Zum Verschluss der Gaumenspalte

Knochenzüchtung per Tissue Engineering bewirkt Zahndurchbruch

Dieser Fall beschreibt eine neue Therapie zum Knochenwachstum mit gelungenem anschließenden Zahndurchbruch bei einem Spaltpatienten mit entsprechendem angeborenen Knochenleck.

Freigelegte Kieferspalte Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Der jetzt 21-jährige Mann wurde mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte links geboren.

Der Patient 1996 im Alter von zwei Wochen. | Copyright Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Mit sechs Lebensmonaten wurde die Lippe, mit elf Monaten der Weichgaumen und mit 29 Monaten der Hartgaumen verschlossen. Es folgte zur Sprachverbesserung eine Re-Operation des Gaumens kurz vor der Einschulung mit fünf Jahren und neun Monaten.

 

Da im Bereich des zahntragenden Fortsatzes gerade bei breiten Kieferspalten oft noch ein restlicher Knochendefekt beziehungsweise ein Knochendefizit besteht, ist es notwendig, dies aufzufüllen, um langfristig die richtige Einordnung beziehungsweise den Durchbruch der bleibenden Zähne zu gewährleisten. Dazu erfolgt mit etwa zehn Jahren die sogenannte Spaltosteoplastik - üblicherweise mit einer Transplantation von Knochen aus dem Becken. Nicht bei diesem jungen Mann.

Wechselgebiss: Zahn 12 steht palatinal, wurde später entfernt, Lücke im Eckzahnbereich links (2004)| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 

Tissue Engineering erspart Zweit-OP

Bei ihm wurde diese Operation der Kieferspaltostoeplastik zu Beginn 2007 notwendig. Seine Eltern hatten nach umfangreicher Besprechung und Aufklärung zugestimmt, das neuartige Verfahren der Translationalen Medizin mit Transplantation von mittels Tissue Engineering gezüchtetem Knochen anstelle von Knochen aus dem Becken anzuwenden.

Osteoblasten-ähnliche Zellen (grüne Punkte) auf Biomaterial vor der Transplanatation (Fluoreszenzfärbung, x 500)| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Dazu wurde im Dezember 2006 in örtlicher Betäubung ein kleines Stück Oberkieferknochen (aus regio 16) entnommen. Die Mutter spendete zehn Röhrchen Venenblut, um daraus Serum zu gewinnen, das für die Anzüchtung der Knochenzellen in Zellkultur notwendig ist.

Biomaterial mit Zellen vor der Transplantation| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Aus dem Knochengewebe wurden im Kultivationsmedium mit dem Serum der Mutter die Knochenzellen (Osteoblasten) gezüchtet. Nach ausreichender Vermehrung der Zellen - dazu erfolgt ein etwa dreimaliges Umsetzen und Teilen der Zellen in den Kulturflaschen - wurden damit poröse, knochenähnliche Trägermaterialien - in diesem Fall Osteovit, eine entmineralisierte Knochenmatrix - drei Tage vor der Transplantation besiedelt.

 

Transplantation des im Tissue Engineering hergestellten Knochens in die Kiefespalte| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

 

DVT unmittelbar postoperativ vom 19.2.2007: kein Knochen in der Kieferspalte, nicht mineralisches Biomaterial nicht sichtbar| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

DVT vom 14.8.2007 (Knochen in der Kieferspalte sichtbar, Zahn 23 im Durchbruch| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Die Osteoblasten wuchsen auf dem Material an. Im Februar 2007 wurde dann die Kieferosteoplastik im Oberkiefer links (regio 22) mit dem autogenen Tissue Engineering-Knochen durchgeführt.

 

Nach der Kieferosteoplastik

Schon wenige Wochen später kam es zum Spontandurchbruch von Zahn 23 durch den neu gebildeten Kieferknochen. Bis Oktober waren dann beide Eckzähne (13 und 23) durchgebrochen und konnten kieferorthopädisch eingestellt werden.

 

 

Röntgenaufnahme präoperativ vom 24.11.2006: Kieferspalte mit Zahn 23 im Knochen, Zapfenzahn 22| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Röntgenaufnahme postoperativ vom 12.10.2007: Zahn 23 ist durchgebrochen.| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Nach der Kieferspaltosteoplastik, Zahn 23 ist spontan durchgebrochen (2010)|  Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Oberkiefer nach Abschluss der Behandlung (2016)| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Nach Abschluss der Behandlung (2016)| Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Da trotz des erfolgreichen Verschlusses der Kieferspalte bei Nichtanlage der seitlichen Schneidezähne der Oberkiefer im Vergleich zum Unterkiefer zu schmal war und zu weit hinten lag, wurden bei dem Patienten nach Abschluss des Kieferwachstums noch zwei kieferverlagernde Operationen und eine Lippen-/Nasenkorrektur durchgeführt.

Patient im Alter von 20 Jahren (2016) | Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie, Uniklinikum Dresden

Heute hat der junge Mann keinerlei Beeinträchtigungen und niemand ahnt seinen schweren Start ins Leben.

Fazit: Dieses Beispiel zeigt, dass Translationales Vorgehen mittels Tissue Engineering-Knochen ein ebenso gutes klinisches Resultat liefert wie die herkömmliche Technik, jedoch mit dem gravierenden Vorteil der deutlich geringeren Entnahme-Morbidität.

Die Röntgenbilder (DVT) beweisen die Verknöcherung im Areal des transplantierten Tissue Engineering-Gewebes. 

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