Mecklenburg-Vorpommern

Zahngesundheit von Kindern wird ins Gesetz aufgenommen

Die regelmäßige Zahnpflege wird ab 1. Januar 2019 als wichtiges Ziel der frühkindlichen Bildung in Mecklenburg-Vorpommern verankert. Dazu hat die Landesregierung gestern einen Gesetzesentwurf in den Landtag eingebracht.

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Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern hat beschlossen, das Kindertagesförderungsgesetz (KiföG) neu zu regeln und darin die regelmäßige Zahnpflege als wichtiges gesundheitliches Ziel der frühkindlichen Bildung und Erziehung zu verankern.

Sozialministerin Stefanie Drese, SPD, hatte dazu in Schwerin betont: "Die Entwicklung des Gesundheitsbewusstseins als wesentlicher Bestandteil der frühkindlichen Bildung ist in dem Gesetzentwurf durch ausdrückliche Aufnahme der regelmäßigen Zahnpflege bei den Zielen und Inhalten der individuellen Förderung konkretisiert worden."

Drese: "Einige Kinder lernen zu Hause leider nicht, regelmäßig Zähne zu putzen!"

"Einige Kinder lernen zu Hause leider nicht, regelmäßig Zähne zu putzen. Wir können das mangelnde Verantwortungsbewusstsein einiger Eltern beklagen und nichts tun. Oder wir können zumindest in der Kita etwas dafür tun, die Kinder aufzuklären. Das ist für mich ein wichtiger Beitrag zur gesundheitlichen Chancengerechtigkeit", sagte Drese gestern im Landtag.

Anlässlich einer öffentlichen Anhörung des Sozialausschusses zum Thema "Zähne putzen in Kitas?!" hatte Drese zuvor betont, dass der KiTa - neben der Familie - in der Gesundheitserziehung eine besondere Bedeutung zukomme. Erzieher könnten ihrer Ansicht nach bei Kindern gesundheitsbewusste Haltungen wecken, mit ihnen das richtige Zähneputzen einüben und ihnen Angst vor dem Zahnarzt nehmen.

Drese: "Mit der Aufnahme einer regelmäßigen Zahnpflege in das KiföG wird der Stellenwert für die Mundhygiene der Kinder im Rahmen der Ziele und Inhalte der frühkindlichen Bildung ausdrücklich hervorgehoben.

Die Landesregierung greift damit eine Anregung der Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege in Mecklenburg-Vorpommern e. V. auf." Das Thema ist im Bundesland schon seit längerer Zeit auf der Agenda, berichtete Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber den zm.

Die Kammer hatte sich zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege (LAJMV) für ein solches Gesetz stark gemacht und ihre Argumente in der Anhörung vertreten. In ihrer Stellungnahme zur Anhörung hatte die Kammer die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen bei der Förderung der Zahngesundheit herausgestellt.

Oesterreich: "Es geht um das Erlernen regelmäßigen Zähneputzens und dessen Ritualisierung!"

Oesterreich: "Dies ist Bestandteil des Bildungs-und Erziehungsplans, der unter anderem die individuelle Anleitung zur gesunden Lebensführung beinhaltet. Diese Anleitung zielt auf ein gesundes Aufwachsen der Kinder ab und hat die Entwicklung des Gesundheitsbewusstseins, insbesondere in Bezug auf hygienisches Verhalten, gesunde Ernährung und Bewegung zum Ziel (Kindertagesförderungsgesetz MV). Unserer Auffassung nach gehört die Anleitung zu regelmäßiger Mundpflege unbedingt dazu. Es geht um das Erlernen regelmäßigen Zähneputzens und dessen Ritualisierung. Deswegen ist die gesetzliche Verankerung der Mundhygiene von zentraler Bedeutung."

