Klassisches Indiz sind typische Verletzungen im Mundraum

Zahnärzte erkennen häusliche Gewalt zuerst

US-Wissenschaftlern zufolge verursachen 75 Prozent der durch häusliche Gewalt entstandenen Kopf- und Halstraumata auch orale Verletzungen.

Indizien für häusliche Gewalt sind den Autoren zufolge Zahnrisse, Brüche und Absplitterungen sowie Verletzungen im Mundraum, die sich mit der Krankengeschichte des jeweiligen Patienten nicht vereinbaren lassen. Adobe Stock/Africa Studio

Damit kommt dem Zahnarzt möglicherweise eine entscheidende Rolle zur Detektion intrakranieller Verletzungen sowie dem Erkennen häuslicher Gewalt zu.

“The overall purpose of the paper is to bring dentistry and its subspecialties into the conversation about traumatic brain injury (TBI), specifically in cases of domestic violence,” so Timothy Ellis, Hauptautor des Papers und Zahnmedizinstudent der Midwestern University. “In our society, and others around the world, domestic violence is more common than many would suspect. [..] Thus, oral and facial trauma may be treated or identified by dentists and dental sub-specialists, opening another avenue for patients to gain access to proper care or needed assistance.”

"Ziel unserer Studie ist, Zahnärzte und andere Berufsgruppen, die sich mit der Mundgesundheit, für den Nachweis von häuslicher Gewalt zu sensibilisieren", sagt Timothy Ellis, sagte Timothy Ellis, Zahnmedizinstudent an der Midwestern University und Hauptautor der Studie, die am Medizin-Kolleg der University of Arizona und der Midwestern University in Phoenix erstellt wurde.

Laut Ellis und Jonathan Lifshitz, PhD, Direktor des Medizin-Kollegs, haben 41,5 Millionen US-Amerikaner schon einmal in ihrem Leben häusliche Gewalt erlebt, davon erlitten 20,75 Millionen ein Gehirntraumata. Von ihnen tragen 8,3 Millionen bleibende Schäden davon.

Zahnärzte könnten als Frühwarnsystem fungieren

Lifshitz zufolge könnten Zahnärzte als eine Art Frühwarnsystem fungieren. Indizien für häusliche Gewalt seien Zahnrisse, Brüche und Absplitterungen sowie Verletzungen im Mundraum, die sich mit der Krankengeschichte des jeweiligen Patienten nicht vereinbaren lassen. Zahnärzte seien bezüglich dieser Thematik jedoch nicht ausreichend geschult und wissen häufig nicht, wie sie bei einem Verdacht adäquat reagieren können, so die Autoren. Sie fordern deshalb eine Sensibilisierung und Integration dieses Themenbereichs bereits im Rahmen des Studiums. 

Schätzungen zufolge werden jede vierte Frau und jeder siebte Mann in den USA im Laufe des Lebens Opfer häuslicher Gewalt. Anhand typischer dentoalveolärer Auffälligkeiten sei es möglich Opfer leichter zu identifizieren, so die Autoren. Zu den klassischen, mit traumatischen Gehirnverletzungen im Rahmen häuslicher Gewalt assoziierten Verletzungen gehören demnach neben Frakturen des zygomaticoorbitalen Komplexes auch Nasenbeinfrakturen, Frakturen der Maxilla, Mandibula oder des dentoalveolären Bereichs. Für den Zahnarzt sichtbare Verletzungen sind vor allem Zahnfrakturen- oder Luxationen. Etwas subtilere Hinweise auf ein Trauma können zum Beispiel auch Pulpanekrosen und damit einhergehende Zahnverfärbungen, unerklärbare Malokklusion oder Weichgewebsverletzungen geben.

Ellis TW, Brownstein S, Beitchman K, Lifshitz J (2019) Restoring More than Smiles in Broken Homes: Dental and Oral Biomarkers of Brain Injury in Domestic Violence, Journal of Aggression, Maltreatment & Trauma, DOI: 10.1080/10926771.2019.1595803

Infomaterialien zum Download

Weitere Informationen zur zahnärztlichen Dokumentation bei interpersoneller Gewalt für den behandelnden Zahnarzt stellt die Bundeszahnärztekammer zur Verfügung.

Häusliche Gewalt - Zahnarztinformationen

Häusliche Gewalt - Dokumentationsbogen

Häusliche Gewalt - DENT-DOC-CARD

Häusliche Gewalt - Ablaufdiagramm für die Zahnarztpraxis

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