Wie lange halten Zähne nach regenerativer Therapie?

R. Earl Robinson Regeneration Award geht erstmals nach Deutschland

Der Preis der American Academy of Periodontology (AAP Foundation) geht dieses Jahr erstmals an ein deutsches Forscherteam. Preisträger Prof. Dr. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Frankfurter Carolinum stellt die prämierte Arbeit hier vor.

Diese Studie war eine Herzensangelegenheit! Die Preisträger Prof. Dr. Peter Eickholz, Dr. Hari Christian Petsos und PD. Dr. Katrin Nickles (v.l.n.r.) mit der Urkunde des R. Earl Robinson Regeneration Award 2020. Peter Eickholz

Die AAP Foundation verleiht seit 1989 einmal im Jahr den R. Earl Robinson Regeneration Award für den herausragendsten wissenschaftlichen Beitrag auf dem Gebiet der regenerativen Parodontaltherapie. Dabei werden Beiträge aus Grundlagen- und klinischer Forschung berücksichtigt. Preisanwärter können sich nicht auf diese Auszeichnung bewerben, sondern werden von zahnärztlichen Kollegen vorgeschlagen und von einem unabhängigen Komitee ausgewählt.

Dieses Jahr ging dieser Preis erstmalig seit Bestehen an eine deutsche Autorengruppe, angeführt von Dr. Hari Petsos, nach Frankfurt am Main. Ausgezeichnet wurden Petsos und seine Koautoren, Prof. P. Ratka-Krüger (Freiburg), PD Dr. K. Nickles, Dr. E. Neukranz, Prof. P. Raetzke sowie Prof. P. Eickholz (alle Frankfurt/Main), für ihren Beitrag „Infrabony defects 20 years after open flap debridement and guided tissue regeneration“ im Journal of Clinical Periodontology [Petsos et al., 2019].

Langzeitdatenvergleich zu GTR-Technik und Zugangslappen-OPs

Dabei präsentieren die Autoren in Form einer prospektiven, randomisierten, klinisch kontrollierten Studie erstmals Langzeitdaten über 20 Jahre auf dem Feld der regenerativen Parodontaltherapie, in denen sie die originäre GTR-Technik - guided tissue regeneration - mit konventionellen Zugangslappenoperationen nach einem, zehn und 20 Jahren verglichen haben [Ratka-Krüger et. al, 2000; Nickles eta al., 2009; Petsos et al, 2019].

Die Studie wurde vor 20 Jahren von Ratka-Krüger, Neukranz und Raetzke in der Frankfurter Poliklinik für Parodontologie initiiert und von Nickles, Petsos und Eickholz weiterverfolgt und nachuntersucht.

Nicht zuletzt aus dieser generationenübergreifenden Verbundenheit der Autoren untereinander war diese Studie eine Herzensangelegenheit, die nun mit dieser hochrangigen Auszeichnung einen tollen Abschluss gefunden hat!

Die Attachmentgewinne sind seit über 20 Jahren stabil

Die Arbeitsgruppe aus der Poliklinik für Parodontologie des Zentrums der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt konnte zwölf Patienten mit 38 Knochentaschen, die entweder mit Zugangslappen oder regenerativ (Membran: Polylaktat-Tributylzitrat) behandelt worden waren (RCT), nachuntersuchen.

Unabhängig von der Therapieform waren die Attachmentgewinne, die zwölf Monate nach der Therapie beobachtet worden waren, über 20 Jahre stabil. In diesem Zeitraum wurden insgesamt sieben der Testzähne extrahiert (drei Zugangslappenoperationen, vier Membran/GTR). 20 Jahre nach Zugangslappenoperation und GTR in Knochentaschen waren 31 von ursprünglich 38 Zähnen (82 Prozent) noch in Funktion.

Hintergrund

Die neue Leitlinie der European Federation of Periodontology (EFP) für die Behandlung von Parodontitis Stadium I, II und III, die aktuell von der DG PARO für Deutschland adaptiert wird, empfiehlt ein stufenweises Vorgehen.

In Stufe 1 werden eine effektive Plaquekontrolle etabliert und Risikofaktoren (zum Beispiel Rauchen) kontrolliert. In Stufe 2 erfolgt die subgingivale Instrumentierung. Sollten nach Therapiestufe 2 noch tiefe Resttaschen (≥6 mm) vorliegen, wird ein chirurgisches Vorgehen empfohlen.

Für die Indikationsgruppen „tiefe Knochentaschen“ (≥3 mm) und „Furkationsbefall Grad II“ an Unterkiefer- sowie bukkal an Oberkiefermolaren führt die Anwendung regenerativer Verfahren zu besseren klinischen beziehungsweise röntgenologischen Ergebnissen als Zugangslappenoperationen und wird deshalb empfohlen.

Die Evidenz für diese klinische Überlegenheit und die Empfehlung der Leitlinie beruht allerdings auf klinisch kontrollierten Studien, zumeist mit Laufzeiten von 12 Monaten. Der Aufwand und die Kosten regenerativer parodontalchirurgischer Maßnahmen sind verhältnismäßig hoch und nur gerechtfertigt, wenn sie zum langfristigen Erhalt der behandelten Zähne beitragen. Von Langzeitergebnissen spricht man bei Beobachtungszeiträumen ab fünf Jahren. Je länger die Beobachtungszeiträume, desto größer das Vertrauen in das betreffende Behandlungsverfahren.

Literatur

  1. Petsos H, Ratka-Kruger P, Neukranz E, Raetzke P, Eickholz P, Nickles K. Infrabony defects 20 years after open flap debridement and guided tissue regeneration. J Clin Periodontol 2019;46:552-563.
  2. Ratka-Kruger P, Neukranz E, Raetzke P. Guided tissue regeneration procedure with bioresorbable membranes versus conventional flap surgery in the treatment of infrabony periodontal defects. J Clin Periodontol 2000;27:120-127.
  3. Nickles K, Ratka-Kruger P, Neukranz E, Raetzke P, Eickholz P. Open flap debridement and guided tissue regeneration after 10 years in infrabony defects. J Clin Periodontol 2009;36:976-983.
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