Vorlagen aus anderen Bundesländern

In Rheinland-Pfalz und in Hamburg gibt es bereits gute Vorlagen für eine gesetzliche Regelung. In Rheinland-Pfalz wurde das Zähneputzen fest in den Alltag der rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten integriert und im pädagogischen Konzept der Kitas verankert (Vereinbarung zur Umsetzung der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe in den Kindertagesstätten - kurz Trägervereinbarung). In Hamburg wurde ebenfalls ein Landesrahmenvertrag geschlossen, in dem wie folgt formuliert wurde: "Dem Kind wird ein Grundwissen über seinen Körper vermittelt und eine Anleitung zur Körperpflege gegeben. Nach den Mahlzeiten werden die Kinder zur ausreichenden Zahnpflege angehalten."

Aus Sicht von Kammer und LAJ wäre eine solche Formulierung auch für Mecklenburg-Vorpommern wünschenswert.

Eine klare Empfehlung der Kammer lautete: Schulen und Kindertageseinrichtungen sollten sich aktiv hinsichtlich der Umsetzung der Kindergesundheitsziele einbringen. So sollte es für beide Bereiche verbindlich geregelt sein, dass das regelmäßige Zähneputzen ein fester Bestandteil der Gesundheitsförderung ist.

Die entsprechenden baulichen (sanitären) Voraussetzungen sollten dafür geschaffen werden. Gleichzeitig sollte dies bei Kindertageseinrichtungen im Betreuungsvertrag zwischen Einrichtung und Eltern entsprechend geregelt sein, so dass keine gesonderte Einverständniserklärung der Eltern mehr erforderlich ist.

Angesichts der aktuellen Situation zur Mundgesundheit von Kindern in Mecklenburg-Vorpommern sieht die Kammer dringenden Handlungsbedarf. Bei den 3- und 6-Jährigen sei das WHO-Ziel, bis zu 2020 bei mindestens 80 Prozent der 6-Jährigen ein kariesfreies Gebiss zu erreichen, sehr ambitioniert. Sollte der Kariesrückgang im Milchgebiss so abgeschwächt verlaufen wie bisher, werde sich dieses Ziel nur mit großen Anstrengungen erzielen lassen.

Empfehlungen an die Landespolitik

  • Zahnpflege muss mit dem ersten Zahn beginnen
  • Anleitung und Motivation zum täglichen Zähneputzen in den Kindertageseinrichtungen und Schulen sollte in Mecklenburg-Vorpommern im KiföG und/oder entsprechenden Trägervereinbarungen unmissverständlich verpflichtend verankert sein
  • Gewährleistung der baulichen und hygienischen Rahmenbedingungen in den Kitas (zum Beispiel ausreichende Anzahl von Waschbecken)
  • Verwendung fluoridhaltiger Zahnpaste
  • In Schulen 14-tägiger Einsatz von Fluoridgelees · Fluoridgehalt in Zahnpasten sollte sich in Deutschland europäischen Ländern angleichen (Kinderzahnpaste Deutschland = 500 ppm, Frankreich 1.000 ppm)
  • Sicherstellung einer ausreichenden, personellen Ausstattung des ÖGD mit Zahnärzten und Prophylaxehelferinnen

Quelle: Stellungnahme der LAJM

Konkret fordert die Kammer dazu unter anderem Maßnahmen wie: Mundgesundheitsförderung in die Aus- und Fortbildung der Erzieherinnen und Hebammen zu integrieren, die Zusammenarbeit von KiTas und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst in der Gruppenprophylaxe zu intensivieren, um soziale Unterschiede zu reduzieren, Netzwerken von Kinderärzten und Zahnärzten zu fördern und Mundgesundheitsberatung in der Schwangerenvorsorge und bei Familienhebammen verpflichtend zu integrieren.

Entwicklung der Zahngesundheit in Zahlen

12-Jährige

Die aktuelle Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (DAJ) aus dem Jahr 2016 ergab für die untersuchten 12-Jährigen einen DMFT-Wert von 0,44 in Deutschland und von 0,46 in Mecklenburg-Vorpommern. Damit liegt M-V sehr nahe am Bundesdurchschnitt.

