Zahnmedizin

Veränderungen der Zahngesundheit in der Schweiz

Jahrzehntelang war für die Deutschen die Schweiz das Land des Goldstandards in Sachen Jugendzahnpflege, Oralprophylaxe und co. Wie war die Datenlage damals und wie ist sie heute? Was hat sich geändert? Eine Studie gibt Auskunft.

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In dieser Studie wurden Zusammenhänge zwischen dem sozioökonomischen Status und Veränderungen der Mundgesundheit sowie der zahnmedizinischen Versorgung* in der Schweiz zwischen 1992 und 2012 analysiert.

*In der Schweiz müssen die Bürger in der Regel selbst für ihre zahnmedizinische Versorgung aufkommen. Nur Behandlungen, die aufgrund angeborener Erkrankungen oder nach Unfällen erforderlich sind, werden durch eine Krankenversicherung gedeckt.

Methode

1992 wurde erstmals eine allgemeine Erhebung zur Gesundheit der schweizerischen Bevölkerung durchgeführt und seitdem regelmäßig wiederholt. Für diese Analyse wurden die Daten von Personen mit einem Mindestalter von 15 Jahren zur Mundgesundheit aus den Jahren 1992/1993, 2002 und 2012 verwendet.

2012 lagen Daten von 17.784 Personen, 2002 von 14.661 und 1992/1993 von 14.661 Personen vor. Sie hatten in einem Fragebogen Angaben zu ihrer Mundgesundheit gemacht. Als Ergebnisvariablen wurden die Anzahl der fehlenden Zähne (außer Weisheitszähnen) und das Tragen einer Prothese verwendet.

Entsprechend der Anzahl fehlender Zähne erfolgte eine Kategorisierung in fünf Gruppen (alle Zähne vorhanden / 1-2 / 3-8 / 9-27 fehlende Zähne / zahnlos). Anhand der Prothesen wurden drei Gruppen gebildet (herausnehmbare Voll- oder Teilprothese / Kronen oder Brücken vorhanden / Implantate vorhanden). Die gebildeten Kategorien wurden auf Zusammenhänge zu sozioökomischen Parametern hin untersucht, beispielsweise dem Bildungsgrad oder dem Einkommen.

Die Ergebnisse

Zahnlosigkeit: Die Anzahl fehlender Zähne stieg mit dem Lebensalter signifikant an: Personen der Gruppe, denen durchschnittlich zehn Zähne fehlten, waren 1992/1993 55 bis 65 Jahre alt, 2002 65 bis 74 Jahre und 2012 fehlten bei Personen im Alter von 75 bis 84 Jahren durchschnittlich neun Zähne. 2012 hatten 55,2 Prozent der Personen zwischen 15 und 74 Jahren noch alle Zähne, während dies 2002 nur auf 45,9 Prozent und 1992/1993 auf 44,7 Prozent zutraf.

Allgemeiner Zahnstatus: Insgesamt hatte sich der zahnmedizinische Status in dem Untersuchungszeitraum verbessert, war jedoch nach wie vor von Faktoren wie dem Körpermassenindex (BMI), Rauchen, dem Bildungsgrad oder dem Einkommen abhängig. So hatten Personen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht häufiger ein komplettes oder adäquat funktionierendes Gebiss als adipöse Personen (57 Prozent versus 37 Prozent).

Prothese: Nur 45 Prozent der Probanden bis 74 Jahre im Jahr 2012 hatten eine Prothese, 2002 waren es 49 Prozent und 1992/1993 sogar 50 Prozent.

Festsitzender Zahnersatz wurde 2012 am häufigsten von Personen zwischen 55 und 74 Jahren getragen (54-55 Prozent), 2002 war dies bereits zwischen 45 und 64 Jahren der Fall (51- 52 Prozent) und 1992/1993 zwischen 45 und 54 Jahren (51 Prozent).

Herausnehmbare Prothese: Ein ähnlicher Trend war bei herausnehmbaren Prothesen zu beobachten: 2012 betrug die Inzidenz 43 Prozent in der Gruppe der 75-84-Jährigen und 60 Prozent bei den über 84-Jährigen.

2002 waren es in diesen Altersgruppen 72 Prozent beziehungsweise 85 Prozent. Insgesamt nahm der Anteil der Probanden mit herausnehmbaren Prothesen von 18,7 Prozent in den Jahren 1992/1993 auf 7,7 Prozent im Jahr 2002 ab.

Auch hier zeigten sich Zusammenhänge mit dem Körpergewicht: Obwohl in allen BMI-Kategorien der Anteil der Probanden mit herausnehmbaren Zahnersatz abnahm, hatten adipöse Personen 2012 etwa doppelt so häufig eine Prothese wie normalgewichtige (18 versus 8 Prozent).

Vollständige Zahnlosigkeit: Die Anzahl zahnloser Personen nahm von 6 Prozent in den Jahren 1992/1993) auf 2 Prozent im Jahr 2012 ab.

Weitere soziologische Parameter

Unterschiede hinsichtlich Geschlecht, Schweizer oder ausländischer Herkunft und einer ländlichen beziehungsweise  städtischen Wohngegend wurden ebenfalls geringer. Menschen mit höheren Einkommen oder Bildungsgrad hatten häufiger Implantate und festen Zahnersatz, während Personen mit geringerem Einkommen oder geringerem Bildungsgrad häufiger herausnehmbare Prothesen trugen.

Obwohl die Kosten für zahnmedizinische Behandlungen in der Schweiz zumeist selbst getragen werden müssen, wirkte sich der sozioökonomische Status nur geringfügig auf die Mundgesundheit aus.
Insgesamt wurden starke Korrelationen zwischen dem Tragen von Zahnersatz und dem Alter beobachtet, während Korrelationen mit dem Bildungsgrad, dem Einkommen oder der Nationalität nur schwach ausgeprägt waren.

Signifikante Zusammenhänge mit Adipositas aus univariaten Analysen (OR 1,95; 95% CI: 1,76-2,17) waren in multivariaten Analysen nicht mehr zu beobachten (OR 1,05; 95% CI: 0,92-1,19).

Zusammenfassung

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Mundgesundheit in der Schweiz im Untersuchungszeitraum von 20 Jahren wesentlich verbessert hat. 2012 waren mehr Zähne erhalten, ihre Funktionalität war besser, komplette Zahnlosigkeit trat seltener auf und weniger Personen benötigten Zahnersatz als 1992.

Die Personengruppen, in denen herausnehmbarer oder fester Zahnersatz am häufigsten benötigt wurde, war etwa zehn Jahre älter als noch vor 20 Jahren. Der sozioökonomische Status zeigte nur geringe Assoziationen zur Mundgesundheit.


Quelle: IME Wissenschaftlicher Informationsdienst 2/2017; Eur J Oral Sci. 2017 Feb;125(1):55-62

Schneider C: Swiss Tropical and Public Health Institute, Basel, Switzerland; University of Basel, Basel, Switzerland;

Zemp E: Swiss Tropical and Public Health Institute, Basel, Switzerland; University of Basel, Basel, Switzerland;

Zitzmann NU: Clinic of Periodontology, Endodontology and Cariology, University Center for Dental Medicine, University of Basel, Basel, Switzerland; n.zitzmann@unibas.ch

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