Vor der Erkrankung verändert sich das orale Mikrobiom

Früherkennung von Pankreaskarzinomen möglich?

Aktuelle Forschungen zeigen, dass Menschen mit bestimmten pathogenen Keimen im oralen Mikrobiom ein höheres Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs haben. Diese Erkenntnis könnte für die Früherkennung wichtig werden.

Porphyromonas gingivalis: Zeigt das vermehrte Auftreten des bekannten Parodontitiskeims auch ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs an? Giovanni Cancemi - stock.adobe.com

Pankreaskarzinome sind nicht häufig – aber mit einer geschätzten Fünf-Jahres-Gesamtüberlebensrate von circa elf Prozent [Rawla et al., 2019] zählen sie zu den tödlichsten bösartigen Erkrankungen. Die Mehrheit der Patienten, bei denen ein Pankreaskarzinom diagnostiziert wird, ist zum Zeitpunkt der Vorstellung bereits nicht mehr kurativ therapierbar [Benassai et al., 2015]. Die Ursachen für die Entstehung von Pankreaskarzinomen sind bislang ungeklärt. Es wurden jedoch diverse Risikofaktoren identifiziert, darunter Alkohol, fortgeschrittenes Alter, niedriger sozioökonomischer Status und Rauchen [Lowenfels et al., 2006].

Wie aktuelle Forschungen zeigen, scheint es bereits Jahre vor der Diagnose „Pankreaskarzinom” zu erkennbaren Verschiebungen in der Zusammensetzung des oralen Mikrobioms zu kommen. Ein im Juni 2022 erschienenes Review aus dem Journal „Microbiome” fasst den Forschungsstand zu dem Thema zusammen: Bereits vor zwanzig Jahren wurden Zusammenhänge zwischen schlechter Mundgesundheit und der Entwicklung eines Pankreaskarzinoms beobachtet. Durch die zwischenzeitlich entwickelte Genanalyse-Technologie des Next-Generation Sequencing (NGS) können seit mehreren Jahren komplette Bakteriengenome entschlüsselt werden. Dabei werden auch nicht im Labor kultivierbare Bakterien des oralen Mikrobioms identifiziert. Diese waren vor der Einführung des NGS schlichtweg nicht detektierbar - mit der Folge, dass die exakte Zusammensetzung des oralen Mikrobioms eines Menschen nicht bestimmt werden konnte. Mit der Einführung des NGS ließen sich nun die Wissenslücken schließen und die Zusammenhänge des oralen Mikrobioms mit anderen Erkrankungen erforschen.

Forschungsstand gibt Anlass zur Hoffnung

Inzwischen bestätigen mehrere Studien, einschließlich zweier Meta-Analysen [Bracci et al., 2017; Michaud et al., 2014], was bereits vor zwanzig Jahren vermutet wurde. Es existieren tatsächlich Zusammenhänge der Entwicklung von Pankreaskarzinomen mit der Verschiebung der bakteriellen Zusammensetzung des oralen Mikrobioms, die bereits Jahre vor der Diagnose Pankreaskarzinom festgestellt werden können. Hierzu wurde das orale Mikrobiom von Risikopatienten und Vergleichsgruppen bereits zehn Jahre vor der potenziellen Erkrankung untersucht. Ergebnis: Menschen mit Porphyromonas gingivalis und Aggregatibacter actinomycetemcomitans im oralen Mikrobiom hatten dabei ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms [Fan et al., 2018].

Darüber hinaus wurden pathogene Bakterien wie Fusobacterium nucleatum und Granulicatella adiacens, die in der Mundhöhle verbreitet sind, auch direkt in Vorläuferläsionen von Pankreastumoren gefunden [Gaiser et al., 2019] und in einer Fall-Kontroll-Studie mit 405 Fällen von Pankreastumoren und 410 Kontrollpersonen wurde ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko für Pankreastumoren bei denjenigen beobachtet, die hohe Antikörperspiegel gegen einen pathogenen Stamm von Porphyromonas gingivalis aufwiesen [Michaud et al., 2013]. Zum aktuellen Zeitpunkt sind viele Zusammenhänge und Mechanismen noch ungeklärt, der Forschungsstand gibt jedoch Anlass zur Hoffnung, Risikopatienten künftig über Mikrobiomanalysen identifizieren zu können. Dabei könnte die im Vergleich zu Biopsien einfache Gewinnung von Proben solche Analysen des oralen Mikrobioms als nicht-invasive Screeningmethode unterstützen.

Herremans, K.M., Riner, A.N., Cameron, M.E. et al. The oral microbiome, pancreatic cancer and human diversity in the age of precision medicine. Microbiome 10, 93 (2022). https://doi.org/10.1186/s40168-022-01262-7

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