Diese Werte sind die besten, die jemals in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern erreicht wurden. Sie zeigen mit einem Kariesrückgang von 88 Prozent in 25 Jahren die hervorragenden Präventionserfolge im bleibenden Gebiss der Kinder. In Mecklenburg-Vorpommern reduzierte sich in den letzten sieben Jahren damit der mittlere DMFT sogar von 0,98 (2009) bis 2016 auf die Hälfte. 76 Prozent der 12-Jährigen haben naturgesunde Gebisse, 19 Prozent sind vollständig saniert und 5,2 Prozent behandlungsbedürftig.

6- bis 7-Jährige

Bei den Schulanfängern, in deren Mündern sich noch hauptsächlich Milchzähne befin­den, beträgt der dmft-Wert 2,23 (Vgl. 1,7 für Deutschland), bei lediglich 42,6 Prozent der Kinder fanden sich naturgesunde Gebisse. Hier zeigt sich gegenüber den im Jahr 2009 erhobenen Werten eine Stagnation.

Somit besitzen in Mecklenburg-Vorpommern die 6- bis 7-Jährigen nach wie vor eine hohe Karieslast. Nur 21 Prozent der Kinder sind saniert, dagegen 37 Prozent behandlungsbedürftig.

3-Jährige

Bei den 3-Jährigen, die erstmalig in die DAJ-Untersuchung einbezogen wurden, wurde ein mittlerer dmf/t-Wert von 0,51 erhoben. 85,5 Prozent der Kinder haben ein naturgesundes Gebiss, bezieht man jedoch die ersten Anzeichen einer Karies, die sogenannten Initialläsionen mit ein, reduziert sich dieser Wert auf 80 Prozent. 12 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe sind behandlungsbedürftig, 80 Prozent der kariösen Milchzähne sind nicht saniert.

Es muss darauf hingewiesen werden, dass in dieser Altersgruppe auf Grund einer sehr eingeschränkten Kooperationsfähigkeit bei der zahnärztlichen Behandlung die Sanierung oft nur in einer Vollnarkose durchgeführt werden kann. Der sozioökonomische Status korreliert mit der Karieshäufigkeit. In Familien mit schwierigem, sozialen Umfeld beginnt die Problematik oftmals mit der Bereitstellung von Zahnbürsten und Zahnpaste durch die Eltern. Vor diesem Hintergrund hatte die LAJ Mecklenburg-Vorpommern vor etwa drei Jahren das Programm Kita mit Biss aufgesetzt, mit dem Kindertageseinrichtungen durch die Bereitstellung von Zahnbürsten und Zahnpaste für die Projektdauer von zwei Jahren unterstützt werden.

Aus der Studie der DAJ lässt sich eine Polarisation der Karies erkennen. Davon ausgehend, dass bei den 3-Jährigen in Mecklenburg-Vorpommern 85,5 Prozent naturgesunde Milchzähne hatten, vereinten 14,5 Prozent der Kinder die Karieslast auf sich. Betrachtet man diese Gruppe allein, so steigt der dmft für die Kinder mit einem dmft > 0 von 0,51 auf 3,5. Das heißt, bei Kindern im Alter von drei Jahren mit Karieserfahrung sind im Milchzahngebiss 3,5 Zähne im Durchschnitt kariös. Von ungefähr 1.000 Kindertageseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern werden in 96 nicht die Zähne geputzt, führt die LAJ an.

Dies entspricht einer Quote von etwa 10 Prozent beziehungsweise jedem 10. Kind, bei dem keine Zähne in der Einrichtung geputzt werden. Die Ursachen sind oftmals in der Ausrichtung der Träger, den individuellen Entscheidungen der Leiterinnen einer Kindertageseinrichtung oder der Belastung der Erzieherinnen zu finden.

Es wird deutlich, dass die Träger der Kindertageseinrichtungen eben nicht aus dem KiföG MV eine Verpflichtung zur Mundhygiene ableiten, wie seitens der Regierungsparteien in Mecklenburg-Vorpommern unterstellt, führt die LAJ dazu an.

Quelle: Stellungnahmen der Kammer und der LAJMV zur Anhörung

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