Deutsches Krebsforschungszentrum

Warum EBV Nasopharynxkarzinome als auch Pfeiffersches Drüsenfieber auslösen kann

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist weit verbreitet. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben nun herausgefunden, dass verschiedene Virusvarianten sehr variable Infektionsverläufe auslösen - und warum manche Vertreter Krebs verursachen.

Unterschiedliche Virustypen können beim EBV für unterschiedliche Erkrankungen verantwortlich sein. Adobe Stock_syahrir

Mehr als 90 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Virus – mit sehr unterschiedlichen Konsequenzen. Während die Infektion bei einigen ohne Folgen bleibt, kann sie bei anderen Pfeiffersches Drüsenfieber oder verschiedene Krebsarten auslösen.

Die Folgen bei einer Infektion können regional sehr verschieden sein: Vorwiegend in Europa und Nordamerika ist das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) verbreitet, an dem meist Jugendliche oder junge Erwachsene erkranken. In Äquatorial-Afrika steht das Burkitt-Lymphom im Zusammenhang mit einer EBV-Infektion. Und in Taiwan, Südchina und Südostasien verursacht das Virus häufig Nasopharynxkarzinome, Krebserkrankungen des Nasen-Rachen-Raums. Dabei handelt es sich in diesen Ländern um eine der häufigsten Tumorerkrankungen bei jungen Erwachsenen.

Wie kommt es, dass EBV in der Welt unterschiedliche Folgen hat?

„Das EBV-assoziierte Nasopharynxkarzinom tritt auch bei uns gelegentlich auf, ist aber deutlich seltener als in Asien“, sagt Henri-Jacques Delecluse vom DKFZ. Doch wie kommt es, dass EBV in verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen kann? „Eine mögliche Erklärung ist, dass verschiedene Virustypen dafür verantwortlich sind“, folgert Delecluse. „Und genau dafür haben wir jetzt einen Beweis gefunden.“ Ihre Ergebnisse veröffentlichen die DKFZ-Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Nature Microbiology.

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist auch in Deutschland weit verbreitet: Die Seroprävalenz von EBV in Deutschland, also das Vorkommen von Antikörpern gegen EBV im Blut, beträgt bei kleinen Kindern von 6 bis 38 Monaten 35 Prozent und bei älteren Kindern beziehungsweise Jugendlichen bis 17 Jahre 74 Pro­zent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bun­destag vom 14. Mai 2019 hervor.

Delecluse und seine Team hatten im Labor einen Virusvertreter (Typ M81) untersucht, der zuvor aus einem Nasopharynxkarzinom isoliert worden war. M81 weist einige Besonderheiten auf. So hatten die Forscher bereits früher erkannt, dass M81 neben den B-Zellen des Immunsystems auch sehr effizient Epithelzellen der Nasenschleimhaut infiziert.

Unterschiedliche Virustypen, unterschiedliche Krankheiten

Virustypen, die bei uns das Pfeiffersche Drüsenfieber auslösen, infizieren dagegen fast ausschließlich B-Zellen. Und in der Kulturschale sorgen die hierzulande verbreiteten Vertreter zwar dafür, dass sich die infizierten B-Zellen vermehren, aber keine neuen Viruspartikel herstellen – ganz im Gegensatz zu M81.

Ein Grund für dieses unterschiedliche Verhalten liegt in einem genetischen Element namens EBER2, das in vielen verschiedenen Variationen vorkommt und für die Vermehrung des Virus verantwortlich scheint. M81 besitzt eine EBER-2-Variante, die sich in EBV-Vertretern aus Nasopharynxkarzinomen besonders häufig findet.

Um herauszufinden, wie sich diese Variante auf das Verhalten der Viren auswirkt, haben die Forscher mit molekularbiologischen Werkzeugen EBER2 aus dem M81-Genom ausgeschnitten. „Tatsächlich konnte sich das Virus in den infizierten Zellen nicht mehr vermehren“, sagt Delecluse. Auch wenn dem M81-Virus ein EBER2-Element aus einem hierzulande verbreiteten Virustyp eingefügt wurde, war es nicht mehr in der Lage Viruspartikel herzustellen.

Eine Schutzimpfung könnte ähnlich aussehen wie die gegen HPV

„Wie haben damit endlich einen Beweis dafür gefunden, dass unterschiedliche Virustypen für unterschiedliche Erkrankungen verantwortlich sein können“, unterstreicht Delecluse die Bedeutung seiner Ergebnisse. „Diese Erkenntnis ist ein starkes Argument dafür, die Impfstoff-Forschung voranzutreiben, um für die Zukunft einen Schutz vor den gefährlichsten EBV-Vertretern zu entwickeln“, urteilt Delecluse. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert heute schon die Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Zhe Li, Ming-Han Tsai, Anatoliy Shumilov, Francesco Baccianti, Sai Wah Tsao, Remy Poirey, and Henri-Jacques Delecluse. A non-coding RNA from a carcinogenic virus induces an inflammatory response to promote virus production in infected cells. Nature Microbiology 2019, DOI 10.1038/s41564-019-0546-y

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