Staub des World Trade Centers

9/11: Studie belegt Schadstoffe in Milchzähnen

Die Milchzähne von Frauen und Männern, die 9/11 als Babys erlebt haben, stehen im Mittelpunkt einer Pilotstudie von Wissenschaftlern am New Yorker Sinai-Krankenhaus. Die Forscher untersuchen, ob die beim Zusammenbruch der World Trade Center-Türme in die Luft gelangten Schadstoffe langfristig gesundheitliche Folgen für die jetzt jungen Erwachsenen haben.

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"Wir wussten nicht, was wir finden würden, aber die Elemente Blei und Zinn tauchen als ein starkes Signal in den Daten auf", berichtet Studienleiter Dr. Roberto Lucchini, Professor für Präventivmedizin am Mount Sinai's Icahn School of Medicine "Das zeigt: Wir müssen die Forschung erweitern, um mehr Babyzähne einzuschließen, damit wir stabile wissenschaftliche Schlussfolgerungen treffen können."

Zinn-, Bleispuren und Neurotoxine: alles Schadstoffe aus der Staubwolke

Die Pilotstudie nahm Chargen von vier Personen, darunter ein Kind, das erst im Frühjahr 2012 geboren wurde, sagt Lucchini. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge weist etwa die Hälfte der getesteten Babyzähne aus den vier kleinen Chargen Spuren von Zinn und Blei sowie Neurotoxinen auf - alles Schadstoffe, die in der Staubwolke der eingestürzten Türme gefunden wurden.

Neurotoxine sind zerstörerische Verbindungen, die das gesamte Nervensystem beeinflussen können - einschließlich Gehirn und Rückenmark - und alles von Angst bis hin zu Fettleibigkeit regulieren. "Natürlich wissen wir, dass das Einatmen von Staubpartikeln Krebs-, Atem- und Herz-Kreislauf-Probleme verursachen kann, bis hin zu systemischen Reaktionen im ganzen Körper", sagt Lucchini.

Zwei der in der Studie getesteten Zähne zeigten in ihrer chemischen Zusammensetzung "sehr ungewöhnliche Muster", sagt Dr. Arora, Professor für Zahnmedizin und Umweltmedizin an der Icahn-School. "Wir haben solche Zinnablagerungen schon in den Zähnen von 50- und 60-jährigen Erwachsenen gefunden, aber bei Kindern noch nie", sagt er. "Wir haben auch wiederholt Bleiablagerungen in den Zähnen eines zweiten Kindes atttestiert, was bedeutet, dass wir zusammen mit der Familie herausfinden müssen, ob es andere Faktoren gibt, die hier eine Rolle spielen."

Arora, der die Folgen chemischer Belastungen in der frühen Kindheit auf lebenslange Gesundheit untersucht, hat davor Hunderte von Babyzähnen in Industriestädten in Italien und in Hochverkehrsgebieten von Mexiko-Stadt untersucht, aber solche Ergebnisse wie bei den Babyzähnen der 9/11-Ära-Kinder sieht er nach eigener Aussage zum ersten Mal. "Die Werte sind ganz anders als alles, was wir bisher vorgefunden haben", sagt er. "Diese Exposition, denen diese Kinder zu der Zeit ausgesetzt waren, war wirklich sehr massiv. Es ist sehr wichtig für uns, die Risiken zu verstehen, damit wir den Betroffenen Informationen und Empfehlungen geben können. "

Getestet wurden die Zähne mit einem Laser, der chemische Belastungen mikroskopischer Zahngewebsteile nachweisen kann. Ähnlich wie bei der Zuordnung der Wachstumsringe eines Baums enthüllt auch beim Zahn jede Schicht ein Universum an Informationen, sagt Lucchini.

"Bei einem Baum bedeutet ein breiter Ring, dass es viel Regen gab und der Baum sich in dem Jahr in gutem Zustand befand", sagte er dem Magazin "Newsweek". Ein dünner Ring bedeute, dass die Bedingungen nicht so ideal waren. Ähnlich sei es mit den Zähnen: "Babyzähne sind die reinste Form, weil sie aus pränatalen Material bestehen, so dass chemische Belastungen leichter zu messen sind und die Ergebnisse klarer sind."

Insgesamt 400.000 Menschen sind infolge der Angriffe am 11. September krank

Die Ärzte schätzen, dass insgesamt 400.000 Frauen und Männer an physischen Krankheiten wie Krebs und psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit den Angriffen am 11. September leiden. Das heißt, dass die meisten Menschen, die im Umkreis von 1,5 Meilen von Ground Zero in Manhattan und Brooklyn gelebt und gearbeitet haben, noch nicht wissen, dass sie gefährdet sind.

Obwohl es bereits umfangreiche Forschungen gibt, die den Staub und Schmutz bei Ground Zero in Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen und Krebs bei Arbeitern und gemessen haben, sind Studien zur Toxin-Exposition von damals dort lebenden Kindern laut Experten praktisch unerforschtes Territorium.

Kimberly Flynn, Mitbegründerin und Direktorin der Downtown-Outreach-Gruppe 9/11-Environmental Action, half Lucchini im Rahmen seiner Studie bei der Kontaktaufnahme mit der Community. Sie schätzt, dass etwa 40.000 Kinder während der Angriffe in der Schule oder in der Tagesbetreuung in der Nähe von Ground Zero waren.

Kinder: die am wenigsten untersuchte Gruppe bei der 9/11-Umweltkatastrophe"

"Kinder bleiben die am wenigsten untersuchte Gruppe bei der 9/11 Umweltkatastrophe", sagt sie. Flynn zufolge behinderte die anfängliche Geheimhaltung nach dem Terrorangriff die Datenerfassung. "Die Gemeinschaft fordert aber weiterhin Antworten, damit Familien und Kinder besser verstehen, wie sie mit ihren Risiken aus 9/11 umgehen können."

Dsa liegt auch an den Hürden. Eine der größten Herausforderungen: die Suche nach Kindern im unteren Manhattan, die ihre Babyzähne noch 16 Jahre nach den Anschlägen noch haben. Benötigt  werden zwei bis vier Zähne von Kindern, die nach 9/11 geboren wurden oder deren Mütter zum Zeitpunkt des 11. September schwanger waren.

Andere Studien, die die Gesundheit der Kinder von 9/11 zum Gegenstand haben, ploppen jetzt so langsam auf. Eine Untersuchung, freigegeben am 7. September von der New York University Langone Health, zeigt frühe Anzeichen eines Herzerkrankungsrisikos bei Kindern, die den toxischen Chemikalien vom 11. September ausgesetzt waren.

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