Schritt im Zeitraum Juli bis August 2019 insgesamt zehn Fokusgruppendiskussionen durchgeführt, in denen es vor allem um die Anforderungen der Verbraucher an ein solches erweitertes Nährwertkennzeichnungs-Modell und die Detailbewertung der verschiedenen Modelle ging. Auf dieser Grundlage wurde der Fragenkatalog für den zweiten Schritt, der sich anschließenden Repräsentativbefragung, erarbeitet. Diese wurde mit insgesamt 1.604 Interviews durchgeführt.

 

Mit dem Nutri-Score soll es nun eine Kennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmitteln geben, die viele der Anforderungen erfüllt, die die Verbraucher an ein zusätzliches Nährwertkennzeichen stellen: Er ist auf den ersten Blick erfassbar, leicht zu verstehen und nutzt die eingängige Farbwelt einer Ampel. Der Nutri-Score lässt dabei zwar keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Nährwerte zu. Verbraucher erwarten vor allem aber eine zusammenfassende Bewertung, die schnelle Orientierung gibt. Weitere Informationen sollen sie weiterhin der Nährwerttabelle sowie der Zutatenliste entnehmen.

Die Kernergebnisse der Befragung

Auf die Frage, welches dieser Modelle in Deutschland eingeführt werden sollte, entschieden sich:

  • 57 Prozent für den Nutri-Score, der unter anderem auch in Belgien und Frankreich empfohlen wird.
  • 28 Prozent für das MRI-Modell, das ursprünglich von Klöckner favorisiert wurde.
  • 7 Prozent für das Keyhole- Modell, dass unter anderem in Skandinavien verbreitet ist.
  • 5 Prozent für das BLL-Modell, das vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde entwickelt wurde.

Testaufgaben zeigen, dass der Nutri-Score unter den vier untersuchten Modellen am besten verstanden wird:

  • Nutri-Score: 70 Prozent der Befragten konnten Testaufgaben zur Einordnung eines Lebensmittels vollständig richtig lösen.
  • MRI-Modell: 60 Prozent.
  • Keyhole: 35 Prozent.
  • BLL-Modell: 21 Prozent.

Die höchsten Empfehlungswerte erreicht Nutri-Score in zwei besonders relevanten Verbrauchergruppen:

  • bei Personen, die sich selten oder gar nicht mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln beschäftigen (67 Prozent),
  • bei Personen mit Adipositas und einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 (64 Prozent).

Fachgesellschaften, Verbände und auch die SPD hatten sich schon lange für den Nutri-Score stark gemacht, ebenso foodwatch.

In Deutschland – wie in der gesamten EU – besteht seit Ende 2016 für vorverpackte Lebensmittel eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung. Der Koalitionsvertrag sieht eine Weiterentwicklung der Nährwertkennzeichnung und ein Verfahren hierfür vor. Die Durchführung der Verbraucherbefragung und deren Ergebnisse sind europarechtlich zwingend vorgeschrieben, um ein Modell einzuführen. Ein einheitliches europaweites System der Nährwertkennzeichnung ist aber bisher nicht absehbar.

Der Nutri-Score

Beim Nutri-Score zeigt eine fünfstufige Skala von A bis E den Gesamtscore für den Nährwert eines Produkts. Dazu werden Kalorienanzahl sowie ernährungsphysiologisch günstige und ungünstige Nährstoffe miteinander verrechnet. Farben (Grün bis Rot) helfen bei der Orientierung. Verschiedene Lebensmittel der gleichen Kategorie sind so gut vergleichbar. Innerhalb einer Produktgruppe trägt beispielsweise ein Produkt mit grünem A eher zu einer gesunden Ernährung bei als ein Produkt mit rotem E.

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