Umfrage des Deutschen Psychotherapeuten-Netzwerks (DPNW)

Neun von zehn Patienten lehnen die elektronische Patientenakte ab

pr/pm
Zwei Drittel der Psychotherapie-Patienten fühlen sich über die Auswirkungen der elektronischen Patientenakte (ePA) nicht informiert. Und 90 Prozent lehnen die zentrale Speicherung von Patientendaten ab.

Eine repräsentative Umfrage des DPNW, die vom Bonner Hochschuldozenten Dr. Uwe Kleinemas ausgewertet wurde kommt zu folgenden Ergebnissen: 44,4 Prozent der Befragten fühlen sich „gar nicht“ über die ePA informiert und rund 27,6 Prozent wissen nach eigenen Angaben „nur etwas“ hierüber. „Mittelmäßig informiert“ fühlten sich 15,6 Prozent der Befragten, während 8,7 Prozent sich „gut“ und 3,8 Prozent „sehr gut“ informiert fühlten. Damit sind fast zwei Drittel der Patienten nicht im Bilde über die Auswirkungen der Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur ePA, fasst das DPNW zusammen.

Fast 90 Prozent der Befragten (89,2 Prozent) bewerten den Datenschutz höher als die Ersparnis von Papier. Deshalb lehnt auch die deutliche Mehrheit (86,2 Prozent) die Speicherung von Patientendaten auf zentralen Servern ab. 61,2 Prozent der Befragten befürworten lautMitteilungdie Speicherung der ePA nur auf einem Chip.

88 Prozent der Patienten lehnen Verwendung der ePA ab

Ein deutliches Unbehagen zeigten die befragten Patienten beim Einsatz der ePA in der Praxis. 88,2 Prozent der Teilnehmer sprachen sich gegen die Verwendung der elektronischen Patientenakte aus, wenn sich die betroffenen Personen aktuell in einer Psychotherapie befinden oder potenziell in naher Zukunft eine starten. Lediglich 11,8 Prozent stimmten dafür.

Darüber hinaus lehnten Teilnehmer die Nutzung der ePA in weiteren Bereichen ab, die für sie stigmatisierend beziehungsweise diskriminierend wirken könnten. In den diesbezüglichen Freitextfeldern fanden sich beispielsweise die Themen: Schwangerschaftsabbrüche, Kinderwunschbehandlungen, Infektionserkrankungen, insbesondere HIV, genetisch bedingte Erkrankungen/Defekte, Suchterkrankungen, Geschlechtskrankheiten, chronische Erkrankungen und Angaben zur sexuellen Orientierung.

DPNW-Vorsitzender: Spahn sollte das bereits existierende "KV safenet" nutzen

Angesichts der laut Umfrage erschreckenden Unwissenheit von Patienten fordert das DPNW, dass der deutsche Gesetzgeber die Bürger umfassend über die elektronische Patientenakte aufklären muss. Der Netzwerk-Vorsitzende Dieter Adler meint dazu: „Es kann nicht sein, dass Jens Spahn durch die Hintertür Fakten schafft ohne alle Risiken und Nebenwirkungen zu zeigen. Das fliegt ihm später wieder um die Ohren! Wenn Patienten feststellen, dass der Betriebsarzt Zugriff auf die eigenen sensiblen Gesundheitsdaten haben kann, wird der Aufschrei groß sein!“

Die Umfrage zeige zudem, so Dieter Adler weiter, dass die dezentrale Speicherung auf einem Medium in Patientenhand klar bevorzugt werde. Adler rät: „Nutzen Sie das bereits existierende "KV safenet" der Krankenversicherungen zur Kommunikation unter den Ärzten. Hier werden keine Daten zentral gespeichert und das System hat sich bewährt.“

"KV-SafeNet" wird von Landesdatenschützern empfohlen

Über einen KV-SafeNet-Anschluss können Ärzte direkt ins Sichere Netz der KVen (SNK) für Ärzte und Psychotherapeuten gelangen. Das Angebot versteht sich als Rundum-sorglos-Paket für die sichere Online-Verbindung ist bundesweit verfügbar. Über KV-SafeNet wird ein geschützter, vom Internet getrennter „Tunnel“ aufgebaut, der eine datenschutzgerechte Anbindung aller Rechner der Praxis ermöglicht. Das soll höchste Sicherheit für die Nutzung der Online-Angebote garantieren. KV-SafeNet wird von Landesdatenschützern zur Kommunikation von Sozialdaten empfohlen.

Quelle: KBV

Befragt wurden 3.453 Patienten von Juli 2019 bis Februar 2020. An der Befragung nahmen zwei Drittel Frauen (67,7 Prozent) und ein Drittel Männer (32,3 Prozent) teil. Hinsichtlich der Altersgruppen der Stichprobe zeigt sich eine annähernde Normalverteilung, wobei Personen zwischen 40 und 60 Jahren mehr als die Hälfte der Befragten ausmachen (40-50-Jährige: 20,7 Prozent, 50-60-Jährige: 32,4 Prozent).

Die meisten befragten Patienten verfügen über eine gute Ausstattung mit elektronischen Geräten und nutzen diese im Alltag. 27,8 Prozent nutzen ein Smartphone, Tablet und PC/Laptop. 26,5 Prozent besitzen kein Tablet, aber alle anderen digitalen Geräte. Demgegenüber nutzt eine Minderheit von 16,7 Prozent keine elektronischen Hilfsmittel.

Das „Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk - Kollegennetzwerk Psychotherapie“ (DPNW) wurde im Mai 2019 in Bonn gegründet. Es hat rund 1.400 Mitglieder. Damit ist der DPNW drittgrößter Berufsverband im Bereich Psychotherapie.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.